Zerstörung Potsdams jährt sich zum 75. Mal

Zerstörung Potsdams jährt sich zum 75. Mal

Die Broschüre enthält Tagebuchaufzeichnungen des Küsters der katholischen Peter und Paul Kirche auf dem Bassinplatz, August Burda. Foto: Thomas Marin

Neue Broschüre erzählt die Geschichte der Bombennacht aus Sicht des Küsters August Burda

Potsdam. Am 14. April jährt sich der schwerste Bombenangriff, den Potsdam während des Zweiten Weltkriegs erlitt, zum 75. Mal. Der Stahnsdorfer Autor Thomas Marin sieht eine Verbindung zur aktuellen Lage. Er hat eine Publikation, die zum Jahrestag veröffentlicht wird, vorab gelesen und rezensiert: 

Das Gedenken an die Zerstörung großer Teile der Innenstadt in den letzten Kriegstagen wird durch die Corona-Pandemie anders begangen als geplant. An öffentliche Feiern, die diesem unvorstellbaren Verlust an Menschenleben und Kulturgütern angemessen wären, ist derzeit nicht zu denken. So entfällt auch die am Jahrestag des Angriffs geplante Präsentation einer Veröffentlichung über "Die Potsdamer Bombennacht und die Gemeinde St. Peter und Paul".

Die Broschüre dokumentiert die Tagebuchaufzeichnungen des Küsters von St. Peter und Paul und späteren Lehrers August Burda und bietet einen eindrucksvollen Einblick in die Lage und Stimmung während dieser erschreckenden Ereignisse. Die katholische Pfarrkirche auf dem Bassinplatz lag am Rand des Bombenteppichs, der sich damals über die Stadt erstreckte. Das Pfarrhaus sowie weitere gemeindeeigene Häuser in der unmittelbar angrenzenden Charlottenstraße wurden zerstört.

August Burda überlebte mit seiner Frau im Keller des Pfarrhauses, mit ihm die Priester der Gemeinde, Ordensschwestern und andere Bewohner. Zwei Tage nach dem Angriff beginnen Burdas Tagebuchaufzeichnungen, die über das Kriegsende und den Einmarsch der Sowjetarmee bis zum 24. Mai reichen. Burda beschreibt die besonderen Belange der katholischen Gemeinde und die Situation des ebenfalls von Bomben getroffenen Josefskrankenhauses, bietet aber auch einen Blick auf die Lage der gesamten Bevölkerung.

Die Bergung der Todesopfer, die Dankbarkeit, dem Tod entronnen zu sein, die Not derer, die alles verloren hatten, aber auch das Erschrecken über die Skrupellosigkeit mancher Mitmenschen, die sich plündernd an der Not anderer bereicherten, beschreibt Burda in knappen und sachlichen Worten. Auch die Bemühungen, in dieser Situation seelsorglichen Beistand zu ermöglichen, sind in diesen Tagen erstaunlich aktuell, schreibt Marin.

Das 70 Seiten starke Heft bietet neben Burdas Aufzeichnungen auch Tagebuchnotizen von Renate Schäfer, Tochter des im KZ Sachenshausen umgekommenen Historikers Karl Heinrich Schäfer, sowie kurze Erinnerungen anderer Zeitzeugen. Im Rahmen ihres Jahresprogramms "Krieg und Frieden. 1945 und die Folgen in Brandenburg - Kulturland Brandenburg 2020" hat die Brandenburgische Gesellschaft für Kultur und Geschichte die Veröffentlichung gefördert.  red/sg


Die Broschüre ist über das Pfarramt zum Preis von 4 Euro plus Versandkosten erhältlich:

Katholisches Pfarramt St. Peter und Paul
Am Bassin 2
14467 Potsdam
Telefon: 0331 / 230 799-0
E-Mail: Pfarramt@Peter-Paul-Kirche.de

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