Brandenburgs Schulen sollen sich digitalisieren

Brandenburgs Schulen sollen sich digitalisieren

Die Digitalisierung soll auch in Brandenburgs Schulen voranschreiten. Dazu hat das Bildungsministerium nun ein Strategiepapier veröffentlicht. Symbolbild: Juraj Varga

Corona hat Digitalisierung des Bildungssystems beschleunigt

Potsdam. Das Bildungsministerium will eine Strategie zur Digitalisierung an Brandenburgs Schulen erarbeiten. Am Montag hat Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) das 55 Seiten starke Papier "Perspektiven des Lernens mit digitalen Medien an Schulen in Brandenburg" vorgestellt. Es versteht sich als Diskussionsgrundlage, auf deren Basis weitere Schritte erarbeitet werden sollen. Dazu wird eine "Kommission Digitalisierung an Schulen" gegründet. Weitere Beratungen sollen auch in Gremien wie dem Landschulbeirat sowie mit den kommunalen Spitzenverbänden und Vertreterinnen und Vertretern der Wissenschaft stattfinden.

Zudem sind Befragungen von Schülerinnen und Schülern, Elternvertretungen, Lehrkräften und Schulleitungen sowie Fachveranstaltungen geplant. Bildungsministerin Britta Ernst betonte, dass die Rahmenbedingungen weiter verbessert werden müssen, obwohl die Digitalisierung durch die Coronapandemie bereits Fahrt aufgenommen habe. "Die Vorschläge sollen weiter konkretisiert und die Vorhaben zur strategischen Ausrichtung der Digitalisierung an Brandenburgs Schulen dann vor der Sommerpause vorgelegt werden. Die drei zentralen Themenfelder sind die Ausstattung, die Weiterentwicklung der Qualität des Unterrichts unter Nutzung digitaler Medien sowie der Ausbau der Fortbildung", so Ernst.


Zentrale Schülerdatei und Mailadressen für alle

Neben einer Analyse der aktuellen Situation enthält die Diskussionsvorlage konkrete Ziele zu weiteren Handlungsfeldern. Sie umfassen die Ausstattung der Schulen, die Umsetzung des DigitalPakts 2020 bis 2024 mit den drei Ergänzungen zu den Endgeräten und dem Ausbau der Systemadministration, die Anschaffung von Tablet-Koffern für 23 Millionen Euro für die Schulen, die Fortführung und den Ausbau der SchulCloud sowie die Einführung eines elektronischen Katasters zur digitalen Ausstattung an Schulen und im Hort bis 2022. Für Sportstätten ist ein ähnliches Kataster geplant, das auch die Flächen für den Schulsport erfasst. Vorgesehen ist auch die weitere Digitalisierung von schulinternen und schulübergreifenden Geschäftsprozessen. Als Beispiel nannte Ernst die Einführung einer zentralen Schülerdatei und die Einrichtung zentraler E-Mailadressen für Schülerinnen und Schüler bis zum Schuljahr 2021/22.

Um einheitliche Rahmenbedingungen schaffen zu können, soll eine Mindestausstattung der Schulen gewährleitet werden. Dazu ist eine technische Mindestausstattung nötig. Das Land habe bereits Endgeräte für alle Schulen bestellt, zurzeit gebe es wegen der Pandemie allerdings Lieferschwierigkeiten bei den georderten Tablets, erklärte Ernst. Die Geräte seien als Dauerleihgaben für die Schüler zu verstehen, müssten aber wegen des technischen Fortschritts gelegentlich auch ersetzt werden.


Digitale schriftliche Prüfungen und "Blended Learning"

Grundsätzlich soll das Lernen mit digitalen Medien gefördert werden. Dazu sollen unterschiedliche Tools und Plattformen, die über den neu geschaffenen Lernstore zur Verfügung stehen, eingesetzt werden. Gleiches gilt für Open Educational Resources (OER) des Landes und des Bundes. Digitalisiert werden sollen auch die Lernstandserhebungen. Die bereits vom Landesinstitut für Schule und Medien (Lisum) erstellten Handreichungen sollen zu einer Konzeption für das Distanzlernen als Bestandteil des Unterrichts weiterentwickelt werden. Selbst zu digitalen schriftlichen Prüfungen ist ein Modellversuch geplant. Eine weitere Idee ist das sogenannte "Blended Learning", eine Mischung aus Präsenzunterricht und E-Learning für Fächer mit geringer Teilnehmerzahl. Digitalisiert wird in diesem Zusammenhang auch der Berufswahlpass.

Mindestens ebenso wichtig ist die ständige Aus- und Fortbildung der Lehrkräfte. In Brandenburg unterrichten mehr als 20.000 Lehrerinnen und Lehrer. Alle sollen in den Belangen des Lehrens mit digitalen Medien fortgebildet werden. Dabei gibt es vier Zielgruppen: Schulleitungen, Mitarbeitende im Beratungs- und Unterstützungssystem für Schulen und Schulaufsicht (Buss), Lehrkräfte und Spezialistinnen an Schulen. Lehrkräfte sollen die Möglichkeit des Austauschs über Unterrichtskonzeptionen auf einer eigenen Cloud erhalten. Die rechtlichen Rahmenbedingungen zum Datenschutz müssen dazu durch eine Schulgesetzänderung verändert werden. sg

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