Gelobt sei Gott - Grâce à Dieu, F | B 2019

Alexandre war in seiner Jugend Pfadfinder. Jetzt lebt er mit Frau und Kindern in Lyon. Dort erfährt er per Zufall, dass ein Priester, den er aus dem Pfadfinderlager kennt, noch immer mit Kindern arbeitet. Für Alexandre ist das ein Schock, denn er wurde selbst als Kind von diesem Kirchenmann missbraucht.

Es bleibt ihm nichts anderes übrig, als einzugreifen. Bald schließen sich ihm zwei weitere Missbrauchsopfer, François und Emmanuel, an. Gemeinsam finden sie die Kraft, gegen das Schweigen zu kämpfen, das sie all die Jahre mit ihrem Martyrium allein gelassen hat. Es formiert sich ein Widerstand, der zu einer Lawine wird, die sich am Ende nicht mehr aufhalten lässt.

Regisseur François Ozon hat sich zunächst mit Aussagen von Männern befasst, die als Kinder missbraucht wurden. Dabei ist ihm der echte, mittlerweile 40 Jahre alte Alexandre aufgefallen, dessen Geschichte ihn besonders berührt hat. Eigentlich wollte Ozon einen Dokumentarfilm über die männliche Zerbrechlichkeit drehen, am Ende ist es aber ein Spielfilm über tatsächlich geschehene Angriffe auf der Kirche anvertraute Kinder geworden.

Alles, was der Film erzählt, beruht auf Tatsachen aus einem Missbrauchsskandal, der sich in Lyon zugetragen hat. Mit atemlosen Bildern, die im Wettlauf mit den aktuellen Entwicklungen zu stehen scheinen, verleiht der Regisseur der Geschichte eine Emotionalität, die den Zuschauer nicht mehr los lässt. Der Film wurde mit dem Großen Preis der Jury auf der diesjährigen Berlinale ausgezeichnet. Er ist eine erschütternde Bestandsaufnahme der Versäumnisse in der katholischen Kirche und plädiert für Ehrlichkeit und Zusammenhalt. sg

Ab 26. September in den Kinos.



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