RAW-Halle: Beteiligungsverfahren startet am 14. April

RAW-Halle: Beteiligungsverfahren startet am 14. April

So stellt sich Architekt Jürgen Mayer H. die Entwicklung des zurzeit brach liegenden RAW-Areals an der Friedrich-Engels-Straße vor: Wie ein eben gelandetes Raumschiff schmiegt sich der Neubau auf der linken Seite an die restaurierte historische Halle im Vordergrund des Bildes an. Im Hintergrund ist die bestehende Wohnbebauung zu sehen. Visualisierung: Bloomimages Berlin

Pläne und Gutachten werden für einen Monat im Internet freigeschaltet

Die RAW-Halle verfällt zusehends, ein Baustart ist dringend erforderlich. Denn die Stimmung auf dem Gelände ist seit Jahren düster: Die Halle des ehemaligen Reichsbahnaus-besserungswerks liegt verfallen an der Friedrich-Engels-Straße und sehnt sich nach besseren Tagen. Foto: Bernd Schneider

Potsdam. Das Beteiligungsverfahren zum Bebauungsplan für die RAW-Halle startet am 14. April. Nachdem die Stadtverordneten im November die öffentliche Auslegung des B-Plans Nr. 36 "Neue Halle/östliches RAW-Gelände" beschlossen haben, können die Pläne nun einen Monat lang im Internet abgerufen werden.

Ziel des Bauleitplanverfahrens ist es, das östliche ehemalige Gelände des Reichsbahnausbesserungswerks an der Friedrich-Engels-Straße zu einem zusammenhängenden und geordneten Standort zu entwickeln. Dabei soll die denkmalgeschützte Wagenhalle erhalten werden. Die Pläne des Investors sehen deshalb ein "Haus im Haus" vor, bei dem in die äußere Hülle ein modernes, nach heutigen Anforderungen gedämmtes Gebäude eingesetzt wird. Nur so kann eine nachhaltige und wirtschaftlich tragfähige Nutzung gewährleistet werden.

Für Unmut in den angrenzenden Wohnvierteln hatte im Vorfeld zunächst die Größe der zusätzlich neu geplanten Gebäude in direkter Umgebung der Halle gesorgt. Auch vor zunehmender Gentrifizierung haben etliche Anwohner Angst. Durch die gut bezahlten IT-Jobs, die auf dem Gelände entstehen sollen, befürchten viele einen ungebremsten Mietenanstieg und damit verbundene Verdrängung aus dem Kiez.

Baudezernent Bernd Rubelt (parteilos) hat wiederholt betont, dass kein direkter Zusammenhang zwischen dem Umbau und dem Wohnungsmarkt zu erwarten sei. Mit seinen Argumenten konnte Rubelt bislang jedoch die interessierte Nachbarschaft nicht überzeugen. Denn eins steht fest: In der Teltower Vorstadt geht nicht erst seit gestern die Angst vor Gentrifizierung um. Dass Mieten in Potsdam grundsätzlich steigen und für viele kleinere Einkommen schon heute nicht mehr bezahlbar sind, ist kein Geheimnis. Betroffen waren davon selbst im Pandemie-Jahr 2020 auch Bewohner der an die Friedrich-Engels-Straße angrenzenden Straßen und Siedlungen.

Umso wichtiger ist nun die Bürgerbeteiligung, die mit der öffentlichen Auslegung ab kommenden Mittwoch beginnt. Bis zum 16. Mai sind der Vorhaben- und der Erschließungsplan sowie der Entwurf des Bebauungsplans und die dazugehörige Begründung im Internet einsehbar. Auch die bereits vorliegenden umweltbezogenen Stellungnahmen und Dokumente werden in diesem Zeitraum für Interessierte zugänglich gemacht.

Beteiligungsverfahren bestehen in der Regel auch aus persönlichen Besuchen bei der Verwaltung mit der Möglichkeit, direkt vor Ort Fragen zu stellen. Coronabedingt ist das jedoch seit einem Jahr nicht mehr möglich. Die Veröffentlichung im Internet bietet jedoch die Chance, sich am heimischen Rechner sehr intensiv mit den einzelnen Plänen zu beschäftigen.

Die Unterlagen können zwischen dem 14. April und dem 16. Mai auf www.potsdam.de/beteiligung sowie auf www.blp.brandenburg.de eingesehen werden. Fragen beantwortet Jan Hendrick Brinkkötter telefonisch unter 0331 / 289-2523 oder per E-Mail an Bauleitplanung@Rathaus.Potsdam.de. sg


Kommentar: Provokant

Wie ein sanft aufgesetztes Raumschiff mutet der geplante Neubau neben der alten Werkhalle der Reichsbahn an der Friedrich-Engels-Straße an. Wer eher zu tierischen Vergleichen neigt, könnte sich auch an einen Wal erinnert fühlen, der sein Maul über die Sheddächer des Altbaus streckt. In jedem Fall aber erschreckt das Gebäude, und zwar vor allem die Menschen in den gegenüberliegenden klassischen Gründerzeit-Mietshäusern. Denn allein schon wegen seines Volumens fällt es aus dem Rahmen.

Das jedoch ist genau, was moderne Architektur sollte - provozieren und aus dem Rahmen fallen. Bei all der Harmonie, die die barocke Innenstadt vor sich her trägt, sind es eben diese Stilbrüche, die in Potsdam seit dem Ende der DDR keinen Platz mehr finden. Doch Städte müssen mit der Zeit gehen und sich weiterentwickeln, sonst leben wir dank festgefahrener Sichtachsen und einer Fülle von Verboten irgendwann in einem Museum.

Nur eines dürfen noch so provokante Architektenentwürfe nicht: in sich gekehrt sein und die Umgebung ausschließen. Deshalb ist es gut, dass bei der RAW-Halle auch öffentliche Orte vorgesehen sind, die das Neue mit dem Althergebrachten verbinden. Potsdam ist arm an moderner Architektur, weil seit 30 Jahren nur auf die Wiederherstellung alten Glanzes gesetzt wird. Deshalb ist es gut, dass auf einer Indus-triebrache etwas entsteht, was Altes rettet und mit Modernem verbindet.

Sabine Gottschalk

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