Rekordhoch bei der Wohnungsbauförderung

Rekordhoch bei der Wohnungsbauförderung

Corona-Hilfsprogramme haben 2020 dazu beigetragen, dass Brandenburgs Investitions- und Landesbank mehr Förderanträge als je zuvor in den 30 Jahren seit ihrer Gründung bearbeitet hat. Fotos (2):Sabine Gottschalk

2020 brachte in vielen Bereichen die meisten Förderanträge in der 30-jährigen Geschichte der ILB

Die Wirtschaftsförderung war 2020 in großen Teilen durch die Unterstützung von Unternehmen in der Pandemie bestimmt.

Potsdam. Brandenburgs Investitions- und Landesbank (ILB) hat im vergangenen Jahr Fördermittel in Höhe von 2,27 Milliarden Euro für insgesamt 69.684 Vorhaben zugesagt. Das Jahr stand auch für die Förderbank ganz im Zeichen der Corona-Pandemie. Durch Sonderprogramme konnten 64.000 Unternehmen und Soloselbstständige mit 579 Millionen Euro unterstützt werden, wie der Vorstandsvorsitzende der ILB, Tilmann Stenger, und seine Vorstandskollegin Kerstin Jöntgen bei einer Videokonferenz am Donnerstag erläuterten.

Im Bereich der Wohnungsbauförderung konnte die ILB 2020 ein Rekordjahr verzeichnen. 167 Millionen Euro Landesförderung wurden für die Schaffung von neuem Wohnraum im preisgebundenen Mietwohnungsbau zugesagt, das sei ein starkes Signal in der Diskussion um erschwingliche Mieten und fehlende Sozialwohnungen, betonten die Banker. Der Vorjahreswert sei damit um etwa 70 Prozent übertroffen worden. Weitere 210 Millionen Euro seien zudem in Form von Förderdarlehen aus eigenen Programmen der ILB geflossen. Mithilfe der Fördermaßnahmen sollen mehr als 2.200 vorrangig klima- und generationengerechte Wohnungen neu entstehen oder modernisiert werden.


Durch Corona im Frühjahr leicht ausgebremst

Im Frühjahr 2020 sei ein großer Teil der Belegschaft fast ausschließlich mit der Bearbeitung von Soforthilfen beschäftigt gewesen. Die dadurch entstandenen temporären Rückstände bei den regulären Programmen seien jedoch in der zweiten Jahreshälte fast komplett aufgeholt worden. Rund 1,7 Milliarden Euro seien unabhängig von den Corona-Maßnahmen für 5.588 Vorhaben zugesagt worden, so Stenger. Die Fördernachfragen seien dabei ungebrochen hoch gewesen, vor allem bei der Innovations- und Technologieförderung, aber auch bei Unternehmensinvestitionen oder der Förderung wirtschaftsnaher Infrastruktur. Tilmann Stenger rechnet allein durch die zugesagten Fördermittel von rund 1,7 Milliarden Euro in den nächsten Jahren mit Investitionen in Höhe von 2,4 Milliarden Euro in ganz Brandenburg sowie mit der Schaffung und Sicherung von 6.194 Arbeitsplätzen.

Im Zusammenhang mit der Umsetzung verschiedener Corona-Sonderprogramme seien insgesamt gut 64.000 Zusagen für rund 579 Millionen Euro gemacht worden. Antragszahlen in dieser Größenordnung habe es in der knapp 30-jährigen Geschichte der Bank nie zuvor gegeben. Das gehe vor allem auf die Soforthilfen im vergangenen Frühjahr zurück. "Innerhalb von gut zwei Monaten konnten wir 531 Millionen Euro Soforthilfe an 61.200 Unternehmen und Soloselbstständige auszahlen", erklärte Kerstin Jöntgen. Die Soforthilfen seien jedoch nur ein Zwischenschritt gewesen und die anhaltende Pandemie habe im zweiten Halbjahr 2020 weitere Hilfsangebote notwendig gemacht. Von den Überbrückungshilfen I und II haben in Brandenburg 2.873 Unternehmen Gebrauch gemacht, an die bereits 37 Millionen Euro ausgezahlt worden seien, so Jöntgen weiter.


Infrastruktur und Digitalausbau

Bedeutend sei zudem das Kreditprogramm Corona Mezzanine Brandenburg, ein Nachrangdarlehen insbesondere für Start-ups in Kooperation mit der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). Hier wurden laut Jöntgen weitere zehn Millionen Euro an 20 Unternehmen ausgezahlt. Seit dem 12. Januar hat die ILB Zugriff auf das Bundesportal, um die November- und Dezemberhilfen zu bearbeiten. Daran arbeiten zurzeit über 50 Beschäftigte der Förderbank, um den Unternehmen schnellstmöglich helfen zu können.

Einer der bedeutendsten Bereiche der ILB ist seit vier Jahren die Infrastrukturförderung. Entscheidender Baustein dafür seien die Kommunalkredite, mit denen die ILB Kommunen und kommunale Zweckverbände im Land bei Vorhaben der öffentlichen Verwaltung und Sicherheit sowie bei der sozialen Infrastruktur unterstützt. Gut 223 Millionen Euro wurden in diesem Bereich 2020 zugesagt. Hinzu kommen die Infrastrukturfinanzierung mit rund 134 Millionen Euro sowie weitere 64 Millionen Euro für den Breitbandausbau, der in einem Flächenland unabdingbar für die wirtschaftliche Zukunft ist. So sollen auch in peripheren Regionen mehr zukunftsfähige Arbeitsplätze entstehen. Weitere Treiber seien das Kommunalinvestitionsförderungsgesetz, mit dem finanzschwache Städte und Gemeinden in Höhe von 42 Millionen Euro unterstützt wurden.

Um die digitale Ausstattung und Vernetzung der Brandenburger Schulen zu verbessern, wurden im Rahmen des "Digitalpakts Schule" 24 Millionen Euro für 149 Schulträger zugesagt. Im Bereich der Wirtschaftsförderung konnten im zentralen Investitions-Förderprogramm für die gewerblichen Unternehmen, mit dem die regionale Wirtschaftsstruktur verbessert werden soll, 101 Millionen Euro zugesagt werden. Das war mehr als 2019. Damit gehen Investitionen in Höhe von 544 Millionen Euro einher.

Erstaunlich stark sei 2020 zudem das Gründungsgeschehen im Land gewesen. Über die Programme Gründung innovativ, Meistergründungsprämie, Brandenburg-Kredit Gründung und Mikrokredit Brandenburg konnten 165 Gründerinnen und Gründer mit insgesamt 11,4 Millionen Euro unterstützt werden.


Corona-Hilfsmaßnahmen gehen weiter

Auch 2021 steht zunächst ganz im Zeichen der verschiedenen Corona-Sonderprogramme. "Wir werden uns nun prioritär um die Abarbeitung der Anträge für die November- und Dezemberhilfen kümmern. Anschließend stehen dann schon die Überbrückungshilfe III sowie die Neustarthilfe in den Startlöchern", so Kerstin Jöntgen. "Für das kommende Jahr planen wir ohne die Corona-Sonderprogramme ein Neuzusagevolumen von 1,1 Milliarden Euro. Dabei ist auch berücksichtigt, dass wir uns in einem Übergangsjahr zwischen der letzten EU-Förderperiode 2014 bis 2020 und dem neuen Operationellen Programm befinden", betonte Tillmann Stenger abschließend. sg

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