Brandenburger Störche ziehen weniger Junge groß

Brandenburger Störche ziehen weniger Junge groß

In Brandenburg ein sehr seltenes Bild: Ein Storch mit drei Jungen im Nest. Foto: Mabel Amber

Dem Storch fehlt die Nahrung: Anzeiger für den Rückgang der Artenvielfalt

Susanne Schöpke aus Frankenfelde betreut die Tafeln, auf denen die Reisedaten und Bruterfolge der Störche dokumentiert werden. Foto: Katrin Greiser

Dobbrikow.  Seit vielen Jahren arbeitet die Verwaltung des Naturparks Nuthe-Nieplitz mit zahlreichen engagierten Freiwilligen in den Naturparkdörfern zusammen, um das Leben des Weißstorches mehr in die Öffentlichkeit zu rücken. Vom Landesumweltamt und den Landkreisen finanziert, informieren von regionalen Tischlern gebaute Storchentafeln seit vielen Jahren Anwohner und Besucher über Adebars jährliche Reisedaten und Bruterfolge. Einige dieser Tafeln wurden jetzt erneuert. Zeit für eine "Stippvisite".

In über 30 Naturparkdörfern ist er zu Hause - der Weißstorch. In vielen Dörfern fiebern begeisterte und engagierte Anwohner förmlich seiner Ankunft im zeitigen Frühjahr entgegen und verfolgen über den Sommer das spektakuläre Treiben hoch oben über ihren Dächern. So auch im Naturparkdorf Groß Beuthen, wo das Familienleben der Störche sogar mit einer eigens installierten Videokamera dokumentiert wird. Zehn Storchen-Infotafeln wurden auf der Rundreise durch den Naturpark ausgetauscht, wie zum Beispiel in Frankenfelde bei Susanne Schöpke.

Im Naturparkdorf Salzbrunn konnte sogar eine neue Storchentafel am Jakobsweg installiert werden, da sich hier der Storch nun schon zum dritten Mal in Folge erfolgreich niederließ. Aber auch Negativmeldungen erreichten die Naturparkmitarbeiter bei ihrer "Stippvisite": In langjährigen Storchendörfern, wie zum Beispiel Niebelhorst, blieb das Nest unbesetzt. Die Infotafel wurde hier abgebaut.

Der europäische Weißstorch bevorzugt feuchte Lebensräume, in denen er seine Nahrung findet, scheut aber auch trockene Brachen nicht. Der Storch ist auf keine bestimmte Nahrung spezialisiert, frisst das, was ihm "vor den Schnabel kommt". Er ist ein sogenannter Nahrungsopportunist. Seine Speisekarte ist dementsprechend abwechslungsreich und reicht von Kleinsäugern wie Mäusen über Frösche, Regenwürmer, Eidechsen, Ringelnattern, Fische bis hin zu großen Insekten wie Heuschrecken und ihren Larven. Früher wurde er daher auch als "Kammerjäger" verehrt und geschätzt. In der Brutzeit braucht Familie Storch bis zu viereinhalb Kilo Nahrung täglich. Sie beanspruchen damit ungefähr 300 Hektar Grünland.

Die Erfassung der Bestandszahlen übernehmen zumeist ehrenamtliche Betreuer vom Naturschutzbund (Nabu). Für keine andere Vogelart ist die Bestandsentwicklung besser über lange Zeitreihen dokumentiert. Seit 1964 tragen die Storchenfreunde systematisch die Daten über Horstbesetzung und Bruterfolg der Störche auf Landkreisebene zusammen, so dass bundesweit flächendeckend Daten vorliegen, die Vergleiche zulassen und Entwicklungen deutlich machen. Die aktuellen Zahlen stammen aus dem Jahr 2019. Mit 1.189 Horstpaaren in ganz Brandenburg ist der Bestand seit 2014 weiter abnehmend. Zudem können die Störche immer weniger Junge großziehen. Um den Bestand stabil zu halten, müsste jedes Storchenpaar jedes Jahr zwei Küken lebenstüchtig in die Welt entlassen. 2019 waren es statistisch aber nur noch 1,6.

Für den Naturpark Nuthe-Nieplitz ergibt sich ein ähnliches Bild. Ein Vergleich aus drei Jahrzehnten, zeigt zwar eine Zunahme brütender Störche von 23 Brutpaaren im Jahr 1999 mit auf ganze 32 Paare im vergangenen Jahr. Im Gegenzug muss aber eine Abnahme der Brutgrößen im Naturpark festgestellt werden, was dem brandenburgweiten Trend entspricht. Konnten 1999 pro Brutpaar im Schnitt noch 2,3 Junge großgezogen werden, waren es 2019 nur noch 1,8 Junge pro Brutpaar. Für den Naturpark heißt das: Immer mehr Störche können immer weniger Junge großziehen. Die Ursachen dafür sind vielfältig. Wetterereignisse fordern beispielsweise insbesondere in nassen und regenreichen Jahr hohe Verluste, aber auch die Dürresommer der letzten zwei Jahre haben ihre Auswirkung auf die Nahrungsverfügbarkeit.

Weitere Gründe für das abnehmende Nahrungsangebot für Störche sind Änderungen in der Landnutzung, wie zum Beispiel der Verlust von Grünland und blütenreichen Brachen, etwa für den Anbau von Energiepflanzen. Finden Kleinsäuger und Amphibien keinen Lebensraum mehr, dann findet der Storch auch nicht mehr genug Nahrung, um seine Jungen zu füttern. Der Weißstorch gilt als Hauptanzeiger, als Schirmart für die Artenvielfalt einer Landschaft. Sein Wegbleiben oder auch sein ausbleibender oder abnehmender Bruterfolg signalisiert gravierenden Artenschwund in der Landschaft und sollte zum Nachdenken anregen, mahnt das Landesumweltamt.  red/sg  

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