Corona-Pandemie: Radeln ist erlaubt und tut gut

Corona-Pandemie: Radeln ist erlaubt und tut gut

Radeln ist erlaubt, vorausgesetzt, der Abstand wird eingehalten und das Fahrrad ist technisch okay. Foto: Free-Photos | Pixabay

Fahrräder sollten technisch in gutem Zustand sein

Potsdam. Das Radfahren durch die Natur ist trotz der aktuellen Kontaktsperre in allen Bundesländern noch erlaubt. Also rauf auf den Drahtesel und rein in die Pedale - natürlich nur mit der Familie und mit dem notwendigen Abstand zu anderen.

Damit die Radtour unbeschwert und ohne Pannen verläuft, sollten vorher Beleuchtung, Bremsen und Klingel überprüft werden. Was ein modernes, verkehrstaugliches Fahrrad, mit Muskelkraft betrieben oder elektrisch unterstützt, so alles braucht, sagen Experten der Arag-Versicherung und erläutern auch, warum Fahrradhelme wichtig sind. Ob Dynamo, Akku- oder Batterielampe - die zulässige und notwendige Beleuchtung am Fahrrad ist absolute Pflicht und in der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung (StVZO) penibel geregelt. Batterielampen brauchen zehn Lux Mindestbeleuchtungsstärke und eine Kontrollleuchte für den Batteriezustand. Elektrofahrräder können den Strom fürs Licht aus ihrem Akku speisen. Der Strahler muss fest mit dem Fahrradrahmen verbunden sein, eine Stirnleuchte reicht laut Arag nicht aus.


Gutes Licht ist vorgeschrieben

Darüber hinaus müssen Fahrräder an der Rückseite mit einer Schlussleuchte für rotes Licht ausgerüstet sein. Deren niedrigster Punkt der leuchtenden Fläche darf sich nicht weniger als 250 Milimeter über der Fahrbahn befinden. Zudem muss es mindestens einen roten Rückstrahler geben, dessen höchster Punkt der leuchtenden Fläche sich nicht höher als 600 Milimeter über der Fahrbahn befindet und einen mit dem Buchstaben "Z" gekennzeichneten roten Großflächen-Rückstrahler. Die Schlussleuchte sowie einer der Rückstrahler dürfen in einem Gerät vereinigt sein.

Fahrradpedale müssen mit nach vorn und nach hinten wirkenden gelben Rückstrahlern ausgerüstet sein. Um auch von der Seite gesehen zu werden, müssen an den Speichen des Vorder- und Hinterrades mindestens zwei gelbe Speichenrückstrahler angebracht sein, die um 180 Grad versetzt sind. Alternativ sind auch weiße, reflektierende Streifen an jedem Reifen oder an den Speichen beider Räder erlaubt.


Einzige Vorschrift für Bremsen: Sie müssen funktionieren

Anders als die Beleuchtung sind die Bremsen eines Fahrrades wenig reguliert. Es ist lediglich festgelegt, dass jedes Fahrrad zwei unterschiedliche, funktionstüchtige Bremsen haben muss. Mit befestigten, aber funktionslosen Bremsen wegen gerissener Kabel oder abgefahrenen Bremsklötzchen darf man nicht auf die Straße. Bei der Art der Bremse hat man die freie Wahl: Rücktrittbremse, Felgenbremse, Cantilever-, V-, Scheibenbremse oder Seitenzugbremse - alles und auch jede Kombination ist erlaubt. Selbst mit historischen Stempelbremsen darf man weiterbremsen. Bremsen müssen nicht einheitlich verbaut werden, sie müssen lediglich funktionieren und gut bedienbar sein. Dazu ist es unumgänglich, dass die beiden Bremsen unabhängig voneinander zu betätigen sind.

Die Klingel am Fahrrad muss hell klingen, also laut sein. Sie ist zwar nicht dazu da, Autofahrer anzuklingeln, sondern dafür gedacht, Fußgänger und andere Radfahrer auf gemeinsam genutzten Wegen vorzuwarnen, statt sie lautlos beim Überholen zu erschrecken. So sehr sich mancher Radler auch wünscht, bisweilen auch den Autoverkehr auf sich aufmerksam machen zu können - legal ist dies kaum möglich. Hupen an Fahrrädern sind laut Arag verboten. Erlaubt sind jedoch "chinesische Fahrradglocken". Das sind große, schwere Klingeln, die beim Betätigen den Glockenkörper um sich selbst drehen und dadurch einen recht lauten und längeren Klingelton erzeugen als gewöhnliche Fahrradklingeln.


Fahrradhelm bleibt freiwilliger Schutz

Helme zum Schutz vor Kopfverletzungen gehören noch nicht zur gesetzlich vorgeschriebenen Pflichtausstattung, um ein als verkehrstauglich geltendes Fahrrad fahren zu dürfen. Kommt es ohne Helm zum Unfall, trifft den Fahrradfahrer auch keine Mitschuld, nur weil er auf das Tragen eines Fahrradhelms verzichtet hat. Das hat der Bundesgerichtshof (BGH) klargestellt. Geklagt hatte eine Frau, die mit dem Rad zu Fall gekommen war, weil eine Pkw-Fahrerin die Fahrertür ihres Wagens geöffnet hatte, ohne auf den von hinten anrollenden Verkehr zu achten. Bei dem Sturz erlitt sie erhebliche Kopfverletzungen, zu deren Ausmaß das Nichttragen eines Fahrradhelms beitrug.

Sie verlangte daraufhin von der Autofahrerin und deren Haftpflichtversicherung Ersatz der entstandenen Schäden. Die Vorinstanz sah bei ihr wegen des fehlenden Helms jedoch ein Mitverschulden von 20 Prozent und gab ihrer Klage nur teilweise statt. Der BGH sah die Sache anders: Auch ohne gesetzliche Helmpflicht könne einem Geschädigten zwar ein Mitverschulden anzulasten sein - und zwar dann, wenn er diejenige Sorgfalt außer Acht lässt, die ein ordentlicher und verständiger Mensch zur Vermeidung eigenen Schadens anzuwenden pflege. Zum Unfallzeitpunkt sei das Tragen von Helmen nach allgemeinem Verkehrsbewusstsein für den eigenen Schutz aber noch nicht erforderlich gewesen. Laut Bundesanstalt für Straßenwesen hätten im Jahr 2011 nämlich nur elf Prozent der Radfahrer innerorts einen Helm getragen, so das Gericht (Az.: VI ZR 281/13). Doch auch, wenn sein Nichttragen laut den höchsten deutschen Zivilrichtern keine haftungsrechtlichen Konsequenzen nach sich zieht, plädieren die Arag-Experten dafür, zum Schutz vor schweren Verletzungen nicht auf den Fahrradhelm zu verzichten. Denn laut einer Erhebung der Bundesanstalt für Straßenwesen von 2018 waren im vorletzten Jahr immer noch über 80 Prozent der deutschen Radfahrer ohne Kopfschutz unterwegs.  red/sg

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