Zum Tode von Klaus Voeckler

Heimatforschr und Buchautor

Klaus Voeckler. Foto: Privat

Zossen. Am 21. Juli 2019 verstarb Klaus Voeckler im Alter von 79 Jahren. Mit ihm verlieren wir den Menschen, der sich in jahrelanger akribischer Forschung ein enormes Wissen über die Geschichte der Stadt Zossen und der umliegenden Dörfer angeeignet hatte. Als Mitbegründer und Mitglied des Vorstandes  vom Heimatverein Zossen hat er dieses Wissen so eingesetzt, dass wir alle von diesen seinen Erkenntnissen in Dokumentationen und Vorträgen vieles über das Leben in vergangenen Jahrhunderten erfahren konnten.

Seine Publikationstätigkeit begann mit der gemeinsam mit Uwe Stuck verfassten Historie „Zossen ein märkisches Städtchen“, 1996 vom Heimatverein Zossen herausgegeben. Wiederum gemeinsam mit Uwe Stuck, dem damaligen Vorsitzenden des Heimatvereins Zossen, folgte nach sehr intensiver Forschungstätigkeit und vielen Befragungen älterer Bürger vor Ort das Buch „Schöneiche. Wege durch die Jahrhunderte“, erschienen anlässlich des Kreiserntefestes 2006 in Schöneiche, einem Ortsteil von Zossen. Herausgeber war die Stadt Zossen.

Nur 2 Jahre später konnte dann der Heimatverein Zossen das von Klaus Voeckler verfasste Buch „Unser Zossen. Kulturhistorische Wanderungen durch die Stadt Zossen“ herausgeben. In diesem reich bebilderten Band werden historische Fotografien aus dem 19. und 20. Jahrhundert präsentiert, die durch unterhaltsame und informative Texte zur Geschichte unserer Stadt ergänzt werden. Vom Zossener Bahnhof ausgehend werden in 5 Kapiteln Wanderrouten durch die Stadt Zossen beschrieben. Schulklassen der Zossener Schulen dienen diese Informationen, um ihre Stadt besser kennenzulernen.

Klaus Voeckler, der in Nächst Neuendorf geboren und aufgewachsen ist sowie seinen Wohnsitz immer auf dem landwirtschaftlich geprägten Grundstück seiner Familie verbracht hat, zeigte bereits sehr früh großes Interesse an der Natur und der Geschichte seiner engeren Heimat. Als er nach
vielen Jahren Lehrtätigkeit an den Schulen in Glienick und am Gymnasium Rangsdorf als Biologielehrer in den Ruhestand ging, hat er durch viele Gespräche mit älteren Bürgern ein großes Wissen über die Vergangenheit in Nächst Neuendorf und anderen Orten der näheren Umgebung angehäuft.  Anlässlich des 475. Jubiläums der urkundlichen Ersterwähnung des Ortes  hat er ein über 400 Seiten starkes Buch „Nicht nur Sumpf und Sand. Ein Beitrag zur Heimatgeschichte Nächst Neuendorfs“ verfasst, das von der Stadt Zossen herausgegeben wurde.

In einer Zeitreise durch nahezu 5 Jahrhunderte spannt der Auor in 25 Kapiteln den Bogen von der Vorgeschichte bis zur Gegenwart, untermauert mit vielen interessanten Bildern.
Ebenfalls im Jahr 2016 konnte der Heimatverein „Alter Krug“ Zossen e.V. das Buch „Spinnstubenzauber. Sagen, Geschichten und Schnurren aus der Zossener Region“, von Klaus Voeckler gesammelt, aufgeschrieben und mit Anmerkungen versehen, herausgeben. Diese Ausgabe erfuhr eine hervorragende Bereicherung durch die von dem Dabendorfer Künstler Jürgen Melzer geschaffenen sehr schönen farbigen Illustrationen.

Klaus Voeckler achtete bei all seinen Veröffentlichungen streng darauf, historische Fakten aus den vorhandenen historischen Quellen zu belegen. Bereits in seiner Zeit als Lehrer, aber vielmehr dann im Ruhestand, besuchte er bis vor einigen Jahren regelmäßig einmal im Monat das Landeshauptarchiv in Potsdam, um Originaldokumente zur Heimatgeschichte in den Primärquellen zu studieren. Seiner Anregung folgend durfte ich ihn über mehrere Jahre bei diesen Unternehmungen begleiten und konnte so dank seiner Mentortätigkeit eine Fülle von Wissen über die Geschichte der Zossener Schulen erwerben. Gab es in den alten Berichten mal schwer zu entziffernde Worte, Klaus Voeckler gelang es immer, auch mit seinem Fundus an Hilfsmitteln den Sinn herauszufinden.

