Reisebusunternehmen durch Corona-Pandemie vor der Insolvenz

Reisebusunternehmen durch Corona-Pandemie vor der Insolvenz

Viele Senioren nutzen Reisebusse, um bequem ans Ziel zu kommen. Doch gerade sie fallen gehören zur Risikogruppe und fallen in der nächsten Zeit als Kunden für Busunternehmen aus. Foto: Pasja1000 | Pixabay

IHK Potsdam fordert Rettungsschirm für die Branche

Potsdam. Durch die Corona-Pandemie sind Reisebusbetriebe und weitere Verkehrsunternehmen in Schwierigkeiten geraten, vielen droht mittlerweile die Insolvenz. "Ein Untergang der Branche darf nicht zugelassen werden - aber ohne ein staatliches Rettungspaket wird das nicht gehen. Deshalb muss der Erhalt in Berlin angepackt werden", sagt der Potsdamer IHK-Präsident Peter Heydenbluth.

"Der Fortbestand eines der umweltfreundlichsten Verkehrsmittel steht auf der Kippe. Gut geführte und finanziell gesunde Unternehmen sind plötzlich von der Insolvenz bedroht. Auch wenn Busse ab dem 25. Mai wieder rollen dürfen, wird das mit Wirtschaftlichkeit wenig zu tun haben. Das Mindeste wäre, wenn sich die Bundesländer wenigstens hier einmal einig wären", so der Präsident der Industrie- und Handelskammer weiter.

"Falls wir ab dem 25. Mai aus Brandenburg eine Tour in den Süden unternehmen wollten, dürften wir nicht durch Sachsen fahren, weil dort die Erlaubnis erst ab 5. Juni gilt. Deshalb sage ich: Es sind nur noch eineinhalb Meter bis zur Insolvenz", betont Frank Fuhrmann, Chef der Reiseclub Berlin-Brandenburg GmbH, die sich von Potsdam aus auf Reisen für Senioren spezialisiert hat. Nicht die Hygienemaßnahmen seien das Problem, denn sein Unternehmen sei bestens ausgestattet mit Masken und Desinfektionsmitteln. Die Einhaltung der Abstandsregelung hingegen sei ein großes Problem. Fuhrmann muss die Zahl der Fahrgäste von 50 auf 24 pro Bus reduzieren, das entspricht einer unwirtschaftlichen Auslastung von nur 44 Prozent.

Auch Günter Anger sieht mit seiner Omnibusvermietung in Marquardt nicht zuversichtlich in die nahe Zukunft. "Klassenfahrten und Gruppenreisen sind storniert. Auch wenn wir Ende Mai wieder fahren dürfen, werden Sitzplätze in unseren Bussen weitestgehend unbesetzt bleiben. Die Fahrgäste sind verunsichert und warten ab, auch wegen der verschiedenen regionalen Regeln. Der große Ansturm wird wohl ausbleiben", betont Anger, der auch Vorsitzender des IHK-Verkehrsausschusses ist. "Die typische Bus-Zielgruppe 60+ gehört zudem zu den Risikogruppen. Dieses und auch das kommende Jahr wachsen sich zunehmend zur Katastrophe aus."

Die Busbranche wurde von den wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise so hart getroffen wie kaum ein anderer Wirtschaftszweig: Die Bruttoumsätze der Reisebusbranche in Deutschland belaufen sich auf insgesamt 14,3 Milliarden Euro im Jahr. Die Bustouristik beschert den Beherbergungsbetrieben jährlich rund 34 Millionen Übernachtungen. In ganz Deutschland gibt es rund 3.600 private Busunternehmen mit einem Fuhrpark von fast 20.000 Bussen. Jedes Jahr nutzen rund 81 Millionen Fahrgäste aus touristischen Gründen den Reisebus. Corona-bedingt stehen in diesem Jahr alle Fahrzeuge seit zwei Monaten still. Allein in Westbrandenburg gibt es etwa 40 Busunternehmen, von denen ein Großteil erst wieder ab 25. Mai fahren darf. Auch die Einnahmen im ÖPNV sind um bis zu 90 Prozent gesunken. red/sg

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