Ab 2022 mehr bezahlbarer Wohnraum für mittlere Einkommen

Ab 2022 mehr bezahlbarer Wohnraum für mittlere Einkommen

Zwischen Georg-Hermann-Allee und Peter-Huchel-Straße entstehen bis zum kommenden Jahr 274 gut ausgestattete Wohnungen für Singles und Familien, von denen die Hälfte gefördert und für WBSplus-Berechtigte mit mittlerem Einkommen reserviert ist. Eine Tagespflege und eine Sozialstation mit Begegnungszentrum sind ebenfalls geplant. Fotos (2): Sabine Gottschalk

Rund 40 Prozent aller Potsdamer Haushalte sind jetzt WBS-berechtigt

Sozialdezernentin Brigitte Meier hat am Freitag gemeinsam mit dem Leiter des Bereichs Soziales Wohnen, Gregor Jekel (rechts) das Neubauprojekt der ProPotsdam vorgestellt und für den neuen WBSplus geworben.

Potsdam. Im Jahr 2019 hat sich die Landeshauptstadt zum Ziel gesetzt, mehr bezahlbare Wohnungen für Empfänger kleiner und mittlerer Einkommen zu schaffen. Ein entscheidender Schritt dabei ist die Einführung eines zweiten Wohnberechtigungsscheines (WBSplus) mit höheren Einkommensgrenzen. So haben Familien mit einem jährlichen Einkommen bis 62.000 Euro nun die Möglichkeit, einen WBSplus für eine geförderte Wohnung zu beantragen, für die sie dann sieben Euro Kaltmiete pro Quadratmeter zahlen müssen. Gleiches gilt für Einzelpersonen, die bis zu 27.000 Euro pro Jahr verdienen. Bei einem WBS der Stufe 1 beträgt die Kaltmiete 5,50 Euro pro Quadratmeter.

In der Georg-Hermann-Allee wird bis 2022 ein Bauprojekt der ProPotsdam fertiggestellt, das die Zielgruppe der Stufe 2 ansprechen soll: Die Wohnungen seien modern, barrierefrei und gut ausgestattet, erläuterte ProPotsdam-Geschäftsführer Jörn-Michael Westphal am Freitag bei einem Vor-Ort-Termin auf der Baustelle mit Sozialdezernentin Brigitte Meier (SPD). Von den 274 Wohnungen unterschiedlicher Größen, die auf dem Areal zwischen der Peter-Huchel-Straße und der Georg-Hermann-Allee entstehen, sei die Hälfte für Berechtigte des WBS 2 reserviert, so Westphal. Alle haben Balkons oder Terrassen und in der Mitte des Geländes entsteht eine parkartige Anlage. Außerdem sollen in dem Ensemble eine Tagespflege und eine Sozialstation mit Begegnungszentrum untergebracht werden, mit denen vor allem auch Senioren angezogen werden sollen. Für Familien gebe es ausreichend Kitas und Schulen in direkter Nähe und die kleineren Wohnungen seien nicht nur für ältere Menschen, sondern auch für Studierende attraktiv. So will man eine gute Durchmischung des Quartiers erreichen.


Der neue WBSplus ist noch wenig bekannt

Dass sie einmal für einen Wohnberechtigungsschein werben müsse, habe sie sich nie vorstellen können, sagte Meier, die bis zu ihrem Dienstantritt in Potsdam in der bayerischen Landeshauptstadt tätig war. In München finden die Unterstützungen für bezahlbaren Wohnraum reißenden Absatz, weil die Mieten seit Jahren ins Unermessliche steigen. In Potsdam sei die Möglichkeit, mit einem mittleren Einkommen eine geförderte Wohnung zu bekommen, hingegen noch viel zu wenig bekannt. Deshalb wolle man nun schon rechtzeitig vor der Fertigstellung auf das neue Mittel hinweisen, auch auf die Gefahr, dann mit Nachfragen überrannt zu werden, betonte die Sozialdezernentin.

Gregor Jekel vom Bereich Soziale Wohnhilfen der Stadt wies jedoch darauf hin, dass ein Wohnberechtigungsschein zwar nicht kompliziert zu beantragen sei, seine Gültigkeit aber auf ein Jahr begrenzt ist, wenn bis dahin keine Wohnung bezogen wird. Andererseits möchten Stadt und ProPotsdam die Wohnungen nach Fertigstellung schon aus wirtschaftlichen Gründen möglichst schnell vermieten. Deshalb rät Jekel allen, die sich für das Angebot interessieren, sich baldmöglichst nach den Bedingungen erkundigen. Von den im vergangenen Jahr ausgestellten 2.186 Wohnberechtigungsscheinen seien nur 113 WBS der Stufe 2 gewesen. Insgesamt 702 Personen seien neu mit Wohnraum versorgt worden. Denn der Schein muss auch beantragt werden, wenn die Bindungsfrist im sozialen Wohnungsbau endet, sonst wird die ortsübliche Miete fällig.


Förderung nur für Brandenburger

Jekel ist überzeugt, dass viele Berechtigte bislang gar nichts von der Möglichkeit wissen, mit ihrem Einkommen einen WBS zu beantragen. Deshalb sollten vor allem diejenigen, die sich einen Umzug im kommenden Jahr vorstellen können, bereits jetzt überlegen, ob die Wohnungen für sie in Frage kommen. Von den Potsdamer Haushalten seien nach derzeitigen Schätzungen etwa 40 Prozent WBS-berechtigt, fügte Brigitte Meier hinzu. Und 2022 komme "ein großer Schub geförderter Wohnungen" auf den Markt. Wer einen WBSplus beantragen möchte, muss mit dem Antrag lediglich Einkommensnachweise der letzten zwölf Monate einreichen.

Eine Fehlbelegungsabgabe, die in vielen Städten fällig wird, wenn das Einkommen, etwa bei Studierenden nach dem Abschluss steigt, gibt es in Potsdam nicht. Aber: Den Wohnberechtigungsschein können nur Menschen beantragen, die bereits in Brandenburg leben. Wer aus Berlin zuziehen möchte, weil es dort seit Einführung des Mietendeckels kaum noch Bewegung auf dem Wohnungsmarkt gibt, hat somit das Nachsehen. sg


Weitere Informationen zum WBSplus gibt es auf www.potsdam.de/sozialesWohnen. Beratungen sind telefonisch unter 0331 / 289 2694, per E-Mail an Wohnungswesen@rathaus.potsdam.de oder persönlich nach Terminvereinbarung möglich.

Informationen zu den genannten Neubauten gibt es online auf www.propotsdam.de/rokawest. Hier können sich Interessierte auch für eine Wohnung vormerken lassen. 

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