Wasserstoff: Brandenburg startet mit dem PtX Lab eine neue Epoche in der Lausitz

Wasserstoff: Brandenburg startet mit dem PtX Lab eine neue Epoche in der Lausitz

Auch sie sollen nach dem Willen von Bundesumweltministerin Svenja Schulze von der Entwicklung neuer Wasserstofftechnologien profitieren: Für Schiffe und Flugzeuge gibt es zurzeit nämlich mit Kerosin und Schiffsdiesel nur extrem umweltschädliche Treibstoffe. Foto: Alexander Kliem

180 Millionen Euro Förderung aus dem Strukturstärkungsgesetz

Die Grafik erläutert die Produktion von grünem Wasserstoff aus Wind- und Sonnenenergie. Der Treibstoff soll von besonders energieintensiven Wirtschaftszweigen genutzt werden. Grafik: Ludwig-Bölkow-Systemtechnik für das Umweltbundesamt

Potsdam/Cottbus. Bundesumweltministerin Svenja Schulze und Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke haben am Dienstag mit Brandenburgs Wirtschafts- und Energieminister Jörg Steinbach (alle SPD) den Startschuss für das PtX Lab Lausitz gegeben. Bei einem ersten Fachdialog Führungskräften aus Forschung und Unternehmen ging es um Kooperationen für die Entwicklung von Power-to-X-Technologien, die aus Strom - "Power" - erst Wasserstoff und anschließend weitere Treib- und Kraftstoffe - "X" - produzieren. Das neue Kompetenzzentrum soll internationaler Anlaufpunkt für grünen Wasserstoff und dessen Folgeprodukte werden.

In Cottbus treiben künftig Wissenschaft und Wirtschaft gemeinsam die Entwicklung von Power-to-X-Technologien voran. Für das PtX Lab Lausitz und eine Demonstrationsanlage stehen bis 2024 bis zu 180 Millionen Euro aus dem Strukturstärkungsgesetz zur Verfügung. Bei einem anschließenden Pressegespräch betonte Svenja Schulze die Bedeutung grünen Wasserstoffs für die Entwicklung klimafreundlicher Treibstoffe für Flugzeuge und Schiffe. Gerade für Kerosin und Schiffsdiesel - beide sehr belastend für die Umwelt - gebe es zurzeit noch keine Alternativen wie beispielsweise den Stromantrieb für Autos. Auch die Industrie könne von der Entwicklung der Wasserstofftechnologie profitieren. Bei dem Treffen in Cottbus waren deshalb auch Unternehmen wie Rolls Royce und BASF vertreten.


Wichtige Bausteine der Energiewende

"Grüner Wasserstoff und Power-to-X sind wichtige Bausteine für eine erfolgreiche Energiewende. Denn Flugzeuge und Schiffe brauchen klimafreundliche Treibstoffe, und die chemische Industrie braucht grüne Grundstoffe. In Deutschland haben wir das nötige Know-how, um PtX-Technologien weltweit auf den Markt zu bringen", erklärte die Bundesumweltministerin. Die Bundesregierung wolle Unternehmen aus Deutschland dabei unterstützen, internationale Leitanbieter zu werden. Das PtX Lab Lausitz ist als Denkfabrik, Dialogplattform und Startrampe für neue Projekte gedacht. Zugleich soll die Zukunftstechnologie PtX Regionen wie der Lausitz helfen, neue Perspektiven als Industriestandort zu entwickeln. Denn die Lausitz solle trotz des Kohleausstiegs auch in Zukunft ein erfolgreicher Industriestandort bleiben, so die Ministerin. Für Ministerpräsident Dietmar Woidke ist das PtX Lab eine weitere gute Nachricht für die Lausitz. Die grüne Wasserstoffwirtschaft sieht Woidke als wichtigen Teil der Energiewende, die auch die Strukturentwicklung in der Lausitz positiv beeinflussen wird.

Wirtschaftsminister Steinbach ist überzeugt, dass das PtX Lab zu einem Umdenken in der Industrialisierung beitragen kann. Denn es zeichne sich ab, dass der CO2-Fußabdruck von Unternehmen in Zukunft auch an der Börse eine Rolle spielen wird. Grüner Wasserstoff ermögliche die Kopplung der Sektoren Strom, Wärme, Verkehr und Industrie und die Sektorenkopplung sei unerlässlich für mehr Klimaschutz, so Steinbach. Solche innovativen Technologien böten durch zusätzliche regionale Wertschöpfung und Beschäftigung große industriepolitische Chancen für Brandenburg.


Vorbild bei eneuerbaren Energien

Umweltministerin Schulze betonte die hervorragende Stellung Brandenburgs auf dem Gebiet erneuerbarer Energien. Das Land sei ein "absolutes Vorbild" in der Bundesrepublik. Deshalb soll das PtX Lab Lausitz die fachlichen Grundlagen für eine umweltfreundliche Erzeugung und Nutzung von PtX-Technologien schaffen und Kooperationen anstoßen. Fachdialoge zwischen Forschung und Wirtschaft sollen die Projektentwicklung voranbringen, führende Technologieunternehmen innovative Vorhaben umsetzen. Geplant ist zudem eine Demonstrationsanlage, die vor Ort in der Lausitz die PtX-Technologien greifbar machen soll. Ihr genauer Standort stehe noch nicht fest, erläuterte der Leiter des PtX Lab, Harry Lehmann.


Vernetzung auf internationaler Ebene

Auch als Basis der Vernetzung auf europäischer und internationaler Ebene ist das PtX Lab gedacht. Dazu soll es mit dem seit 2019 in Cottbus angesiedelten Kompetenzzentrum Klimaschutz in energieintensiven Industrien (KEI) zusammenarbeiten. Das PtX Lab und das KEI sind Geschäftsbereiche der Zukunft - Umwelt - Gesellschaft (ZUG), einer bundeseigenen Dienstleistungsgesellschaft zur Förderung von Umwelt-, Natur- und Klimaschutz im Auftrag des Bundesumweltministeriums.

Das Ptx Lab soll in diesem Jahr mit 30 Mitarbeitenden starten, für 2022 sind noch einmal so viele Stellen geplant, letztlich sei der Zahl der Mitarbeitenden bei der Weiterentwicklung nach oben aber keine Grenze gesetzt, betonte Lehmann. Nach der Bundestagswahl im Herbst sieht Wirtschaftsminister Steinbach in der Wasserstofftechnologie ein hochaktuelles Thema für die neue Regierung. Zudem sei mit substantiellen Änderungen beim EEG zu rechnen. sg 

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