Corona: Pilotversuch zur Impfung in Arztpraxen startet

Corona: Pilotversuch zur Impfung in Arztpraxen startet

Die Impfkapazitäten in Brandenburg werden ausgebaut: Impfzentren erweitern Öffnungszeiten, vier Arztpraxen starten Pilotphase zum Impfen durch Haus- und Fachärzte und einige Krankenhäuser bieten Impftermine für Lehrkräfte und Erzieherinnen. Foto: Angelo Esslinger

Längere Öffnungszeiten und Online-Termine für Impfberechtigte unter 65 Jahren

Am Montagnachmittag waren für das Impfzentrum in Potsdam bereits alle Online-Termine ausgebucht. Screenshot: BP

Potsdam. Brandenburgs Gesundheitsministerin Ursula Nonnemacher (B'90/Grüne) hat am Montag den Beginn einer Pilotphase zur Corona-Impfung in Haus- und Facharztpraxen angekündigt. Ohne die Hilfe der niedergelassenen Ärzte könne das Ziel von 3,5 Millionen Impfungen bis Ende September nicht erreicht werden, so die Ministerin in einer Videokonferenz am Mittag.

Das Pilotprojekt startet in vier Praxen in Bad Belzig, Senftenberg, Pritzwalk und Wittenberge. Bis Ende März soll es landesweit auf 50 Arztpraxen ausgeweitete werden. Damit will das Gesundheitsministerium gemeinsam mit der Kassenärztlichen Vereinigung (KVBB), dem DRK-Landesverband und der Landeskrankenhausgesellschaft sowie den Landkreisen und Kommunen die Impfkampagne ausweiten. In den Praxen seien die Patientinnen und Patienten bekannt, die laut Priorisierung aktuell impfberechtigt sind, das erleichtere die Maßnahme.

Alle über 80-Jährigen werden jetzt zudem per Brief über ihr Impfangebot informiert. 17.000 Briefe an über 85-Jährige wurden bereits verschickt, 35.000 weitere Briefe folgen diese Woche. KVBB-Vorstand Holger Rostek wies darauf hin, dass es Irrtümer bei der Versendung der Einladungsschreiben geben könne, da diese auf Daten der Melderegister zurückgehen, die nicht in jedem Fall hundertprozentig aktualisiert seien. Für impfberechtigte Personen zwischen 18 und 64 Jahren - das sind beispielsweise Lehrkräfte, Erzieher und Erzieherinnen, aber auch Menschen mit Vorerkrankungen, die Bescheinigungen durch Arbeitgeber oder behandelnde Ärzte vorlegen können - steht seit Freitag eine Online-Terminvergabe zur Verfügung. Buchungen bis eine Stunde vor dem Termin sind möglich. Diese Impfberechtigten werden mit dem Impfstoff von Astrazeneca geimpft.


Impftermine bald auch abends und an Samstagen

Parallel werden auch die Kapazitäten der Impfzentren um 80 Prozent ausgebaut. Sie sollen ab dem 10. März werktags bis 20 Uhr geöffnet bleiben und auch Termine an Samstagen anbieten. Dafür werden zusätzliche Mitarbeitende eingestellt. In sechs Brandenburger Krankenhäusern werden ab dieser Woche spezielle Impftage für Lehrerinnen und Lehrer angeboten. In der vollstationären Pflege seien die Erstimpfungen so gut wie abgeschlossen, betonte KVBB-Vorstand Holger Rostek. Insgesamt sind mit Stand vom Montag bereits 179.020 Erst- und Zweitimpfungen in Brandenburg erfolgt.

Nach zahlreichen Zweitimpfungen, die aufgrund des zeitlichen Abstands zur Erstimpfung und für den vollständigen Schutz erforderlich waren, seien nun wieder die Erstimpfungen an der Reihe, erklärte Ministerin Nonnemacher. Entscheidend für die Geschwindigkeit sei,, dass die Impfstoffe wie zugesagt in den kommenden Wochen auch ankommen. "Mit dem Ausbau unserer Impfkapazitäten sind die gesamten Impfstoffmengen, die uns bis Ende März angekündigt sind, bereits voll verplant. Nichts bleibt ungenutzt im Kühlschrank liegen. Klar ist aber: Noch eine Vollbremsung aufgrund von Lieferschwierigkeiten darf es nicht mehr geben. Jetzt schalten wir in den Turbo-Gang", so Nonnemacher.


