Fachkräfteeinwanderung: Neue Beratungsmöglichkeiten für Unternehmen

Fachkräfteeinwanderung: Neue Beratungsmöglichkeiten für Unternehmen

So wie hier im Mercedes-Werk in Ludwigsfelde suchen Betriebe in ganz Brandenburg Fachkräfte. Nur ein Teil kann im Ausland angeworben werden, wichtig ist deshalb eine kontinuierliche Aus- und Weiterbildung von Nachwuchskräften, wie sie in diesem Konzern erfolgt. Foto: Sabine Gottschalk

Rückgang der Erwerbstätigen um mehr als 13 Prozent bis 2030 erwartet

Potsdam. Damit Brandenburger Betriebe auch in Zukunft ihren Personalbedarf decken können, sei eine Zuwanderung von Fachkräften aus dem Ausland dringend notwendig, betonte Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (SPD) am Freitag vor Journalisten.

"Die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sind das Kraftwerk, das unsere Wirtschaft am Laufen hält. Doch wird der Personalbedarf in unseren märkischen Betrieben allein national oft nicht mehr zu decken sein. Die Zuwanderung aus dem Ausland und die Integration in den betrieblichen und gesellschaftlichen Alltag werden künftig wichtige Aspekte für die Fachkräftesicherung unserer Wirtschaft sein. Wir benötigen in vielen Bereichen mehr ausländische Fachkräfte - ob das nun in der Pflege ist oder in Folge von Neuansiedlungen oder dem Ausbau von Betriebsstätten", so Steinbach. Es müsse alles daran gesetzt werden, um im Wettbewerb um die besten Köpfe interessierte Fachkräfte von Brandenburg zu überzeugen und sie in Brandenburg halten zu können. Deshalb sei auch ein gutes Unterstützungssystem unerlässlich.

Noch vor der Coronakrise ist das Fachkräfteeinwanderungsgesetz des Bundes am 1. März in Kraft getreten. Um die neuen Möglichkeiten nutzen und verstärkt Fachkräfte aus dem Ausland anwerben zu können, hat die Landesregierung seither notwendige Strukturen geschaffen. Zum 1. Oktober startet beispielsweise die neue zentrale Ausländerbehörde im Landkreis Dahme-Spreewald. Zudem hat die Wirtschaftsförderung (WFBB) einen "International Talent Service" eingerichtet. Mit dem neuen Service unterstütze die WFBB das Land und die Brandenburger Unternehmen dabei, Fachkräfte aus Nicht-EU-Staaten sowie internationale Studierende als Fachkräfte für Brandenburg zu gewinnen.

Durch den neuen Service haben Firmen die Möglichkeit, eine ausführliche Beratung zum Fachkräfteeinwanderungsgesetz zu erhalten. Denn das Interesse an ausländischen Fachkräften ist in Brandenburger Betrieben in den vergangenen Jahren stark gestiegen. Der Anteil sozialversicherungspflichtiger Beschäftigter aus dem Ausland hat sich in zehn Jahren vervierfacht, der größte Teil kommt aus anderen EU-Ländern. Im Bereich qualifizierter Fachkräfte und Spezialisten habe aber auch die Zuwanderung aus Drittstatten zugenommen, erklärte WFBB-Geschäftsführer Steffen Kammradt. Das neue Angebot sieht er als hervorragende Ergänzung der bestehenden Fachkräfteservices.


Informationszentrum bei der Industrie- und Handelskammer

Im Rahmen des IQ-Netzwerks Brandenburg wurde ein weiteres Informationszentrum für Fachkräfteeinwanderung bei der IHK-Projektgesellschaft eingerichtet. Zusammen mit dem bereits bestehenden Projekt von DAREconsulting sind nun landesweit Beratungen zum Anwerben internationaler Fachkräfte möglich. Allerdings bleibe die Beschäftigung von ausländischen Fachkräften auch mit dem Fachkräfteeinwanderungsgesetz ein anspruchsvolles Unterfangen, betonte Steinbach. "Knackpunkt ist die Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse", so der Minister. Hier sieht er zusätzlichen Beratungs- und Unterstützungbedarf bei den Unternehmen.

Schon jetzt bieten zahlreiche Projekte aus dem vom Bundesarbeitsministerium geförderten Netzwerk IQ "Integration durch Qualifizierung" Unterstützung in Brandenburg an. Zu diesen vorhandenen Strukturen kommen nun zwei "Informationszentren für Fachkräfteeinwanderung" hinzu. "Damit unterstützen wir Unternehmen vor und während des Prozesses der Gewinnung einer ausländischen Fachkraft, ergänzend kann qualifiziert werden", erklärte Steinbach.

Mit dem Fachkräfteeinwanderungsgesetzt können jedoch nicht alle Probleme des Personalbedarfs gelöst werden, warnte Steinbach gleichzeitig.  Im Vergleich zu 2017 wird bis 2030 ein Rückgang der Personen im erwerbsfähigen Alter um 13,3 Prozent erwartet. Das sind etwa 210.400 Arbeitnehmer. Männer und Frauen aus dem Ausland für eine Tätigkeit in Brandenburg zu gewinnen, sei ein Baustein für die Fachkräftegewinnung. Damit allein sei das Problem des Fachkräftemangels aber nicht zu lösen. Deshalb betonte Steinbach nachdrücklich die zentrale Bedeutung der Aus- und Weiterbildung in Brandenburger Unternehmen. Nur so könnten die Arbeitsplätze attraktiv bleiben.  sg

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