Vor 75 Jahren: Die Teilung der Welt

Vor 75 Jahren: Die Teilung der Welt

Vor 75 Jahren tagten die "Großen Drei" Truman, Churchill und Stalin im Schloss Cecilienhof. Eine Sonderausstellung erinnert nun an diese für die Welt entscheidenden Tage. Fotos (2): Sabine Gottschalk

Schau zur Potsdamer Konferenz 1945 im Schloss Cecilienhof

Das Tagebuch der damals erst 19-jährigen Sekretärin von Winston Churchill ist in der Ausstellung zu sehen und kann digital durchgeblättert werden.

Potsdam. Geschichtsunterricht live gibt es seit dieser im Schloss Cecilienhof: Am Originalschauplatz der Potsdamer Konferenz von 1945 erinnert die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten in einem teils bedrückenden, auf jeden Fall aber sehr aufschlussreichen Rundgang durch Teile des Schlosses an die Geschehnisse des Sommers vor 75 Jahren.

Damals trafen sich die "Großen Drei", Harry S. Truman, Winston Churchill und Josef Stalin im zerstörten Potsdam, um buchstäblich über das Schicksal der Welt zu entscheiden. Der Zweite Weltkrieg war in Europa erst wenige Wochen beendet, in Asien tobte er noch weiter. Und so kam es, dass noch während der Verhandlungen durch Truman der Atombombenabwurf auf Hiroshima am 6. August 1945 autorisiert wurde. Für Stalin Anlass, selbst sofort ein Forschungs- und Aufrüstungsprogramm zu starten, erläuterte Kurator Matthias Simmich am Dienstag vor Journalisten.

Zu Wort kommt auch die damals 19-jährige britische Sekretärin Churchills, die in ihrer Zeit in Potsdam ein Tagebuch führte, das die Kuratoren für die Ausstellung nach Potsdam holen konnten. Weitere Leihgaben aus Großbritannien sind coronabedingt noch nicht eingetroffen, werden aber in der nächsten Zeit erwartet: Churchills Hut und Gehstock und vor allen eine Zigarrenkiste, die seine Ehefrau in der Sowjetunion geschenkt bekam, als sie aus karitativen Gründen eine Reise dorthin unternahm. Die Kiste sei innen reich verziert mit einem Portrait Churchills aus Tabakblättern, erläuterte Projektleiter Jürgen Luh.

Ganz anders sieht es bei den aus Russland erwarteten Gegenständen aus Stalins Besitz aus: Auch dort war bereits alles mit den öffentlichen Leihgebern vereinbart, doch dann verlangte das Kulturministerium in die Begleittexte eingreifen und sie umschreiben zu können. Ein äußerst unübliches Verhalten sei das, betonte Luh, und eines, auf das sich die Stiftung keinesfalls einlassen wollte. So steht in Stalins Arbeitszimmer nun außer einem monumentalen Portrait aus Stiftungsbesitz nur das, was die Dauerausstellung im Schloss Cecilienhof ohnehin zeigt.


Neuentdeckungen und ein Blick auf das Schicksal der Bevölkerung

Allerdings habe man im Zusammenhang mit der Vorbereitung der Jubiläumsschau auch festgestellt, dass die Schwanenbrücke über dem Hasengraben, der den Heiligen See mit der Havel verbindet, eigens zur Potsdamer Konferenz umgebaut worden sei, erklärte Schlösserstiftungschef Christoph Martin Vogtherr am Rande desr Pressekonferenz. Wer sich für weitere, öffentliche Relikte aus dieser bewegten Zeit interessiert, kann an der Stadtgrenze zwischen Berlin-Zehlendorf und Kleinmachnow bis heute ein drittes Bahngleis auf der Stammbahnstrecke entdecken, das verlegt werden musste, weil Stalin wegen seiner Flugangst mit einem sowjetischen Zug anreisen wollte und die dortigen Spuren breiter waren als die deutschen.

Die Ausstellung will neben den Abläufen der Konferenz vor allem auch ein Licht auf das Schicksal der Menschen in Ost- und Mitteleuropa werfen, über deren Köpfe hinweg die neue Aufteilung der Welt entschieden wurde. Zwar waren nur die Deutschen ganz direkt von der Teilung des eigenen Landes betroffen, aber auch in Polen, der Ukraine und dem Baltikum gab es große Umsiedlungen und Landnahme. Das alles ist in diesen Ländern bis heute nicht vergessen. Die Verhandlungen, die zwischen dem 17. Juli und dem 2. August 1945 geführt wurden, waren auch der Beginn eines Bruchs zwischen den Alliierten, die es gemeinsam geschafft hatten, Hitlerdeutschland in die Knie zu zwingen. Nun wurden aus Amerikanern und Russen erbitterte Gegner, die in den folgenden Jahren auf ihrer jeweiligen Seite militärisch und atomar erheblich aufrüsteten. Dass der Kalte Krieg und die Teilung der Welt in zwei feindliche Blöcke kommen würde, war schon in den Verhandlungstagen im Sommer 1945 zu spüren. Erst mit der Kapitulation Japans am 2. September endete der Zweite Weltkrieg, auch das ist Thema der Ausstellung. sg


Bis 31. Dezember im Schloss Cecilienhof, Dienstag bis Sonntag 10 bis 17.30 Uhr, Zeitfenstertickets auf tickets.spsg.de, zurzeit keine Gruppenführungen

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