Neue Kinderschutzkampagne startet in Sozialen Medien

Neue Kinderschutzkampagne startet in Sozialen Medien

Viele Kinder und Jugendliche waren während der Schul- und Kitaschließungen mit ihren Problemen auf sich gestellt und teils Bedrohungen und Misshandlungen ausgesetzt. Die neue Kinderschutzkampagne will dem nun ein effizientes Mittel entgegen setzen, indem sie Hilfsangebote aufzeigt und das Umfeld sensibilisiert. Foto: Ulrike Mai | Pixabay

#wirhoerendirzu! soll Kinder und Jugendliche unterstützen und Erwachsene sensibilisieren

Potsdam. Während des Shutdowns standen sie häufig allein da und waren ihren Peinigern ausgesetzt: Kinder und Jugendliche, die im Alltag mit häuslicher Gewalt konfrontiert sind, hatten plötzlich keine Ausweichmöglichkeit mehr, potenzielle Ansprechpartner waren nicht mehr zu erreichen. Das hat schon während der Schul- und Kitaschließung Erzieherinnen und Lehrer beunruhigt. In dieser Zeit sind nicht nur die Meldungen an Jugendämter zurückgegangen, weil die Kinder aus den Augen der Betreuer verschwunden sind, es hat sich auch gezeigt, wie wichtig regionale Netzwerke und Meldeketten und eine hohe Sensibilität der Öffentlichkeit sind, um drohender Vernachlässigung, Misshandlung und Gewalt gegen Kinder und Jugendliche entgegen zu wirken.

Mit der neuen Kinderschutzkampagne #wirhoerendirzu! sollen Kindern und Jugendlichen sowie deren Umfeld nun Unterstützungswege aufgezeigt werden. Zudem soll die breite Öffentlichkeit zum Thema Kinderschutz sensibilisiert werden. "Die zentrale Botschaft an die Kinder und Jugendlichen heißt: Wir hören dir zu! Wir wollen, dass ihr in krisenhaften Situationen schnell Beratung und Hilfe bekommt und wisst, wo ihr im Notfall auch Schutz erhaltet. An die Erwachsenen gerichtet, unterstreicht die Kampagne: Jeder einzelne Erwachsene kann auch etwas tun: Indem er oder sie genau hinschaut beziehungsweise hinhört, ob es dem Kind in der Nachbarschaft gut geht. Der Schutz aller Kinder und Jugendlichen ist eine zentrale Aufgabe und liegt mir sehr am Herzen", so Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) zum Start der Kampagne am Dienstag.

"Es handelt sich um eine Binsenweisheit - aber sie kann nicht häufig genug ausgesprochen werden: Kinder gehören zu den schwächsten Mitgliedern unserer Gesellschaft. Wir müssen alles tun, damit sie ohne Gewalt, Misshandlungen oder Vernachlässigung aufwachsen können. Als Innenminister bin ich auch Vorsitzender des Landespräventionsrates, der sich seit seiner Gründung vor 20 Jahren für den Kinderschutz einsetzt. Es ist daher selbstverständlich, dass wir die Kampagne "Wir hören dir zu" unterstützen. Ich hoffe sehr, dass die Kampagne ihre Ziele erreicht und mit dazu beiträgt, dass mehr Kinder und Jugendliche ohne Angst und Gewalt in Brandenburg aufwachsen können", ergänzte Innenminister Michael Stübgen (CDU).


Jugendämter sollen unterstützt werden

"Eine wesentliche Aufgabe der Fachstelle Kinderschutz ist es, die Jugendämter Brandenburgs in ihrer Kinderschutzarbeit fachlich zu unterstützen. Nicht erst seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie ist es eine Herausforderung für die Jugendhilfe Kinder und Jugendliche mit Hilfs-, Unterstützungs- und gegebenenfalls Schutzangeboten zeitnah zu erreichen, um sie im besten Fall bereits präventiv vor Gefahren zu schützen. Damit steht die Kampagne zwar im Zeichen der besonderen Bedingungen der heutigen Zeit, wird aber auch darüber hinaus ein Beitrag zur Qualifizierung der Kinderschutzarbeit im Land Brandenburg sein", betonte der Leiter der Fachstelle Kinderschutz im Land Brandenburg, Hans Leitner. #wirhoerendirzu! sei der Leitgedanke einer erfolgreichen Kinderschutzarbeit, denn nur wer zuhöre, könne erkennen und zum Schutz von Kindern und Jugendlichen handeln.

Die Kindeschutzkampagne #wirhoerendirzu! soll insbesondere die Arbeit der kommunalen Jugendämter zur Gewährleistung des Kinderschutzes unterstützen und das Wohl von Kindern und Jugendlichen noch besser schützen. Die regionalen Jugendämter haben jeweils eigene Videoclips produziert, mit denen sie Kinder und Jugendliche direkt ansprechen und über ihre Hilfs- und Unterstützungsangebote vor Ort informieren. Die Landkreise und kreisfreien Städte werben mit einem eigenen Gesicht aus der Region, einer Botschafterin oder einem Botschafter für Engagement zum Schutz von Kindern und Jugendlichen.


Kindeswohlgefährdung hat zugenommen

Das Jugendministerium hat für die Kampagne 8.500 Euro bereit gestellt. Kooperationspartner sind der Landespräventionsrat sowie die Start gGmbH mit dem Kinderschutzfonds, die sich jeweils mit zusätzlichen Mitteln in Höhe von 5.000 Euro beteiligen. In Kooperation mit dem Landesjugendring, der Aktion Kinder- und Jugendschutz, dem Kompetenzzentrum Kinder- und Jugendbeteiligung, dem Fachverband Jugendarbeit / Jugendsozialarbeit, dem Landessportbund und der Brandenburgischen Sportjugend erfolgt eine weitere Verbreitung über Social Media Netzwerke wie Facebook, Instagram und YouTube. Zusätzlich zur Social Media Kampagne stellt das Jugendministerium den kommunalen Jugendämtern 4.000 Euro für rund 2.000 Plakate, 500 Flyer und 2.000 Broschüren zur Verfügung.

Im Jahr 2018 wurden rund 6.000 Verfahren zur Einschätzung einer Kindeswohlgefährdung von den Jugendämtern im Land Brandenburg durchgeführt. 2019 erhöhte sich die Anzahl der Verfahren auf rund 6.860 Verfahren um 14 Prozent. Im Ergebnis der Gefährdungseinschätzung wurden durch die Jugendämter 2019 fast 2.500 Kindeswohlgefährdungen festgestellt. Bei etwa einem Drittel der geprüften Verfahren lag keine Kindeswohlgefährdung vor, jedoch ein Hilfebedarf für die Kinder und deren Familien. Für die Zeit des Shutdown in 2020 liegen noch keine Zahlen vor. red/sg

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