Schlusslicht Griebnitzsee: Potsdamer Park-and-Ride-Parkplatz fällt bei ADAC-Umfrage durch

Schlusslicht Griebnitzsee: Potsdamer Park-and-Ride-Parkplatz fällt bei ADAC-Umfrage durch

Ein Parkplatz, der gar nicht erst zu finden ist, ist generell schlecht geeignet für das Umsteigen vom Auto auf Busse und Bahnen. Das sind jedoch nicht die einzigen Mängel, die der ADAC nach einer Umfrage unter seinen Mitgliedern in der Metropolregion Berlin-Brandenburg anprangert. Symbolbild: Florian Pircher

Mangelhafte Ausstattung und schlechte Auffindbarkeit machen den Parkplatz unattraktiv

Potsdam. Der Umstieg vom eigenen Auto auf den öffentlichen Nahverkehr klappt in der Metropolregion Berlin-Brandenburg längst nicht so gut, wie er möglich wäre. Das ergibt sich aus einer Umfrage des ADAC unter seinen Mitgliedern. Dass das Park-and-Ride-Angebot für Pendler zwischen Berlin und Brandenburg deutlich ausbaufähig ist, ist längst bekannt, doch es geschieht immer noch viel zu wenig, um den ÖPNV zu einer lukrativen Alternative zu machen.

Täglich pendeln etwa 220.000 Menschen in die Hauptstadt und davon rund 150.000 mit dem Auto. Ihnen stehen laut ADAC im Berliner Umland weniger als 23.000 offizielle Park-and-Ride-Plätze zur Verfügung. Dies sei umso bedauerlicher, da das Potenzial der Park-and-Ride Konzepte immens sei, beklagt der Autoclub: In einer Mitgliederbefragung gaben 50 Prozent der Pendler an, dass sie bei einem entsprechenden Park-and-Ride-Angebot verstärkt vom Auto auf den ÖPNV umsteigen würden. Auch qualitativ lassen die bestehenden Anlagen einiges zu wünschen übrig. Der ADAC Berlin-Brandenburg hat sich deshalb neun Plätze an verkehrsstrategisch wichtigen Punkten genau angesehen und diese bewertet. Alle wiesen Mängel auf.

Bewertet wurden die Anlagen in den folgenden Kategorien: Anzahl der Stellplätze, öffentliche Zugänglichkeit, Behindertenparkplätze, Beschilderung, dichter ÖPNV-Takt, Sauberkeit und Sicherheit. Gewinner ist Hoppegarten (Märkisch-Oderland), Verlierer eindeutig der Bahnhof Griebnitzsee in Potsdam. Die größten Mängel wiesen die Anlagen in Sachen Angebot und Nutzerkomfort auf. Lediglich eine Anlage in Königs Wusterhausen wurde hier mit gut bewertet. In Punkto Information und Barrierefreiheit fand der ADAC an sechs von neun der untersuchten Stationen deutliche Mängel. Immerhin fünf der neun Anlagen verfügen über eine ÖPNV-Anbindung mit einer guten Taktung im Bereich von 15 bis 20 Minuten.

Hoppegarten punktet trotz hoher Auslastung aufgrund seiner Infrastruktur, der optimalen Beschilderung und der guten Erreichbarkeit der Gleise. Auch Behindertenparkplätze sind vorhanden. Im Gegensatz zur Park-and-ride-Anlage in Griebnitzsee: In Punkto Barrierefreiheit fällt die Anlage komplett durch. Schlechte Wegeführung und nicht vorhandene Beleuchtung führen zur Note mangelhaft in Sachen Sicherheit. Unzureichend bewertet der ADAC Regionalclub auch die Beschilderung. "Ein Parkplatz, den man nicht findet, ist per se ein schlechter Parkplatz. Auch eine benutzerfreundliche, digitale Informations-Plattform und ein entsprechendes Leitsystem sollten für eine smarte Metropolregion eigentlich selbstverständlich sein", sagt Volker Krane, Verkehrsvorstand im ADAC Berlin-Brandenburg.


Ausbau ist mehr als überfällig

"Aus unserer Sicht ist ein quantitativer und qualitativer Ausbau von Park-and-Ride-Anlagen an verkehrsrelevanten Plätzen mehr als überfällig. Die Pendlerzahlen sind in den vergangenen 20 Jahren um nahezu 60 Prozent gewachsen, Tendenz weiter steigend mit entsprechenden Folgen für das Verkehrsaufkommen in der Innenstadt. Es sollte in den kommenden zwei Jahren mindestens eine Verdoppelung erfolgen, ansonsten steuern wir mit Blick auf die anstehenden Großbaustellen auf den Berliner Autobahnen, wie dem Dreieck Funkturm, auf einen Verkehrskollaps zu", sagt Matthias Regner, Leiter Verkehr und Technik des ADAC Berlin-Brandenburg. Dabei müsse jedoch nicht immer viel Geld in die Hand genommen werden.

Der ADAC hat im Rahmen seiner Untersuchung entsprechende Standorte in strategisch günstiger Lage und mit guten Rahmenbedingungen identifiziert, die rasch um- oder ausgebaut werden könnten. "Wir sehen in der stiefmütterlichen Behandlung der Park-and-Ride-Angebote eine fatale verkehrspolitische Fehlsteuerung und fordern die Politik zum Handeln auf. Ein erster Schritt könnte die Gründung einer entsprechenden länderübergreifenden Betriebsgesellschaft sein, die das Thema mit politischer Rückendeckung und angemessenen Mitteln pragmatisch und zeitnah vorantreibt", so Krane. "Man muss es nicht nur wollen, sondern auch anpacken". Zu den Empfehlungen des Autoclubs zählen die Verdoppelung des Park-and-Ride-Angebots in den kommenden zwei Jahren und die Renovierung bestehender, mangelhafter Anlagen nach den Mindestanforderungen. Aber auch eine Engere Zusammenarbeit der Länder Berlin und Brandenburg durch einen Staatsvertrag und die Gründung einer Betreibergesellschaft wünscht sich der ADAC. Zudem seien eine Optimierung der Taktung des öffentlichen Verkehrs an allen Stationen, die Bereitstellung digitaler Informationssysteme zu erwartbarer Reisezeit, Route, Platzverfügbarkeit in Verbindung mit analoger Beschilderung und die Vergünstigung des Angebotes durch Einbindung von mehr Stationen in die Tarifzone B unabdingbar. sg

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