Proteste vom November 1989 in Bild und Ton in den Bahnhofspassagen

Proteste vom November 1989 in Bild und Ton in den Bahnhofspassagen

Der Kleinmachnower Fotograf Bernd Blumrich hat die Ereignisse vom November 1989 in Potsdam in beeindruckenden Bildern festgehalten, die nun zusammen mit Original-Tondokumenten aus der Zeit die spannenden Wendemomente wieder erlebbar machen. Fotos (2): Bernd Blumrich

Ausstellung der Bürgerstiftung zeigt Fotos von Bernd Blumrich und O-Töne von Demonstrationen

November 1989, kurz vor dem Fall der Mauer: Die Menschen wollten Freiheit.

Potsdam. 30 Jahre sind vergangen seit der friedlichen Revolution von 1989/90. Doch wer waren die Menschen, die sie erstritten? Was haben sie gesagt? Wie argumentiert? Die Potsdamer Bürgerstiftung will mit einer audiovisuellen Ausstellung unter dem Titel "Demokratie - Jetzt" mit Bilddokumenten des Kleinmachnower Fotografen Bernd Blumrich und Original Tonaufzeichnungen in den Bahnhofspassagen einzigartige Einblicke in die Gedankenwelt der mutigen Akteure von damals gewähren.

Geplant war eine große Eröffnung parallel zur Einweihung des Demokratiedenkmals auf dem Luisenplatz am 4. November. So sollte die Atmosphäre auf dem Platz am 4. November 1989 audio-visuell erlebbar gemacht werden. Doch die Zunahme der Corona-Infektionen hat eine öffentliche Vernissage unmöglich gemacht, erklärt die Vorsitzende der Bürgerstiftung, Marie-Luise Glahr. Auch Kulturstaatssekretär Tobias Dünow (SPD) wird nun nicht wie geplant zur Eröffnung kommen.

Erstmals werden original Ton-Mitschnitte der damaligen Reden mit den dazugehörigen Fotos kombiniert. Das unterscheidet sie von anderen Fotoausstellungen, da den Bildern eine zweite Dimension hinzugefügt wird. "Ich bin Bernd Blumrich für seinen wachen Kamerablick ausgesprochen dankbar, denn er erlaubt uns der Atmosphäre der damaligen Demonstrationen nachzuspüren. Der neue Blick auf die vergangenen Ereignisse macht den Reiz der gesamten Ausstellung aus. Die Zeugnisse verdeutlichen, was damals riskiert und erreicht worden ist," sagte Kulturministerin Manja Schüle (SPD) im Vorfeld der Eröffnung.


Historische Ereignisse in unsicheren Zeiten

Bernd Blumrich hat die Demonstranten damals im Bild festgehalten. Ihm war klar, dass es sich um historische Ereignisse handelte. Sein Bekannter Martin Gürtler, Elektromeister aus Stahnsdorf, zeichnete die Reden auf, die am 4. November 1989 auf dem "Platz der Nationen", dem heutigen  Luisenplatz, bei der Großdemonstration gehalten wurden. Danach versteckte er die Tonbänder vor der Stasi, und zwar so gründlich, dass seine Familie sie erst lange nach seinem Tod wiederentdeckte. Bernd Blumrich hat die Aufzeichnungen dieses einen Tages digitalisieren lassen. Jetzt setzt er sie erstmalig in Beziehung zu seinen Fotos. 14 Bilder hat er im Großformat drucken lassen und einen Teil von ihnen mit einem QR-Code versehen, so dass alle Interessierten auf ihrem Smartphone die Audioclips kostenlos hören können.

Der Fotograf sieht in der Ausstellung "Demokratie - Jetzt" eine Besinnung auf die Ziele des Wendeherbstes. Er wolle ein Zeichen setzen für den Wert der Demokratie und deren Erhalt, sagt Blumrich. "Ich wünsche mir seit 30 Jahren, Bilder und Tondokumente in dieser Form zusammenzuführen", so der mittlerweile 70-Jährige. "Jetzt endlich kann man sich per Bild und Ton, audiovisuell, in diese Zeit zurückversetzen. Und das Besondere daran ist, dass beides echtes Handwerk ist - keine digitale Aufnahme, wie sie heute überall gemacht werden."


Bis Ende November in den Bahnhofspassagen

Die Ausstellung wird vom Kulturministerium gefördert, die dazugehörige Begleitbroschüre ist mit Mitteln der Landesbeauftragtenzur Aufarbeitung der Folgen der Kommunistischen Diktatur entstanden. "Wir bedanken uns sehr bei Ministerin Dr. Manja Schüle sowie bei der Landesbeauftragten Dr. Maria Nooke für die starke Unterstützung," sagt die Historikerin Dr. Stephanie Salzmann, die die Ausstellung der Bürgerstiftung Potsdam ehrenamtlich kuratiert hat.

Center-Manager Carsten Paul von den Bahnhofspassagen Potsdam stellt der Potsdamer Bürgerstiftung die Aussstellungsflächen einen Monat lang unentgeltlich zu Verfügung. Interessierte haben dort ausreichend Platz, um Fotos und Tondokumente in Ruhe und mit Abstand auf sich wirken zu lassen, ist sich Marie-Luise Glahr sicher. Die Schau soll eine Brücke zwischen Vergangenheit und Zukunft schlagen, um den Dialog über Gewolltes, Erreichtes und zu Gestaltendes fortzusetzen. red/sg


Ausstellung: Bahnhofspassagen Potsdam, 3. bis 28. November 2020

Die Begleitbroschüre zur Ausstellung gibt es für eine Schutzgebühr von fünf Euro oder eine darüber hinausgehende Spende bei der Potsdamer Bürgerstiftung in der Friedrich-Ebert-Straße 94, auf www.potsdamerbuergerstiftung.com/shop sowie in verscheidenen Potsdamer Buchhandlungen.

Weitere Infos unter 0331 / 23180300, oder per Mail an info@potsdamer-buergerstiftung.com.

Spendenkonto Potsdamer Bürgerstiftung:
Deutsche Bank Potsdam IBAN: DE93 1207 0000 0010 6633 00
BIC: DEUTDEBB160

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