Impfungen in Senioren-WGs und Einrichtungen für Menschen mit Behinderung

"Wohnortnähe, dezentrale Strukturen, Ärztinnen und Ärzte, die ihre Patienten kennen, und Impfungen statt Bescheinigungen - das Impfen in den Arztpraxen hat viele Vorteile für jeden Einzelnen und beschleunigt die gesamte Kampagne. Der Bundesgesundheitsminister muss endlich die rechtlichen Rahmenbedingungen schaffen, damit alle niedergelassenen Ärzte in ihren Praxen impfen können", forderte KVBB-Vorstand Rostek. Am 5. März schließen die mobilen Impfteams die Erstimpfungen in vollstationären Pflegeeinrichtungen ab. Gleichzeitig wird der Impfstart in ambulanten Wohnformen der Pflege vorbereitet. Im Vergleich zu den Pflegeheimen sei die Situation hier jedoch komplexer, erklärte Hubertus Diemer vom DRK-Landesverband. Denn Pflege-Wohngemeinschaften haben meist nur wenige Bewohner. Deshalb sei es sinnvoll und nötig, über die betreuenden Pflegedienste zusätzlich weitere Impfberechtigte zu den Terminen einzuladen, sofern sie mobil genug seien, um in die Einrichtungen zu kommen.

Informationen zu Organisation und Ablauf der Impftermine haben die Einrichtungsträger bereits durch das Sozialministerium erhalten. Seit Montag können über das Online-Buchungssystem Impftermine reserviert werden. Ab 8. März sollen die mobilen Impfteams in Einrichtungen der Intensivpflege, teilstationären Einrichtungen, Tagespflegen und ambulant betreuten Wohnformen für Seniorinnen und Senioren unterwegs sein.


Online-Terminvergabe seit Freitag freigeschaltet

Am vergangenen Freitag wurden die ersten 11.280 Impftermine für Online-Buchungen freigeschaltet, weitere 17.280 folgen am morgigen Dienstag. Termine über die zentrale Online-Plattform können von Pflegekräften in der ambulanten, teilstationären und stationären Altenpflege, Personal in medizinischen Einrichtungen mit besonders hohem Ansteckungsrisiko wie Intensivstation, Notaufnahme oder Rettungsdienste, Mitarbeitende, die in medizinischen Einrichtungen regelmäßig Personen behandeln, betreuen oder pflegen, bei denen ein sehr hohes Risiko für einen schweren oder tödlichen Krankheitsverlauf nach einer Infektion besteht sowie Personen im Alter bis 64 Jahre, bei denen aufgrund einer schweren Vorerkrankung oder Behinderung ein sehr hohes oder hohes Risiko für einen schweren oder tödlichen Krankheitsverlauf nach einer Infektion mit dem Coronavirus besteht.

Ebenfalls Termine buchen können Personen, die in der Kindertagesbetreuung, in der Kindertagespflege, in der Primarstufe oder in Förderschulen tätig sind. In Impfzentren werden nur Personen im Alter von 18 bis 64 Jahren geimpft, die ihre Impfberechtigung mit einer Arbeitgeberbescheinigung oder einem ärztlichen Zeugnis nachweisen können und einen Impftermin online vereinbart haben. In Ergänzung des Impfangebots in Impfzentren sollen auf Anregung der Kommunen zunächst in ausgewählten Krankenhäusern Impftage für Lehrkräfte der Primarstufe und der Förderschulen durchgeführt werden. In sechs Kliniken starten sie bereits Ende dieser Woche.  sg


Terminvergabe für Berechtigte zwischen 18 und 64 Jahren: www.impfterminservice.de

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