Jens Getteman gewann mit dem Glück des Tüchtigen

Saisonauftakt des ADAC MX Masters

Das Rennen am vergangenen Wochenende. Foto: Thorsten Horn

Fürstlich Drehna. Mit dem Gesamtsieg des Belgiers Jens Getteman endete der diesjährige Saisonauftakt der deutschen Top-Motocross-Serie ADAC MX Masters in Fürstlich Drehna im Süden Brandenburgs. Nach seinem Sieg im ersten Wertungslauf ging der Pfeil-Kawasaki-Pilot im zweiten gleich zwei Mal zu Boden und kam so nicht über Rang acht hinaus. Dieser reichte ihm allerdings, um die Tageswertung beider Läufe für sich zu entscheiden. Hinter dem aus der Weltmeisterschaft gekommenen Gaststarter Tanel Leok aus Estland, der den zweiten Lauf gewann und Gesamtzweiter wurde, kam der vierfache Masters-Champions Dennis Ullrich aus dem baden-württembergischen Kämpfelbach auf Tagesrang drei.
 
Trotz ungemütlichen Wetters mit kurzen Regenschauern am Sonntag und niedrigen Temperaturen an beiden Veranstaltungstagen bevölkerten insgesamt rund 9.500 Zuschauer die traditionsreiche Drehnaer Motocross-Piste „Rund um den Mühlberg“. Sie alle wurden mit wiederum spannenden Rennen und packenden Positionskämpfen, jedoch vor allem in der Top-Klasse ADAC MX Masters mit überdurchschnittlich vielen Führungswechseln belohnt. So gelang im ersten Lauf dem Ungarn Bence Szvoboda der beste Start vor Dennis Ullrich. Nach wenigen Runden übernahm dann der Deutsche das Zepter, konnte sich aber ebenfalls nur wenige Runden an der Führung erfreuen. Nach anfangs Platz sechs schob sich Jens Getteman Stück um Stück nach vorn, bis auch er nach der Führung griff, diese schließlich an sich riss und bis ins Ziel nicht mehr abgab. Dort hatte er sogar knapp zehn Sekunden Vorsprung auf den zweitplatzierten Bence Szvoboda. Rang drei sicherte sich der Däne Nichlas Bjerregaard vor seinem Landsmann Stefan Kjer Olsen, der sich trotz einjähriger Motocross-Pause am Vortag den besten Startplatz gesichert hatte. Dennis Ullrich, der nach vier Masters-Titeln im vergangenen Jahr seiner großen Liebe Zweitakt-Motorrad erlegen war und nun auf einen fast ausschließlich eingesetzten Viertakter zurückwechselte, wurde Fünfter.
 
Zwei Mal am Boden, aber am Ende ganz oben
 
In den zweiten Heat war „Ulle“ sogar am schnellsten gestartet, doch nach zwei Runden löste ihn Stefan Kjer Olsen an der Spitze ab. Jedoch konnte auch er sich nicht allzu lange am Platz an der Sonne halten und wurde vom hierzulande nur wenig bekannten Letten Karlis Sabulis von der führenden Position verdrängt. Ihm kam der inzwischen auf Platz zwei liegende Tanel Leok mit Siebenmeilenstiefeln immer näher, bis er schließlich in führender Position auftauchte und Karlis Sabulis bis ins Ziel noch um gut sechs Sekunden distanzierte. Dort trafen Dennis Ullrich und Stefan Kjer Olsen schlussendlich als Dritter bzw. Vierter ein.
Und was war mit dem Sieger des ersten Heats? Der hatte einen ganz passablen Start, der ihm alle Optionen auf den Tagessieg offen ließ. Nach zwei Stürzen auf der Tiefsandstrecke fiel Jens Getteman allerdings ins Mittelfeld zurück, sodass der Gesamtsieg in weite Ferne gerückt war. Obwohl seine Sicht wegen der losgelösten und nutzlos im Fahrtwind umher flatternden Abreiß-Folien vor allem beim Hinterherfahren stark eingeschränkt war, holte er einige Plätze auf und beendete das Rennen schließlich als Achter. Auch zu seiner Überraschung reichte das allerdings, um in der Addition beider Läufe als Sieger aufs Podest steigen zu dürfen. Anschließend sagte er: „Ich habe während des Rennens nicht gewusst, wie es um die Gesamtwertung bestellt ist. Ich bin einfach mein Rennen zu Ende gefahren und habe dabei versucht, noch so viele Plätze wie möglich gutzumachen. Dabei habe ich vor allem an die Meisterschaft gedacht. Dass dann sogar der Sieg raussprang, hat mich sehr überrascht. So kann es gern weitergehen. Ich möchte diese Position behalten, denn mein Ziel ist der Titel. Ich weiß, dass das nicht einfach wird, denn hier sind viele gute Fahrer am Start und die Strecken sowie die äußeren Bedingungen wechseln im weiteren Saisonverlauf noch häufig. Aber ich bin guter Dinge.“
 
Sandstrecken – des einen Freud, des anderen Leid
 
Zufrieden war auch der aktuelle 19. der Motocross-Weltmeisterschaft, Tanel Leok, was er in folgende Worte kleidete: Ich fahre gern im tiefen Sand, ich liebe solche Strecken. Meine Starts waren beide heute nicht so gut. Im ersten Lauf habe ich mich noch etwas schwer getan, nach vorn zu kommen, doch im zweiten fühlte ich mich sehr wohl.“
Sogar mehr als ausgerechnet und daher überaus zufrieden war Dennis Ullrich, der ehrlich zugab, dass Fürstlich Drehna nicht zu seinen Lieblingsstrecken gehört. „Ich finde auf Tiefsandstrecken meist keinen guten Rhythmus, aber heute lief es überraschenderweise sehr gut bei mir“, so der 25-Jährige. Und weiter: „Ich bin froh, dass vor allem meine beiden Starts so gut funktioniert haben, dabei habe ich das Starten kaum trainiert. Wenn man dann gleich vorn dabei ist, hilft das natürlich ungemein.“
Die nächsten beiden Deutschen wurden in diesem starken internationalen Feld Mike Stender aus dem schleswig-holsteinischen Eutin und Stefan Ekerold aus Weißkirchen im Saarland auf den Gesamträngen zwölf bzw. 13.
 
