Nur eine Frau, D 2019

Die Deutschkurdin Aynur (Almila Bagriacik) wird mitten in Berlin auf offener Straße von ihrem Bruder Nuri (Rauand Taleb) erschossen. Sie wollte ihn nur zur Bushaltestelle begleiten, wenige hundert Meter von ihrer Wohnung entfernt. Dort schläft ihr fünfjähriger Sohn Can, nicht ahnend, dass er seine Mutter nie wieder sehen wird.

Wie konnte es zu dieser schrecklichen Tat, einem Ehrenmord, kommen? Der Film erzählt die Geschichte des jungen Mordopfers. Aynur ist eine selbstbewusste Frau, die in westlicher Kultur und Gesellschaft aufgewachsen ist. Sie liebt das Leben und will sich weder einsperren lassen, noch erträgt sie Gewalt in der Ehe. Im Gegenteil: Aynur will selbst entscheiden, wie sie ihr Leben lebt.

Entgegen der Familientradition lässt sie sich auch von ihren Brüdern und den Eltern nichts vorschreiben. Für sich und ihren Sohn sucht sie eine eigene Wohnung und beginnt eine Ausbildung, um finanzielle Unabhängigkeit zu erreichen. Dabei lernt sie auch neue Freundinnen kennen und geht abends gern mal aus. Ihrer Familie geht das gehörig gegen den Strich, denn Aynur macht natürlich auch Männerbekanntschaften.

Die junge Frau weiß, dass ihr Kampf gegen die traditionelle Lebensweise der Eltern sie in Gefahr bringt, aber ihre Sehnsucht nach Freiheit ist stärker als ihre Angst. Beleidigungen und Drohungen durch ihre Brüder werden immer ernster, bis es irgendwann zum Drama kommt.

Regisseurin Sherry Hormann, bekannt durch den Film "Wüstenblume", in dem sie die Kindheit und das Erwachsenwerden des somalischstämmigen Modell Waris Dirie erzählt, hat die wahre Geschichte von Hatun Sürücü verfilmt, die 2005 in Berlin-Tempelhof mitten auf der Straße von ihrem Bruder mit drei Kopfschüssen getötet wurde.  sg


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