Weniger Unfälle aber mehr Tote auf Brandenburgs Straßen

Weniger Unfälle aber mehr Tote auf Brandenburgs Straßen

Obwohl die Zahl der Verkehrsunfälle coronabedingt 2020 in ganz Brandenburg rückläufig war, sind 25 Radler im Land gestorben. Ab Sommer dieses Jahres soll der Einbau von Abbiegeassistenten gefördert werden. Symbolbild: Pixabay

Zu geringer Abstand und hohe Geschwindigkeit haben 2020 zu vielen Verkehrstoten geführt

Potsdam. Von einem "historischen Tiefststand" bei den Verkehrsunfällen konnte Innenminister Michael Stübgen (CDU) am Montag bei der Vorstellung der Verkehrsunfallbilanz 2020 sprechen. Die Auswirkungen der Corona-Pandemie zeigen sich mehr als deutlich in den Zahlen der Unfälle - und zwar bei allen am Straßenverkehr Beteiligten. Einzig die Zahl der Verkehrstoten hat sich erhöht.

71.736-mal hat es im vergangenen Jahr auf Brandenburgs Straßen gekracht, ein Minus von mehr als 14 Prozent oder 12.218 Unfällen gegenüber 2019. Seit 1992 ist das die niedrigste Unfallzahl überhaupt. Lockdown, Homeoffice und Kontaktbeschränkungen haben ihren Anteil dazu beigetragen. Entsprechend der Gesamtzahl der Unfälle ist auch die Zahl der Verletzten zurückgegangen, lediglich die der Verkehrstoten ist mit 140 im Jahr 2020 um ganze zwölf Prozent im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. 2019 waren auf Brandenburgs Straßen 125 Menschen gestorben. Obwohl Brandenburg sowohl bei den Verkehrsunfällen als auch bei den Verletzten unter den deutschlandweiten Trend liegt, hat es sich bei den Unfalltoten deutlich verschlechtert und liegt nun weit über dem Bundesdurchschnitt, der einen Rückgang um 10,4 Prozent verzeichnet.

Wichtigste Unfallursachen seien zu geringer Sicherheitsabstand und überhöhte Geschwindigkeit gewesen, betonte Innenminister Stübgen. Aber auch Alkohol und Drogen haben eine Rolle gespielt. Eine neue Debatte über Tempolimits bringt nach Ansicht des Ministers keine Vorteile, denn gerast werde auch, wenn die Höchstgeschwindigkeit herabgesetzt wird. Kontrollen sollen hingegen fortgeführt werden, darin sieht sich die Polizei bestätigt.


Viele Unfälle mit Lkw - Brandenburg ist Transitland für den Güterverkehr

Polizeipräsident Oliver Steppien betonte, dass an jedem vierten Unfall ein Lkw beteiligt war. Brandenburg ist mit seiner Ost-West-Verbindung ein bedeutendes Transitland für den internationalen Güterverkehr. Die Fehler ähneln sich auffallend, immer wieder geht es um Abstand, Spurwechsel und mangelde Vorsicht beim Überholen. Das betrifft auch Motorradfahrer. Unter ihnen gab es 2020 mit 23 Unfalltoten viermal mehr tödlich Verletzte als noch 2019. 20 dieser Unfälle waren zudem von den Bikern selbst verschuldet. Auch bei den Radlern gab es mehr Verletzte, die Unfälle gingen meist auf Abbiegefehler, Missachtung der Vorfahrt und falsches Einfädeln in fließenden Verkehr zurück. 25 Radler sind dabei gestorben, die Hälfte hat auch hier den Unfall selbst verschuldet. Auffallend ist das Alter: 18 getötete Radler waren über 65 Jahre alt, aber es gab auch ein Kind, das einen Fahrradunfall nicht überlebt hat. Tödliche Schulwegunfälle gab es hingegen nicht - auch dies dürfte auf die Pandemie zurückzuführen sein.

Bei den Kontrollen hat die Brandenburger Polizei im vergangenen Jahr trotz geringerer Verkehrsdichte alle 24 Sekunden einen Geschwindigkeitverstoß gemessen. Die Messungen seien deshalb richtig, wichtig und notwendig, betonte der Polizeipräsident. Verkehrsminister Guido Beermann (CDU) sprach von einem Rückgang des Verkehrs um zwölf Prozent. Um eine der häufigsten Unfallursachen in Brandenburg zu minimieren - den Zusammenprall mit Bäumen - werde die Errichtung von Schutzplanken vorangetrieben. Fahrzeuge des Landesbetriebs werden nach und nach mit Abbiegeassistenzsystemen ausgestattet, ein Mittel, um Fahrrad- und Fußgängerunfälle zu reduzieren. Ab Sommer dieses Jahres soll es für die Umrüstung ein brandenburgweites Förderprogramm geben, mit dem der Einbau der Systeme in Lkw und Bussen mit mehr als neun Sitzen finanziell unterstützt wird. Ein weiteres Förderprogramm wurde bereits Ende 2020 beschlossen: Die Anschaffung von Lastenrädern wird in diesem Jahr mit 600.000 Euro bezuschusst. Für den Ausbau von Radschnellwegen gebe es eine Potenzialanalys, deren Auswertung noch nicht abgeschlossen ist, so Beermann.

Immer wieder werden Radfahrende Opfer sich plötzlich öffnender Autotüren. Hier riet der Verkehrsminister zu einem einfachen Mittel: dem sogenannten "holländischen Griff". In den Niederlanden hat man längst verstanden, dass der Blick über die Schulter lebensrettend sein kann, deshalb werden Autotüren vorzugsweise mit der der Tür fernen Hand geöffnet. Ein Autofahrer, der den Türgriff mit der rechten Hand betätigt, sieht automatisch, ob sich ein Fahrrad nähert und kann schnell reagieren. sg

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