An der inhaltlichen Gestaltung unseres Zossener Schulmuseums hat er prägenden Anteil. Bei unserer Gründung waren es viele Exponate, mit denen er uns half, eine interessante Ausstellung zu gestalten. Als Schulmann unterstützte er mich besonders bei den Forschungen zum Zossener Conrektor und Autor vieler Anleitungsbücher für Lehrer, Ferdinand Ludwig Fischer, der an der Zossener Schule von 1833 bis 1879 tätig war.

Unser Schulmuseum zeigt im historischen Raum einen sehr interessanten Schrank der ehemaligen Nächst Neuendorfer Schule, in der ein Lehrer 8 Jahrgänge unterrichtete. Klaus Voeckler hatte ihn seit der Schließung der  Schule im Jahr 1956 aufbewahrt und der Stadt Zossen für das neue Domizil des Schulmuseums im Haus Kirchplatz 7 zur Verfügung gestellt. Dieser sehr interessant gestaltete Schrank wird bei uns der „Voecklerschrank“ genannt und vervollständigt so die Einrichtung des historischen Klassenzimmers.

Viele in seinen historischen Schriften wiedergegebene Fakten verdankte er auch seinen Recherchen in den Kirchenbüchern der Zossener evangelischen Kirche. Mit seinen Kenntnissen über die alte Schrift half er der Kirchengemeinde, wenn es darum ging Anfragen zu Dokumenten des Kirchenarchivs zu klären.
Seit vielen Jahren führt der Heimatverein am 1. Sonnabend im Monat Mai eine Frühlingswanderung durch. Hier war Klaus Voeckler der Initiator der Vogelstimmenwanderung. Viele interessierte Bürger folgten der Aufforderung, sich noch in der Morgendämmerung zu treffen und der an immer wieder neuen Orten durchgeführten Erläuterung der Vogelstimmen durch Klaus Voeckler und seine Helfer zu lauschen. Dabei gab er auch viele Erklärungen zur heimatlichen Pflanzenwelt und zu heimatgeschichtlichen Themen.

Als er altersbedigt nicht mehr so gut die Vogelstimmen unterscheiden konnte, war das neue Thema die kulturhistorische Wanderung, die stets von vielen interessierten Bürgern besucht wurde. Hier berichtete er in sehr interessanter Weise über Themen aus der Zossener Geschichte und der umliegenden Orte.
Als Sammler alter Postkarten ist auch seinem Wirken die Textgestaltung des erstmalig für 1999 vom Heimatverein herausgegebenen Jahreskalenders zu danken. Zu jährlich wechselnden Themen, die durch alte Ansichten aus dem Bestand  Klaus Voecklers  und des Heimatvereins und von ihm verfassten Texte  interessante historische Fakten darboten, wurden diese Kalender auch von vielen ehemaligen Zossenern, die heute an anderen Orten leben, in der Vorweihnachtszeit erwartet.

Gern lauschten Mitglieder des Heimatvereins und andere interessierte Bürger den Vorträgen von Klaus Voeckler, die das Gerichtswesen in Zossen und andere interessante Themen zum Inhalt hatten. Eine Fülle von Geschichten der Rechtsprechung in vergangenen Jahrhunderten stellte er mit
exakten Zahlen belegt aus dem Gedächtnis dar.

Für weitere Publikationen zu den Dörfern Schünow, Nunsdorf und Horstfelde hatte er durch Befragungen und Arbeit in den Archiven viel Material gesammelt. Leider konnte er das Projekt über  die Historie dieser Orte durch seine angeschlagene Gesundheit nicht mehr zu Ende führen.

In seiner Naturverbundenheit war er nicht nur ein sehr aktives Mitglied der Jagdvereinigung, wie er im Buch über Nächst Neuendorf darstellt,  sondern hat gemeinsam mit seiner Frau Barbara so manches verletzte oder verlassene Jungtier aufgezogen. Ehrfurcht vor dem Leben, Achtung alter Traditionen und Vermittlung seines enormen Wissens prägten sein Handeln.

Der Heimatverein Zossen verliert mit ihm den Initiator vieler der Heimatgeschichte dienender Projekte. Wir sind dankbar, dass er durch seine Forschertätigkeit und seine vielen Publikationen einen Fundus an Wissen über die Vergangenheit der Region geschaffen hat, das in den Räumen  der Zossener Bibliotheken als Nachschlagewerk auch für kommende Generationen zur Verfügung stehen sollte.


Gudrun Haase
Leiterin des Schulmuseums Zossen

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