Nackt raus aus der Depression

Nackt raus aus der Depression

Patrick mit seinen beiden Teamkolleginnen beim Dreh zu "No body is perfect" am Strand von Mykonos. Foto: SAT 1

SAT 1 zeigt TV-Experiment "No body is perfect" mit jungem Stahnsdorfer

Potsdam/Stahnsdorf. Auf ein besonderes und sehr persönliches Experiment hat sich ein junger Stahnsdorfer eingelassen: Patrick hat in seiner Kindheit mit großen gesundheitlichen Problemen kämpfen müssen. Als er vier Jahre alt war, bekam er eine lymphatische Leukämie, die er nur knapp überlebte. Mit elf brauchte er nach einem erneuten Ausbruch eine Knochenmarkspende, danach entwickelte sich ein Tumor in seinem Kopf, der zu Epilepsie führte.

Drei Stationen im Leben des heute 30-Jährigen, die ihn immer prägten und bis heute nicht loslassen. Vor allem das Selbstwertgefühl des jungen Stahnsdorfers hat unter den ständigen Krankenhausaufenthalten, der Behandlung mit Cortison und der darauffolgenden Leibesfülle, aber auch unter den Nebenwirkungen der Knochenmarkspende gelitten. Denn für diese Transplantation musste sein gesamtes Abwehrsystem ausgeschaltet werden. Von den starken Medikamenten wurde seine Haut angegriffen, bis heute hat er die daraus resultierenden Pigmentstörungen nicht überwunden.

Das wiederum hatte Folgen für die Seele: Patrick fühlte sich gemobbt, wenn er im Schwimmbad angestarrt wurde, gehänselt aber auch von Mitschülern, weil er zeitweilig aufgedunsen aussah. Die Knochmarkspende des eigenen Bruders hat ihm schließlich das Leben gerettet - und auch das wäre beinahe schiefgegangen, weil es trotz passenden Spenders fast unmöglich war, ein Bett für die etwa zwei Monate lange Behandlung in der Charité zu bekommen.

Diese Erlebnisse liegen wie ein schwerer Rucksack auf dem Rücken des Stahnsdorfers und hatten auch Auswirkungen auf sein Berufsleben. Um sich ein Stück weit von der Last zu befreien, hat sich Patrick, der heute mit einer Behinderung von 50 Prozent lebt, entschlossen, an einem TV-Experiment des Senders SAT 1 teilzunehmen. Eine Woche lang war er mit zwei weiteren Teilnehmerinnen, auf der griechischen Insel Mykonos und suchte nach seinem "neuen Ich"- wie es der angekündigte Titel der Reality-Show besagte.


Die Überraschung kam in Griechenland

Vor Ort dann die große Überraschung: Die Drei wurden von vier Coaches empfangen, deren Körper keinerlei Schönheitsidealen entsprachen - und mussten sich eine Woche lang gemeinsam nackt bewegen und filmen lassen. So sollte Vertrauen zum eigenen Körper aufgebaut werden - begleitet von Psychologen, die die Probanden am Anfang und am Ende des Drehs einem Test unterzogen. "Es war schon seltsam, splitterfasernackt vor einem Spiegel zu stehen und sich mit einer Body-Cam selbst zu filmen", beschreibt Patrick die erste Aufgabe nach der Ankunft in Griechenland.

Nach einigen Tagen wurde er damit überrascht, dass ein Bild seines nackten Oberkörpers Besuchern der Münchner Innenstadt gezeigt wurde und auf durchweg positive Reaktionen stieß. Zum Abschluss mussten alle ihre negativen Einflüsse "in den Spiegel zurückwerfen", ganz so, als sei das Böse dort verborgen. Eine echte Befreiung sei das gewesen, sagt Patrick heute.

Vier Monate sind seit dem Dreh im Spätsommer vergangen. Mittlerweile traut er sich sogar, auf Frauen zuzugehen, das wäre vorher undenkbar gewesen. Für den mutigen Stahnsdorfer war das Reality TV-Experiment ein erster Schritt in eine bessere Zukunft. Er hat gelernt, dass er sich für seinen Körper ganz sicher nicht schämen muss. Wie es weiter geht werden die nächsten Jahre zeigen. sg


Die ganze Geschichte des Experiments wird als "No body is perfect" am Montag, 13. Januar um 20.15 Uhr auf SAT 1 ausgestrahlt. Einen Trailer gibt es auf www.sat1.de/tv.

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