Frauenwoche 2021: Superheldinnen am Limit

Frauenwoche 2021: Superheldinnen am Limit

Die echte Gleichberechtigung von Frauen und Männern ist noch in weiter Ferne - gerade im Lockdown hat sich gezeigt, wieviel mehr Haus- und Sorgearbeit Frauen leisten. Symbolbild: Pixabay

Diskussion über gleichberechtigte Verteilung der Aufgaben ist wichtig

Potsdam. Die Potsdamer Frauenwochen stehen in diesem Jahr unter den besonderen Bedingungen der Coronapandemie. Die alljährliche Festveranstaltung zum Internationalen Frauenkampftag, die am 8. März letzten Jahres noch kurz vor Ausbruch des ersten Pandemiegeschehens beinahe 500 Gäste in das Hans Otto Theater lockte, muss dieses Jahr ausfallen.

Als die Gleichstellungsbeauftragte Martina Trauth die Potsdamer Vereine und Organisationen Ende vergangenen Jahres dazu aufrief, sich an der Frauenwoche zu beteiligen, hatte sie wenig Hoffnung, dass sich viele melden würden. Denn unter dem Pandemiegeschehen sind nur virtuelle Veranstaltungen möglich. Dennoch sindeinahe 20 Veranstaltungen zusammengekommen. "Ich bin überrascht aber auch bestätigt in meiner Annahme, dass gleiche Rechte und gleiche Chancen von Frauen in Potsdam viele Menschen für wichtig und diskussionswürdig erachten", so Trauth.

Das diesjährige Motto, an dem Martina Trauth als Mitglied des Brandenburgischen Frauenbeirates mitgewirkt hat, lautet "Superheldinnen am Limit". In Zeiten von Corona zeigt sich, dass Frauen besonderen Belastungen ausgesetzt sind und die Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern verstärkt werden. Die zusätzliche Haus- und Sorgearbeit im Lockdown erledigen meistens die Frauen. Nach einer Umfrage der Bertelsmann Stiftung hat die Corona-Krise aber weniger einen Rückfall in traditionelle Rollen verursacht, sondern scheint vielmehr ans Licht zu bringen, dass die traditionelle Rollenverteilung zwischen Männern und Frauen bisher so gut wie gar nicht aufgebrochen war.

So geben 69 Prozent der Frauen an, dass sie die generelle Hausarbeit erledigen, während dies unter den Männern gerade einmal elf Prozent von sich behaupten. Ähnlich verhält es sich bei der Kinderbetreuung und beim Homeschooling. Obwohl den Männern auffällt, dass viele der genannten Aufgaben bei den Frauen liegen, sind sie dennoch zu 66 Prozent der Ansicht, die Aufgaben der Kinderbetreuung und Hausarbeit seien gerecht aufgeteilt. Fast die Hälfte der Frauen fühlt sich außerdem durch die Situation an ihre körperliche, psychische und emotionale Grenze gebracht. Unter den Männern räumen dies 30 Prozent ein.

"Unsere gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, wie zum Beispiel die Schlechterbezahlung von Frauenberufen oder das Ehegattensplitting, fördern nicht die gleiche Teilung von Arbeits- und Betreuungszeit zwischen Frauen und Männern. Und auch die 40-Stunden-Woche als Vollzeiterwerb ist für die meisten Familien mit Kindern eine hohe Belastung, die oftmals in der Teilzeitarbeit der Mütter mündet", sagt Martina Trauth. Darüber gilt es zu reden und zu reflektieren in den zahlreichen Veranstaltungen die im ganzen Land Brandenburg von den kommunalen Gleichstellungsbeauftragten organisiert werden. In Potsdam selbst gibt es dank vieler Engagierter ein vielfältiges Programm mit Buchlesungen, Kunstinstallationen, Weiterbildungen, Autokonzerten, Diskussionsrunden, Anleitungen, Ausstellungen und Podcasts. Alle Veranstaltungen sind kostenfrei.  red/sg


Infos zur Brandenburgischen Frauenwoche gibt es hier.

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