Eng verbunden mit dem Fläming

Günter Koppehele: Seine Wurzeln reichen bis zum Treck von Brügge nach Brück zurück

Günter Koppehele hat nach drei erfolgreichen Werken nun den zweiten Teil von „Geschichte und Geschichten des Flämings“ und damit sein wohl letztes Buch über eine besondere Region, seine Mundart und Jahrhunderte alte Traditionen geschrieben.Foto: fdk

Berlin. Er ist 81 Jahre alt, stammt aus Lichterfelde (Niederer Fläming), war Pilot bei der Interflug, liebt seine Ehefrau Rita, wie ihre gemeinsamen Stunden im Garten auch, und genießt seinen Ruhestand in ihrem gemütlichen Heim - in Berlin Köpenik, gleich vis a vis vom Müggelsee.
Hinter Günter Koppehele liegt ein langer Lebensweg und eine Geschichte, die enger nicht sein könnte, wenn es um den Fläming geht. Entstehung, Traditionen, Mundart und hunderte Episoden aus dem Leben der Menschen von einst säumen seinen Weg, wie lebendige Bilder entlang einer langen Straße durch 800 Jahre Geschichte. Die des Flämings, denn genau dort entstand auch seine eigene.

„Schon in den 80er Jahren machte ich mich auf, stöberte in Museen und Archiven. Ich war auf der Suche nach der Geschichte meiner Familie, meiner Wurzeln.“ Über Jahrzehnte wurde er so vom Forscher zum Kenner all dessen, was fast vergessen, einst den Fläming so besonders machte. „So fing es an, denn ich merkte schnell, dass es nirgendwo ein Wörterbuch zur einstigen Sprache der hiesigen Flamen gab. Ich schrieb es also selbst.“ Das war der Beginn seines Weges als bedeutender Autor, dem weitere Werke über den Fläming folgten und mit Band II von „Geschichte und Geschichten“ aus dem Fläming vermutlich sein Ende findet. „Das Buch ist eingereicht beim Verlag und wird wohl im Frühjahr erscheinen“, so der Autor, der die erste Geschichte im Band II jenem denkwürdigen Ereignis widmet, mit dem alles begann - dem Wagentreck der Flamen von Brügge nach Brück vor 850 Jahren. Nicht ohne Grund, denn auch seine eigene Familiengeschichte begann in diesem Jahr.

Glaubt man den Statistiken, wenn es um die Wurzeln der eigenen Familie geht, so reichen unsere Kenntnisse zumeist zwei Generationen zurück. Mehr nicht. Bei Günter Koppehele ist das anders, denn Jahrzehnte der Forschung brachten ihn und seine Wurzeln zurück zur Entstehung des Flämings selbst.

Alles begann mit einem Schatz
„Einer meiner Vorfahren muss beim Treck aus Flandern dabei gewesen sein. Spuren führen zu einer Sage aus dem 13. Jahrhundert, als ein Schäfer mit seinem Knecht einen Schatz in den Börnicker Bergen bei Jüterbog fand.  Dieses Geld machte einst den Weiterbau des Magdeburger Domes möglich.“ Auch zweihundert Jahre später, im 15. Jahrhundert, war es ein „kluger Kopf“, wie man den Namen Koppehele übersetzt, der im Namen der Kirche Gutes tat. Georgius Koppehele, geboren und aufgewachsen in Gräfendorf (Fläming), studierte in Wittenberg Theologie.  Als Vikar arbeitete er im Magdeburger Dom und nutzte sein so verdientes Geld im Sinne der Ärmsten dieser Zeit - er gründete eine Stiftung. Über Jahrhunderte ging das Geld dieser Stiftung an verarmte Kinder, Mütter ohne Ehemann oder brachte junge Menschen zum Studium oder ins Handwerk.  „All dies bis kurz nach dem 1. Weltkrieg, als zwei wohl all zu freigiebige Stiftungsdamen, wie auch die Inflation selbst, dafür sorgten, dass  der Geldquell letztlich doch versiegte. Die Stiftung selbst wurde offiziell nie aufgelöst, theoretisch gibt es sie also noch bis heute“, so Günter Koppehele, der bei der Forschung nach den Wurzeln seiner eigenen Familie auch auf die des Flämings stieß.

Traditionen: Von einst bis heute
Seine Neugier war geweckt und so folgten dem Wörterbuch Flämingplatt-Hochdeutsch ein Gedichtband und letztlich die Werke zur Geschichte der Geschichten dieser Region.
Und da Geschichte nur lebendig bleibt, wenn sie bewahrt, also gemalt, geschrieben oder erzählt wird, teilt er sein Wissen gern. In seinen Büchern, auf Lesungen und selbst der eigenen Familie. Erst recht um die Weihnachtszeit: „Diese Zeit besitzt schon einen ganz besonderen Zauber und man tut gut daran, dies nie zu vergessen“, so Kopphele, der gerade um die Weihnachtszeit Traditionen pflegt. „Klemmkuchen, also das kulinarische Aushängeschild des Flämings, gibt es bei uns immer zu Silvester. Wir bereiten sie mit einem Klemmeisen zu, das über hundert Jahre alt ist. Auch hat jedes meiner Enkel  am Heiligen Abend schon ein Gedicht vorgetragen, wie es so in den Stuben des Flämings schon vor Jahrhunderten gemacht wurde“, so Günter Koppehele, der hofft, dass die Traditionen des Flämings der Zukunft erhalten bleiben. Zwei mal im Jahr treffen sich beispielsweise Kenner der Geschichte und des Flämingplatt in Hohenseefeld, um die einstige Sprache der Region nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. „Ich wünschte mir, dass auch in den Schulen diese alte Sprache Einzug findet und sich so vielleicht einmal Enkel mit ihren Großeltern in deren Mundart unterhalten können.

Fläming-Geschichten im BlickPunkt
Und auch der BlickPunkt möchte das Erbe des Flämings einmal mehr in den Fokus rücken. So werden wir in den kommenden Weihnachtsausgaben einige der Geschichten aus dem Werk „Geschichte und Geschichten“ Teil I von Günter Koppehele veröffentlichen.  fdk

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