Kein Gutschein statt Rückerstattung

Kein Gutschein statt Rückerstattung

Die Verbraucherzentrale spricht sich gegen die von der Bundesregierung geplante Gutscheinregelung für abgesagte Reisen und Veranstaltung aus, die nur einseitig Unternehmen schützen, aber Verbraucher in die Not treiben kann. Foto: Sabine Gottschalk

Verbraucherzentrale setzt sich für vollständige Kostenerstattung ein

Potsdam. Die Verbraucherzentrale Brandenburg (VZB) lehnt die Pläne ab, Verbrauchern ihr Recht auf Rückzahlung bereits gezahlter Beträge für Reiseleistungen und Veranstaltungstickets zu nehmen. Nach geltender Rechtslage müssen Anbieter gezahlte Gelder an ihre Kunden zurück überweisen, wenn Reisen oder Veranstaltungen abgesagt werden. Plänen der Bundesregierung zufolge soll dies jedoch kurzfristig geändert werden: Verbraucher erhalten dann nach stornierten Reisen und abgesagten Veranstaltungen statt einer Rückzahlung nur noch einen Gutschein.

Die neue Regelung soll offenbar rückwirkend durchgesetzt werden und für Reiseleistungen und Veranstaltungstickets gelten, die vor dem 8. März gekauft wurden und aufgrund der Corona-Pandemie nicht stattfinden. Die Verbraucherzentrale Brandenburg hat bereits mehrere Beschwerden verunsicherter Verbraucher erhalten. "Hinter den derzeit diskutierten Gutscheinen verbergen sich in Wirklichkeit zinslose Zwangskredite für Unternehmen auf Kosten der betroffenen Kunden. Das lehnen wir entschieden ab und fordern die Politik auf, hier umzusteuern", sagt VZB-Geschäftsführer, Christian A. Rumpke. Aus der täglichen Beratung wisse die Verbraucherzentrale, dass viele Menschen gerade jetzt auf ihr Geld angewiesen sind. "Zwangs-Gutscheine können Menschen in eine noch schwierigere finanzielle Lage bringen. Und es ist nicht sicher, ob Gutscheine nach einer Unternehmensinsolvenz überhaupt noch etwas wert sind", so Rumpke weiter.


Reiseanbieter haben Rückzahlungen bereits verweigert

Bereits in den vergangenen Wochen haben immer mehr Reiseanbieter ohne gesetzliche Grundlage Rückzahlungen verweigert und nur Gutscheine ausgegeben, teilt die Verbraucherzentrale anhand ihrer Beratungserfahrungen mit. Gerade bei Pauschalreisen und Einzelreiseleistungen wie Flugreisen, Hotelbuchungen, Mietwagen, Reisemobil- und Ferienhausvermietungen gehe es oft um sehr hohe Beträge, für die Menschen lange gespart oder sogar einen Verbraucherkredit aufgenommen haben. Wer dann noch um den eigenen Arbeitsplatz fürchten und das eigene Geld zusammenhalten muss, wird durch die neue Regelung in eine unmögliche Lage gebracht.

Auch die geplante Härtefall-Regelung ist laut Verbraucherzentrale nicht vermittelbar: "Seit wann müssen Gläubiger ihren Schuldnern nachweisen, dass sie auf ihr Geld angewiesen sind", fragt Rumpke. Die in den Plänen der Bundesregierung bislang sehr unkonkret gehaltene Härtefall-Regelung bringe Bedürftige in eine unwürdige Situation, die dann gegenüber Unternehmen möglicherweise persönliche Notstände belegen müssen, um doch Geld statt Gutschein zu erhalten.

"Bei Hilfen für Unternehmen in der Krise fordern wir, Fairness und Sozialverträglichkeit zu wahren. Hilfe in der Corona-Krise funktioniert nur partnerschaftlich, nicht gegeneinander", so Rumpke. Statt Gutscheine verpflichtend zu machen, könne der Rückzahlungszeitpunkt für fällige Beträge ausgedehnt werden. Zudem solle die Bundesregierung einen Sicherungsfonds einrichten, der künftige Insolvenzen absichert, kurzfristig Liquidität zur Erstattung der Kundengelder ermöglicht und von den Unternehmen in den kommenden Jahren refinanziert wird, fordert die VZB. Zusätzlich dürfe das Modell nicht auf die Anbieter von Pauschalreisen beschränkt sein, sondern müsse auch für Anbieter von Einzelreiseleistungen wie Fluggesellschaften oder Ferienhaus- und Reisemobilvermieter gelten. red/sg


Die Verbraucherzentrale hat ihr telefonisches Angebot ausgeweitet.
Telefonische Beratungstermine können am landesweiten Servicetelefon unter 0331 / 98 22 999 5 montags bis freitags zwischen 9 und 18 Uhr oder online vereinbart werden.

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