Dinner für die Potsdamer Tafel

Dinner für die Potsdamer Tafel

Sternekoch David Schubert bereitet das Sechs-Gänge-Menü für den Benefizabend zu. Dass er und das Team einen Michelin-Stern haben, steht nur ganz klein klein auf seiner Kochjacke. Foto: Sabine Gottschalk

Exquisites Menü für 30 Gäste im Kochzimmer | Erlös geht zu 100 Prozent an die Hilfsorganisation

Potsdam. Die Potsdamer Tafel kann sich auf unerwartete Unterstützung freuen: Jörg Frankenhäuser, Eigentümer des Sternerestaurants "Kochzimmer" am Neuen Markt, veranstaltet im Rahmen des Festivals "Eat Berlin" am 21. Februar ein Benefizdinner, dessen Einnahmen zu 100 Prozent der Potsdamer Tafel zugute kommen. Ausgebucht war das Dinner weniger als drei Wochen nach der ersten Ankündigung.

Eine festgelegte Menüfolge mit bereits erprobten, ausgesprochen delikaten Gemüse- und Obstkreationen sowie auserlesene Weine aus dem Keller des Gastronomen kommen auf den Tisch. Auf der Gästeliste stehen jedoch nicht die bekannten Stammgäste des Hauses, sondern zahlreiche neue Gourmets, die die hohe Qualität nicht nur zu schätzen wissen, sondern sie sich auch leisten können, erläuterte Frankenhäuser am Freitag.

Gemeinsam mit seiner Frau Claudia und Imke Eisenblätter vom Vorstand der Potsdamer Tafel hat Frankenhäuser nach dem Vorbild der Berliner "Suppe mit Sinn" ein Paket für seine Gäste geschnürt, das zu weiteren Aktionen ähnlicher Art anregen soll. Die Schauspieler Isabell Gerschke und Thomas Arnold tragen Ausschnitte aus ihrem Programm "Herz mit Sprung" vor, das Lieder von Tucholsky und eigene Werke beinhaltet. Die Potsdamer Maler Albert Baake - mit eigener Galerie in der Humboldtstraße - und Mikos Meiniger vom Kunsthaus Sans Titre stellen je ein Bild zur Verfügung, das während der Veranstaltung versteigert werden soll. Moderiert wird der Abend von rbb-Reporter Attila Weidemann.

Dass sämtliche Einnahmen der Tafel zugute kommen, hat einen direkten Bezug zur Realität mitten in Potsdam: Noch während das Programm im Kochzimmer vorgestellt wurde, suchte draußen auf dem Neuen Markt ein Mann nach Essen in einer Mülltonne. Solche Bilder in einer der teuersten Gegenden der Stadt erschrecken nicht nur Jörg Frankenhäuser. Deshalb möchte er die einmal angestoßene Aktion zur Tradition machen.


Von 1.200 wöchentlichen Tafel-Kunden sind 40 Prozent Kinder

Imke Eisenblätter betonte, dass von den 1.200 wöchentlichen Kunden der Tafel mittlerweile 40 Prozent Kinder sind. Die Zahl sei eschreckend hoch und übertreffe Erfahrungen aus anderen Städten. Mit dem gespendeten Geld will die Tafel ein neues Transportfahrzeug finanzieren, das dringend benötigt wird, um die monatlich etwa 50 bis 60 Tonnen gespendeten Lebensmittel aus Supermärkten in Potsdam und Umgebung in die Ausgabestelle in Potsdam-Waldstadt zu beförden. Kunden zahlen dort zwei Euro und können sich über gut erhaltenes Gemüse, Obst und Teigwaren freuen.

Aus diesem Grund setzt auch Jörg Frankenhäuser bei seinem Sechs-Gänge-Menü am 21. Februar auf vegetarische Gerichte wie Topinambur mit Senfkörnern, Hagebutte und Brunnenkresse als Vorspeise, glasierten Senfkohl oder pochiertes Landei mit Spinat und Nussbutter. Dazu kredenzt er exquisite Weine aus besonderen Jahrgängen, unter anderem einen 1989er Château Cantemerle aus dem Médoc oder eine 1976er Riesling Beerenauslese aus dem Rheingau. Die 30 Gäste zahlen je 165 Euro für den Abend, der Gastronom hofft aber auf zusätzliche Spenden.

Für Frankenhäuser und sein Team heißt es im März zudem wieder Bangen um den Stern. Getestet wurde das Restaurant auch diesmal wieder von Mitarbeitern des Guide Michelin, aber die Auszeichnung wird jedes Jahr neu vergeben. sg

  

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