33 Jahre Tierheim Hasert

Heidemarie Hasert: „Tiere sind doch auch nur Menschen!“

Katrin, die Enkelin von Heidemarie Hasert, ist quasi mit den tierischen Schützlingen groß geworden.Foto: fdk

Luckenwalde. Menschen“, sagt sie, streicht mit der Hand das Tischdeckchen auf dem alten Couchtisch vor sich gerade, blickt aus dem Fenster in den winterlichen Garten und meint: „Sie fühlen Schmerz und Freude wie wir, sind glücklich über Aufmerksamkeit, dankbar, und ja, wir können viel von ihnen lernen.“
Wen genau Heidemarie  Hasert damit meint, verrät schon das Schild vor ihrem Haus in der Straße Jüterboger Tor - es sind ehemalige Haustiere, die zu schützen ihre Aufgabe ist. Seit 33 Jahren nun schon, denn solange gibt es das Tierheim Hasert und den Tierschutz- und Betreuungsverein für Luckenwalde und Umgebung e.V. nur etwas weniger an Jahren.

Hasert selbst ist nun 75, was nichts daran ändert, dass sie Hundeboxen, wie auch das Katzenhaus noch immer selbst reinigt, wie alle anderen Mitglieder des Vereines eben auch.
An Größe hat das Areal einiges zu bieten und dennoch, eine Luxusherberge für Vierbeiner ist es nicht. Wellnessbecken, Groomerplatz oder gar wohnstubenartig eingerichtete Boxen, wie sie in Edelherbergen andernorts zu finden sind, die sucht man in ihrem Tierheim vergebens.

Doch fragt man sie nach ihren Schützlingen, muss man sehr viel Zeit mitbringen. Jedes Tier dort hat seine eigene Geschichte, und Hasert kennt sie alle. Scheidung, Umzug oder auch der Tod von Menschen, hat für Haustiere zumeist dramatische Folgen. Es ändert sich alles, denn das Leben, so wie es die Vierbeiner oft jahrelang kannten, das gibt es nicht mehr. Dafür gibt es Menschen wie Heidemarie Hasert oder die anderen Mitglieder des Vereins, die, egal ob im Hauptberuf Krankenschwester, Anwalt oder Wolfsbeauftragter, sich in ihrer Freizeit um die Bewohner des Tierheimes kümmern. Oft bis zum Ende des Lebens dieser Tiere, denn von den aktuell sieben Hunden und zwölf Katzen hat kaum noch eines die Chance auf ein neues Zuhause. „Die meisten sind älter und wenn Menschen an ein neues Haustier denken, kommt doch meist  der Wunsch nach süßen kleinen und verschmusten Vierbeinern auf“, so Hasert, die kopfschüttelnd meint: „Uns Menschen jagt man ja auch nicht bei Rot über die Straße, nur weil wir alt sind.“

Die Tierheimchefin nimmt ihre Schützlinge wie sie sind und dennoch, das Leben von Heidemarie Hasert hätte ganz anders laufen können. Früher hat sie Grundschüler unterrichtet, später Bürokauffrau gelernt und in ihrer Freizeit Leistungssport betrieben. „Kunst- und Rennfahren  im Ernst-Kloß-Stadion war das“, sagt Hasert, und dass sie in den 60ern dabei 2. Deutscher Meister war,  fügt sie verlegen lächelnd noch hinzu. Auf den Hund jedoch kam sie bereits als Kind, mit vier Jahren. Ihr Opa, Schuhmacher Behrisch, der seine Werkstatt gleich neben dem Stadion hatte, schenkte ihr damals einen Dackel. Aus familiären Gründen war bald Schluss damit und es dauerte Jahrzehnte, bis ihr Ehemann den eigenen Kindern dann wiederum einen Dackel mit nach Hause brachte. „Da war es um mich geschehen, ohne Hund ging gar nichts mehr. Zu DDR-Zeiten begannen wir Malteser, American Cocker Spaniel und Cavalier King Charles Spaniel zu züchten.“ Die Einnahmen flossen ins Tierheim. Mit der Zucht war es nach dem Tod ihres Mannes vorbei - Verein und Tierheim gibt es jedoch noch heute.

„All das wäre ohne unsere ehrenamtlichen Mitglieder und auch die Futterspenden nicht möglich“, sagt sie und wünscht sich für die Zukunft nur dies: „Wir bekommen außer dem 28-Tage Futtergeld für Fundhunde keine weiteren Gelder für das was wir hier machen. Notwendige Reparaturen stemmen wir in Eigenregie, so gut es eben geht. Aber wenn ich einen Wunsch hätte, wäre es dies. Menschen, die sich die Anschaffung eines Haustieres stets gut überlegen. Und dies vielleicht noch. Eine vernüftige Zusammenarbeit auf Augenhöhe mit allen Ämtern, Tierfreunden  und -besitzern, so dass unsere Tiere hier und wohl irgendwie auch ich, einen möglichst ruhigen Lebensabend haben.
Wer sich im Verein engagieren oder Futter spenden möchte, der kann sich via Telefon 03371 / 614027 gerne melden. fdk

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