Restaurierte Potsdam-Vedute ans Potsdam Museum übergeben

Restaurierte Potsdam-Vedute ans Potsdam Museum übergeben

Nach der Restaurierung präsentiert sich das Gemälde in seiner ursprünglichen klaren Farbintensität. Fotos: Oliver Max Wenske

Der Zustand vor der Restaurierung ist durch eine Vielzahl altersbedingt veränderter Überarbeitungen gekennzeichnet.

Potsdam. Im Potsdam Museum freut man sich dieser Tag über die Schenkung eines großformatigen Potsdam-Ölgemäldes. Es wurde aufwändig restauriert.
Die Vedute, in der Malerei die Bezeichnung einer wirklichkeitsgenauen Ansicht einer Landschaft oder Stadt, wurde in einem Auktionshaus erworben. Das Ölgemälde zeigt die Stadt, wie sie sich dem Spaziergänger im ausgehenden 19. Jahrhundert vom Park Babelsberg aus präsentierte. Standort des Betrachters ist die Anhöhe unterhalb des Flatowturms.
Der Blick geht über die Havel auf die Stadtsilhouette mit ihren markanten Bauten und reicht links vom Brauhausberg mit dem Belvedere bis zur Leibgarde-Husaren-Kaserne am rechten Bildrand. Unterhalb der Heiligengeistkirche ist der nicht mehr erhaltene Heckers Kalkofen zu erkennen, links daneben sieht man Liebischs Meierei, das heutige Havelhaus, das nach einem Brand im Jahr 1883 sein neues Aussehen von Reinhold Persius erhielt. Zahlreiche Staffagefiguren beleben die Szenerie im spätbiedermeierlichen Stil.
Entstanden ist das 90 x 110 Zentimeter messende Gemälde ganz offensichtlich nach einer um 1840 datierten Lithografie, von der ein Exemplar zum Sammlungsbestand des Potsdam Museum gehört. Museumsdirektorin Jutta Götzmann hat im Vorfeld der Erwerbung gerade auch mit Blick auf die Lithografie positiv für den Ankauf votiert.
Zahlreiche Details des Bildes sind von diesem grafischen Vorbild übernommen, jedoch nicht ganz korrekt von der grafischen Linie in die malerische Fläche übersetzt worden. „Wir vermuten, dass der unbekannte Künstler Potsdam nicht kannte und daher die als Vorlage dienende kleine Lithografie in architektonischen Details uminterpretierte. Auch wurde ein Segelboot durch ein Dampfschiff ersetzt, welches die Entstehungszeit des Gemäldes um 1890 vermuten lässt“, so der Museumskonservator und Restaurator Oliver Max Wenske, der das Gemälde wieder in einen ausstellungsfähigen Zustand versetzte.
„Wahrscheinlich nutzte der Künstler eine altkolorierte Fassung der Lithografie als Vorlage, da die Malerei in ihrer intensiven Farbigkeit typisch für biedermeierliche Kolorierungen in Aquarell ist. Das durch eine aufwändige Restaurierung sichtbar gemachte Gemälde verbarg sich unter einem stark gegilbten Firnis sowie einer Vielzahl alter Übermalungen. Die Entfernung einer alten Kittung erbrachte nebenbei noch die Erkenntnis, dass das Gemälde über zwei darunterliegenden Malschichten ausgeführt wurde“, so Wenske.
Finanziert wurden Ankauf und Restaurierung des Gemäldes durch insgesamt 27 Potsdamerinnen und Potsdamern, die dafür über 3.000 Euro an den Förderverein des Potsdam Museums spendeten. ela

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