Heilmittelerbringern droht der finanzielle Ruin

Lesermeinung von Paul Mitschard

Ludwigsfelde. Ob Physiotherapeuten, Ergotherapeuten, Logopäden oder Podologen – unter den Heilmittelerbringern wächst in diesen Tagen allerorts die Verzweiflung. Grund ist, dass wegen der Corona-Krise immer mehr Patienten ihre Behandlungstermine absagen. Die selbstständigen Praxisinhaber und deren Angestellte bringt das immer näher an den Rand des wirtschaftlichen Ruins. Sollten die Praxen aus finanziellen Gründen schließen müssen, wird dies auch in Ludwigsfelde nicht nur jetzt in der Krise, sondern auf Dauer massive Versorgungsprobleme bringen, was am Ende allen Patienten schadet, weil es Heilungsprozesse verzögert oder unmöglich macht. „Sollte dies nicht der Fall sein, nimmt die Politik wissentlich die Insolvenz von vielen tausend Heilmittelerbringern in Kauf und gefährdet damit hunderttausende von Arbeitsplätzen und die Gesundheit der Bevölkerung“, bringt es Ute Repschläger, Vorsitzende des Spitzenverbands der Heilmittelverbände (SHV), auf den Punkt. Die Heilmittelbereiche Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie und Podologie leiden laut SHV seit Jahren unter sehr geringen Vergütungssätzen. „Und bei den derzeitigen Umsatzrückgängen um 60 bis 90 Prozent sind die finanziellen Rücklagen dann schnell aufgebraucht wenn es sie überhaupt gibt“, verdeutlicht Repschläger. Grund für die Umsatzrückgänge ist einerseits, dass zahlreiche Patienten aus Angst vor der Corona-Welle ihre Termine absagen. „Viele unserer Patienten gehören zur Risikogruppe und bleiben nun lieber zuhause. Viele glauben aber auch, dass die Praxen aufgrund der verhängten Kontaktverbote geschlossen sind“, erläutert Repschläger. Das sei aber nicht korrekt. Heilmittelerbringer sind systemrelevant, d.h. sie gehören ausdrücklich zum Kern der Gesundheitsversorgung wie Krankenhäuser, Ärzte und Apotheker auch. Sie dürfen – und müssen – weiterhin Patienten behandeln. „Deshalb muss ein weiterer Rettungsschirm ganz selbstverständlich auch für uns Therapeuten gelten“, fordert die SHV-Vorsitzende. Der Verband fordert finanzielle Soforthilfen von der Gesetzlichen Krankenversicherung in Form von Ausgleichszahlungen. „Wenn wir keine Leistung erbringen können, entstehen den Krankenkassen keine Kosten. Ganz im Gegenteil: Sie profitieren finanziell von dieser Situation“, sind sich alle SHV-Mitgliedsverbände einig: „Denn die Kosten für Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie und Podologie sind im Haushaltsplan der Krankenkassen bereits eingeplant. Es bringt sie also nicht in finanzielle Schwierigkeiten, den Heilmittelerbringern eine Soforthilfe auszuzahlen, um deren Umsatzeinbußen auszugleichen. Für die Krankenkassen ist das ein Nullsummenspiel. Den Heilmittelerbringern rettet das aber deren Existenz– und darauf kommt es im Moment mehr denn je an. Andernfalls ist die Versorgung mit Heilmitteln in der Zukunft gefährdet.“ 

Kommentar schreiben

comment

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.
Pflichtfelder sind markiert mit*

Weitere Nachrichten aus Teltow-Fläming

Einmalige Rückholaktion
Berlin

Einmalige Rückholaktion

Das von AFS gecharterte Flugzeug mit Flugnummer HFY 521 startete Montagabend in Chicago O’Hare und erreichte am gestrigen Dienstag um 16:00 Uhr den Frankfurter Flughafen. Die Austauschschülerinnen und...

Luckenwalde: Zinslose Stundung von Gewerbe- und Grundsteuer
Luckenwalde

Luckenwalde: Zinslose Stundung von Gewerbe- und Grundsteuer

Zur Abmilderung wirtschaftlicher Folgen aus der Corona-Krise können Steuerpflichtige die zinslose Stundung der bereits fälligen oder im Jahr 2020 fällig werdenden Gewerbesteuern (einschließlich Zinsen...

Lebensmittelindustrie am Limit
Ludwigsfelde

Lebensmittelindustrie am Limit

Sie sorgen für Nachschub im Supermarkt: Die rund 1.200 Menschen, die im Landkreis Teltow-Fläming in der Lebensmittelindustrie arbeiten, leisten in der CoronavirusPandemie einen entscheidenden Beitrag...

ADAC MX Masters am 5. und 6. September in Fürstlich Drehna
Fürstlich Drehna

ADAC MX Masters am 5. und 6. September in Fürstlich Drehna

Nach der Corona-bedingten Absage des Saisonauftaktes des ADAC MX Masters vor zwei Wochen wurde mit dem 5. und 6. September inzwischen ein Ersatztermin für die Rennen „Rund um den Mühlberg“ gefunden. S...

Potsdam

Das Themenjahr Kulturland Brandenburg 2020 »KRIEG und FRIEDEN. 1945 und die Folgen in Brandenburg«

Auch die Vorhaben der Brandenburgischen Gesellschaft für Kultur und Geschichte sind von den aktuellen Entwicklungen betroffen. Hier der aktuelle Informationsstand:Brigitte Faber-Schmidt,...

Handwerkskammer stellt Meisterkurse auf Online-Angebot um
Potsdam

Handwerkskammer stellt Meisterkurse auf Online-Angebot um

Seit dem 18. März gibt es keinen Unterricht mehr im Bildungszentrum der Handwerkskammer Potsdam. Das Zentrum für Gewerbeförderung in Götz musste nach den Vorgaben des Bundesgesundheitsministeriums den...

Berlin

Corona-Krise: foodwatch fordert Sofortprogramm gegen Ernährungsarmut

Die Verbraucherorganisation foodwatch hat ein Sofortprogramm gegen Ernährungsarmut gefordert. Durch die Corona-Krise sei die ausreichende und ausgewogene Ernährung von Millionen Menschen in...

10. Grafikatur® zum Thema „Mobilität“
Lübben

10. Grafikatur® zum Thema „Mobilität“

Wer hätte gedacht, dass dieses Thema solche Aktualität gewinnt: Bereits vor einigen Wochen wurde „Mobilität“ als Thema der 10. Grafikatur in Lübben ausgewählt. Nun, angesichts von...

Handwerkskammer verzeichnet 192 neue Meister und Meisterinnen
Potsdam

Handwerkskammer verzeichnet 192 neue Meister und Meisterinnen

192 Männer und Frauen haben in den vergangenen Monaten und Jahren ihre ganz eigene Erfolgsgeschichte geschrieben und gekrönt: Sie sind die neuen Meisterinnen und Meister im Handwerk. Das hat die...

Johanniter bitten um Unterstützung und Hilfe für Schutzausrüstung
Jüterbog

Johanniter bitten um Unterstützung und Hilfe für Schutzausrüstung

Die Weltgesundheitsorganisation WHO und das deutsche Robert Koch-Institut (RKI) stufen ältere Menschen als vom neuartigen Coronavirus besonders gefährdet ein. Demnach ist sie die Bevölkerungsgruppe...