Wirtschaftsförderung: "Gewerbeflächen sind mittlerweile Goldstaub"

Wirtschaftsförderung: "Gewerbeflächen sind mittlerweile Goldstaub"

Brandenburg braucht mehr erneuebare Energien, viele Kommunen stören sich aber an Windkraftanlagen. Große Solarparks wie dieser im baden-württembergischen Ingoldingen haben weitaus weniger Einfluss auf Natur und Umwelt. Die EnBW will deshalb solche Photovoltaikanlagen im Potsdamer Norden errichten. Foto: Paul Gärtner / EnBW

Brandenburg erfreut sich trotz Corona anhaltender Beliebtheit bei internationalen Konzernen

Potsdam.  Brandenburgs Wirtschaft steht trotz der Corona-Pandemie verhältnismäßig gut da. Das zeige die Zahl der Anfragen nach Gewerbe- und Industrieflächen, die die Wirtschaftsförderung des Landes (WFBB) im vergangenen Jahr erreicht haben. Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (SPD) sprach am Donnerstag bei der Jahrespressekonferenz der WFBB von einem "Silberstreifen am Horizont" für die Unternehmen im Land.

Das sehr gute Jahresergebnis mit einem Investitionsvolumen von einer Milliarde Euro ohne die Anteile von Tesla sei nicht vorhersehbar gewesen, bestätigte auch Vorstandssprecher Steffen Kammradt. Die Signale seien ermutigend, obwohl eine eventuell verzögert über Brandenburg hereinbrechende Insolvenzwelle noch nicht abzusehen sei. Ein entscheidender Motor sei dabei die Industrie, durch die bereits jeder dritte Arbeitsplatz geschaffen werde.

Angesiedelt haben sich vor allem Betriebe, die im Bereich von Energiewende und nachhaltiger Wirtschaft tätig sind. Dazu gehört das neue Batteriewerk von BASF in Schwarzheide ebenso wie das Werk von Microvast in Ludwigsfelde oder der neue, zweite Standort des Schweizer Schienenbauers Stadler im Havelland. In Schwedt hat zudem der kolumbianische Verpackungshersteller Bio-Lutions eine Niederlassung eröffnet und das britische Solarunternehmen Oxford PV hat seinen Sitz in Brandenburg an der Havel erweitert. Auf dem hart umkämpften globalen Markt stehe Brandenburg bei der Schaffung zukunftsfähiger Arbeitsplätze gut da, betonte Kammradt.


Große Flächen sind selten geworden

Allerdings seien auch hier große Industrieflächen selten geworden. Deshalb "scanne" man jetzt das ganze Land, um auch in den kommenden Jahren noch lukrative Angebote machen zu können. Entstehen könnten größere Areale beispielsweise durch Zusammenlegung vorhandener Einzelflächen, betonte auch Wirtschaftsminister Steinbach. Das treffe besonders für die Region um den Flughafen zu, da hier Gewerbegrundstücke bereits knapp werden. Im vergangenen Jahr habe es deshalb fünf Flächenwerkstätten gegeben, so Kammradt. Um mittelfristig neue Standorte entwickeln zu können, müsse die Potenzialanalyse auch die regionalen Stellen stärker mit einbinden. Als ein Beispiel für die rasante Entwicklung nannte der Wirtschaftsförderer das Gewerbegebiet Eichspitze in Ludwigsfelde, in dem keine 100 Hektar mehr zu vergeben sind.

Dass Brandenburg als Land der erneuerbaren Energien seine Vorreiterrolle verteidigen will, ist längst kein Geheimnis mehr. Zur teils äußerst umstrittenen Windenergie kommt inzwischen auch ein gestiegenes Interesse an großen Photovoltaikanlagen hinzu, wie sie im Potsdamer Norden geplant ist. Durch ihre geringe Höhe und den zurückhaltenden Eingriff in die Natur gilt Solarenergie als weniger störend. Bei Windkraftanlagen sieht das ganz anders aus. Im Barnim wurde im vergangenen Jahr die Planung für einen Windpark wegen eines Formfehlers beim Beteiligungsverfahren vom Gericht für zwei Jahre auf Eis gelegt. Minister Steinbach nannte es äußerst ärgerlich, dass dieser Irrtum erst nach fünf Jahren festgestellt wurde. Die Genehmigungen müssten grundsätzlich schneller erteilt werden, da die Ziele für den Kohleausstieg sonst nicht erreichbar seien.


Zahlreiche Gründungen trotz Corona

313 Innovationsprojekte und 37 technologieorientierte Gründungen seien trotz Corona eine gute Bilanz für 2020, betonte WFBB-Vorstand Sebastian Saule. Allein 168 Projekte in Unternehmen konnten mit dem Innovationsgutschein "Big Digital" unterstützt werden. Das sind fast zehnmal so viele wie im ersten Jahr der Förderung 2017. Auffallend sei, dass die märkischen Firmen die Zeit der Pandemie nutzen, um ihre Prozesse zu digitalisieren und zu optimieren. Sehr dynamisch sei auch das Gründungsgeschehen im Land: "Erstmals sind wir im jährlichen KfW-Gründungsmonitor zur Nummer 1 aller Flächenländer aufgestiegen", so Saule. Als besondere Projekte hob er die Entwicklung eines Blutwäsche-Verfahrens durch das Medizintechnik-Unternehmen Pentracor aus Hennigsdorf hervor, das auch gegen Folgeschäden einer Corona-Infektion helfe. Das Potsdamer Startup Marktkost hat die erste Kantine für kleine und mittlere Unternehmen entwickelt und liefert das Essen in vakuumverschlossenen Mehrweggläsern, um Verpackungsmüll zu sparen. Marktkost ist Gewinner der diesjährigen Startup-Days auf der Grünen Woche und will nun expandieren.

Als einen wichtigen Aspekt im internationalen Wettbewerb sehen die Wirtschaftsförderer das Vertrauen in die Verlässlichkeit der Behörden an. Die Entwicklung auf der Tesla-Baustelle in Grünheide sei ein Beweis dafür, dass hier schnell und unbürokratisch gearbeitet wurde, hieß es einstimmig.  sg 

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