Märkte nicht vorschnell abgesagt

Märkte nicht vorschnell abgesagt

Auf dem Prüfstein: Weihnachtsmärkte in Corona-Zeiten. Foto: BP

IHK Potsdam ermutigt Veranstalter und Betreiber

Im Gespräch mit Uwe Seibt, Referent Tourismus und Gastgewerbe, Fachbereich Interessenvertretung. Foto: IHK

Potsdam.

Einige Städte und Gemeinden haben aus Sorge um die Gesundheit der Besucher die traditionellen Weihnachtsmärkte um die Adventszeit abgesagt. Manche überlegen sich Alternativkonzepte. Zum Für und Wider sprach BlickPunkt-Redakteurin Elke Lange mit Uwe Seibt von der Industrie- und Handelskammer (IHK) Potsdam.


BlickPunkt: Die örtlichen Gegebenheiten sind unterschiedlich. Wie sehen corona-konforme Alternativen zu den klassischen Weihnachtsmärkten aus?
Uwe Seibt: Tatsächlich ist viel Einfallsreichtum und Kreativität gefragt, um von den klassischen Weihnachtsmarktkonzepten abzuweichen und dennoch eine schöne Atmosphäre zu schaffen. An erster Stelle muss für jeden Betreiber die Umsetzung eines durchdachten Hygienekonzeptes stehen. Doch auch die Gäste müssen Disziplin beweisen und die Regeln einhalten. Es sind also beide Seite gefragt, um eine hohe Hygienesicherheit auf den Weihnachtsmärkten zu gewährleisten. Eine Alternative zu den klassischen Konzepten könnte die Hinzunahme von weiteren Straßen und Plätzen in den Innenstadtbereichen sein. So verteilen sich die Menschen besser und vor den Geschäften, wo sonst Buden stehen, wird es nicht zu eng. Dennoch ist ein Flanieren entlang der Läden gesichert. Es geht hierbei ja auch darum, das traditionelle Weihnachtsgeschäft für den Einzelhandel nicht weiter zu gefährden. Eine Verlängerung des Veranstaltungszeitraums, um die Besucherströme beispielsweise auf ein Wochenende zu konzentrieren, kann ebenfalls helfen. Ganz entscheidend wird sein, auf Party-Zonen zu verzichten. Die Einrichtung von gesonderten Gastrobereichen mit Zugangskontrollen würde helfen, die genaue Kontrolle über die Anzahl der Gäste zu behalten.

BlickPunkt: Konkrete Vorschläge für Hygienemaßnahmen zum Infektionsschutz gibt auch der Deutsche Schaustellerbund e.V. (DSB) in seiner jetzt veröffentlichten „Machbarkeitsstudie zur Durchführung der Weihnachtsmärkte in Zeiten der Corona-Pandemie“. Wo können Interessierte die Studie nachlesen?
Uwe Seibt: Die Studie kann unter dem Link https://www.dsbev.de/fileadmin/user_upload/PROJECT_M_-_DSB_-_Machbarkeitsstudie_Weihnachtsmaerkte.pdf abgerufen werden.

Blickpunkt: Wird es weiterhin Glühwein auf den Märkten geben?
Uwe Seibt: Das muss jeder Veranstalter in Abstimmung mit der Genehmigungsbehörde selbst entscheiden.

Blickpunkt: Wie sieht es mit klassischen Fahrgeschäften, wie beispielsweise Karussells, aus?
Uwe Seibt: Das sollte möglich sein. Im Potsdamer Lustgarten war gerade erst zu beobachten, wie es klappen kann. Auch hier ist das oberste Gebot: ein durchdachtes Hygienekonzept.

BlickPunkt: Große Menschenansammlungen werden als eine Infektionsquelle genannt. Wie soll dichtes Gedränge verhindert werden?
Uwe Seibt: Hier sollte unterschieden werden. Tatsächlich besteht bei Menschenansammlungen in Innenräumen ein höheres Infektionsrisiko. Wir reden hingegen über Open-Air-Veranstaltungen. In der aktuellen Verordnung in Brandenburg gilt die Einhaltung des Mindestabstandes von 1,5 Meter als Grundregel. Um dies zu gewährleisten, sollten die genannten Hygienemaßnahmen des Schaustellerbundes umgesetzt werden: Einlasskontrollen, Maskenpflicht, Sitzplatzordnung und Markierungen.

Blickpunkt: Wie sieht es für Händler auf Weihnachtsmärkten aus? Werden beispielsweise Standgebühren wie in den Jahren zuvor fällig?
Uwe Seibt: Wenn die Kommune selbst Veranstalter ist, werden hier häufig die Standgebühren verringert oder auch komplett ausgesetzt. Das sollte Vorbild für alle Kommunen sein. Bei privaten Veranstaltern kann die Stadt hingegen die Gebühren für die Nutzung des öffentlichen Raums erlassen.

BlickPunkt: Erste Weihnachtsmärkte sind längst abgesagt. Kommen die konkreten Vorschläge für Hygienemaßnahmen nicht zu spät?
Uwe Seibt: Sie haben Recht, dass einige Städte da sehr schnell waren. Auf der anderen Seite ist es nicht zu spät, um sich Alternativkonzepte zu überlegen. Genau das ist ja unser Ansatz: Weder business as usual noch Komplettabsage, sondern hygienekonforme Anpassung. Die neue Landesverordnung zum Beispiel ist erst vergangene Woche in Kraft getreten. Demnach können Kommunen eine Maskenpflicht im öffentlichen Raum erlassen, sie müssen aber nicht. Wir appellieren daran, den Einsatz solcher Maßnahmen sehr sorgfältig abzuwägen.

Blickpunkt: Führt die IHK derzeit Gespräche mit Veranstaltern und Betreibern von Weihnachtsmärkten? Wie können Sie unterstützen? Wer ist Ansprechpartner?
Uwe Seibt: Wir stehen als Ansprechpartner jederzeit bereit. Insbesondere unsere RegionalCenter haben immer ein offenes Ohr für die Unternehmen in den Regionen. In diesen Tagen wenden wir uns an zahlreiche Entscheidungsträger in Landkreisen, Städten und Gemeinden in unserer Region und wollen dazu animieren, gemeinsam mit der Wirtschaft vor Ort passende Lösungen für die Wintersaison zu finden.

Blickpunkt: Im Moment steigen die Infektionszahlen deutschlandweit an. Was bedeutet das für die Weihnachtsmarktsaison?
Uwe Seibt: Wir haben aus dem ersten Lockdown gelernt, dass ein komplettes Herunterfahren nicht die Lösung ist. Die Hygienekonzepte müssen konsequent eingehalten werden. Viele Unternehmen würden einen erneut starken Umsatzeinbruch nicht verkraften.

BlickPunkt: Zum Weihnachtsfest gehört der Wunschzettel. Was wird auf Ihrem stehen?
Uwe Seibt: Dass die prognostizierte Insolvenzwelle nicht kommt.

Auch Ihre Meinung ist gefragt: Halten Sie es für das richtige Signal, weiterhin Veranstaltungen mit der Begründung der Pandemie abzusagen? Oder sind der Besuch eines weihnachtlichen Marktes und die Adventszeit für Sie untrennbar miteinander verbunden? Ihre Zuschriften senden Sie an: Redaktion Blickpunkt, Kennwort Leserzuschrift per E-Mail an redaktion@blickpunkt-brandenburg.de.

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