Corona: Erntehelfer dürfen unter strengen Auflagen einreisen

Corona: Erntehelfer dürfen unter strengen Auflagen einreisen

Erleichterung für Deutschlands Landwirte: Agrar- und Innenministerium haben sich auf eine streng kontrollierte Einreise ausländischer Saisonkräfte geeinigt. Foto: Dirk Schumacher | Pixabay

40.000 Saisonarbeiter können bis Ende Mai per Flugzeug ankommen

Berlin/Potsdam.  Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) und Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) haben am Donnerstag ein gemeinsames Konzept im Bundeskabinett vorgestellt, das Ausnahmen von den geltenden Einreisebeschränkungen für Saisonarbeitskräfte vorsieht. Ziel sei es, die derzeit notwendigen strengen Vorgaben des Infektionsschutzes mit den Erfordernissen in der Landwirtschaft in Einklang zu bringen.

Insbesondere im Bereich des Obst- und Gemüseanbaus sind die Landwirte auf zahlreiche Arbeitskräfte angewiesen. Viel sei hier bereits durch die Vermittlung von Helfern aus dem Inland und arbeitsrechtliche Flexibilisierungen erreicht werden. Zusätzlich seien die Betriebe aber auf Erntehelfer gerade aus dem Ausland angewiesen, heißt es vom Bundeslandwirtschaftsministerium.

Rund 20.000 Arbeitskräfte waren bis zum aktuellen Einreisestopp nach Deutschland eingereist. Bis Ende Mai werden jedoch etwa 100.000 Saisonarbeiter in der Landwirtschaft benötigt. Die eng begrenzten Ausnahmen gelten nur unter strengen Voraussetzungen, die zur Sicherstellung des Infektionsschutzes der Bevölkerung mit dem Robert-Koch-Institut und dem Bauernverband abgestimmt sind. Die Anzahl ausländischer Saisonarbeitskräfte werde deshalb auf das notwendige Maß beschränkt. Zusätzlich will die Landwirtschaft Bürgerinnen und Bürger als Erntehelfer gewinnen.

"Wir haben heute eine pragmatische und zielorientierte Lösung gefunden, die den berechtigten Anliegen Rechnung trägt - notwendigem Infektionsschutz auf der einen und Erntesicherung auf der anderen Seite. Das ist eine wichtige und gute Nachricht für unsere Bauern. Denn die Ernte wartet nicht, auch Aussaaten kann man nicht verschieben", so Ministerin Klöckner. Um die Verbraucher auch während der Corona-Pandemie mit ausreichend und hochwertigen heimischen Lebensmitteln zu versorgen, seien die Landwirte auf die Mitarbeit ausländischer Saisonarbeitskräfte angewiesen - sie seien Fachkräfte auf ihrem Gebiet. "Das Robert-Koch-Institut hat für Einsatz und Unterbringung Regeln erarbeitet. Die Einhaltung muss vor Ort kontrolliert werden", so Klöckner weiter.


Einreise nur über ausgewählte Flughäfen

"Die strengen Vorgaben des Infektionsschutzes treffen unsere Bevölkerung hart. Das gilt auch für die Wirtschaft und die Landwirtschaft. Die Maßnahmen sind erforderlich, um die Infektionsketten zu unterbrechen. Dabei ist es wichtig, Voraussetzungen zu schaffen, damit wir auch während der Pandemie Staat und Wirtschaft am Laufen halten", sagte Innenminister Seehofer. Man habe nun einen Weg gefunden, den Gesundheitsschutz der Bevölkerung und die Sicherung der Ernten miteinander in Einklang zu bringen. "Mein Haus hat in enger Abstimmung mit allen Beteiligten Regelungen erarbeitet, die nun zügig umgesetzt werden", so Seehofer weiter.

Im April und im Mai soll jeweils bis zu 40.000 Saisonarbeitern die Einreise ermöglicht werden. Sie werden auf Basis der Rückmeldung des Berufsstandes und der nachweisbaren strikten Hygienestandards ausgewählt. Zusätzlich sollen für April und Mai jeweils rund 10.000 Personen aus dem Inland gewonnen werden. Dieses Angebot richtet sich besonders an Arbeitslose, Studierende, Asylbewerber und Kurzarbeiter. 

Die ausländischen Saisonarbeiter sollen ausschließlich mit dem Flugzeug ein- und ausreisen. Stundenlange Busreisen durch Europa sind aus Infektionsschutzgründen nicht möglich. Die Bundespolizei legt in Abstimmung mit den Bauerverbänden die entsprechenden Flughäfen fest. Durch ein abgestimmtes Verfahren zur zweifelsfreien Identifizierung der Saisonarbeiter sollen die Kontingente sowie Kontaktketten im Hinblick auf das Coronavirus jederzeit nachvollziehbar sein. Die Arbeitnehmer werden am Flughafen durch den Betrieb abgeholt, eine Einzelanreise ist nicht gestattet.


Gesundheitscheck bei der Ankuft in Deutschland

Bei der Einreise wird ein von den Arbeitergebern veranlasster Gesundheitscheck durch medizinisches Personal nach standardisiertem Verfahren durchgeführt. Die Ergebnisse werden den örtlichen Gesundheitsämtern zugeleitet. Neuanreisende müssen in den ersten 14 Tagen strikt getrennt von den sonstigen Beschäftigten leben und arbeiten und dürfen das Betriebsgelände nicht verlassen. Diese Regelung entspricht einer Quarantäne bei gleichzeitiger Arbeitsmöglichkeit. Eine zwingende Unterkunfts- und Arbeitsteam-Einteilung bedeutet, dass nur die Arbeit in gleichbleibenden, möglichst kleinen Gruppen von fünf bis zehn, maximal etwa 20 Personen erlaubt ist. Außerdem müssen Mindestabstände eingehalten werden. Ist das nicht möglich, müssen Mundschutz und Handschuhe getragen werden oder Schutzscheiben und -folien eingesetzt werden.

Mit Ausnahme von Familien gilt eine Zimmerbelegung mit maximal halber Kapazität. In den Unterkünften müssen strenge Hygienevorschriften beachtet werden, die in der jeweiligen Landessprache zur Verfügung gestellt werden. Bei begründetem Verdacht auf Infizierung eines Arbeitnehmers mit dem Coronavirus muss dieser umgehend isoliert und ein Arzt zu kontaktiert werden, damit die betreffende Person auf das Virus getestet werden kann. Zusätzlich soll das gesamte Team isoliert und ebenfalls auf das Virus getestet werden. red/sg

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