Spies umgedreht
 
In der unmittelbaren Nachwuchsklasse, dem ADAC MX Youngster Cup, gewann der Österreicher René Hofer beide Rennen und war demzufolge souveräner Tagessieger. Ihm folgten bei der Gesamtsiegerehrung der Däne Glen Meier und der Belgier Cyril Genot aufs Podest.
Zuvor hatte nach dem zweiten Rennen der bis zu 21-jährigen Youngster bei der Laufsiegerehrung Maximilian Spies vom gastgebenden MSC Fürstlich Drehna dort gestanden. Nach einem durchschnittlichen Start und Platz 15 im ersten Rennen drehte der mit seinen 15 Jahren Zweitjüngste im Feld im zweiten den Spies mit einem Granatenstart quasi um und setzte sich direkt an die zweite Position. Auf dieser fuhr er lange hinter dem KTM-Werksfahrer René Hofer, musste sich aber wenige Runden vor Ultimo Glen Meier beugen. Dennoch konnte er sein Glück kaum fassen, was der Ortrander so zum Ausdruck brachte: „Ich kann es noch gar nicht glauben. Ich bin schon in beiden Junioren-Klassen beim Masters gefahren, aber auf dem Podest stand ich noch nie. Und nun hat es ausgerechnet bei meinem ersten Rennen in der für mich wieder neuen Klasse geklappt. Das ist einfach nur geil.“ Dabei war er als einer von nur ganz wenigen Piloten mit einer vermeintlich benachteiligten Zweitakt-Maschine unterwegs, wozu er anmerkte: „Alle haben gesagt, das geht nicht mit einem Zweitakter, doch ich habe heute gezeigt, dass es geht.“
Während Maximilian Spies in der Tageswertung auf Platz sieben kam, wurde Eric Schwella aus Felixsee immer noch guter 18. Ben Kobbelt aus Panketal hatte hingegen in beiden Läufen viel Pech und blieb ohne Punkte.
 
Deutscher Sieg bei den 125er-Junioren
 
Auch im ADAC MX Junior Cup 125 gab es einen beide Rennen dominierenden Fahrer – Simon Längenfelder aus dem oberfränkischen Regnitzlosau. Er ließ seinen Gegner nicht den Hauch einer Chance und gewann beide Läufe mit deutlichem Vorsprung.
Nach ihren Plätzen zwei und drei im ersten Lauf, tauschten der Schweizer Mike Gwerder und der Däne Rasmus Pedersen im Heat zwei die Postionen. Mit dem besseren Ergebnis im höher bewerteten zweiten Rennen ging der zweite Platz in der Tageswertung allerdings an Rasmus Pedersen. Hinter dem Russen Maxim Kraev und vor dem Weltmeistersohn Liam Everts wurde Marnique Appelt aus Woltersdorf beachtlicher Gesamtfünfter. Auch hier hatte ein Lokalmatador, in diesem Fall Peter König aus Eberswalde, extrem viel Pech und kam nicht über die Plätze 22 und 24 hinaus. Im ersten Lauf war ihm zum Beispiel in der letzten Runde der Reifen von der Felge gerutscht.
 
Und noch ein starker Lokalmatador
 
Im ADAC MX Junior Cup 85 wurde ein Rennen bereits am Samstag und das zweite am Sonntag ausgetragen. Das änderte aber nichts am Lauf- und damit verdienten Tagessieg des Letten Edvards Bidzans. Die Plätze zwei und drei gingen an die beiden Dänen Andreas Krogh Jensen bzw. Lucas Bruhn.
Gestern Platz elf und heute Platz elf bedeutete für Richard Stephan aus dem Großräschener Ortsteil Saalhausen, wie Maximilian Spies für den MSC Fürstlich Drehna startend, den hervorragenden Gesamtrang neun. Im dritten Anlauf war es das generell erste Mal, dass er im ADAC MX Junior Cup 85 in die Punkte fuhr, und dann gleich unter die Top 10. „Mein Ziel war es tatsächlich unter die ersten Zehn zu fahren. Ich habe über den Winter viel und gut mit Christian Brockel trainiert und dabei schon gemerkt, dass es aufwärts geht“, erklärte der Lokalmatador Nummer zwei nach seinen Rennen.
 
Am Ende des wiederum tollen Motorsport-Festes gab es natürlich bei den Erfolgreichen strahlende Gesichter. So auch bei den wieder zahlreichen Fans, doch auch der Gastgeber war zufrieden, was der Vorsitzende des MSC Fürstlich Drehna, Christian Lehmann, so formulierte: „Wenngleich es ziemlich abgedroschen klingt, bedanken wir uns ganz herzlich und ehrlich bei allen unseren Helfern, Partnern, Sponsoren und nicht zuletzt den Zuschauern für ihr Kommen. Nur in diesem Gesamtgefüge funktioniert eine Veranstaltung dieser Größenordnung. Wir hatten in diesem Jahr nicht so gutes Wetter wie 2018, doch diese Vielzahl der trotzdem gekommenen Fans zeigt uns, dass Motocross in Fürstlich Drehna Kult ist.“
 
Weitere Informationen gibt es unter www.msc-fuerstlich-drehna.de sowie www.adac-mx-masters.de.

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