Garnisonkirche: Ein schwieriges Terrain

Garnisonkirche: Ein schwieriges Terrain

Der Wiederaufbau des Garnisonkirchturms geht dank großzügiger Unterstützung vom Bund voran. Die Nutzung als Lernort deutscher Geschichte wirft Fragen auf. Foto: Elke Lange/Archiv

Ergebnisse nach einem dreitägigen Workshop

Potsdam.

Was für die einen feststeht, müssen andere noch lange nicht vorbehaltlos akzeptieren. Der Wiederaufbau der Garnisonkirche ist umstritten. Auch wenn schon längst Gelder vom Bund für den Wiederaufbau fließen, der Abriss des Rechenzentrums begonnen hat, die Frage nach der Sinnhaftigkeit des Bauprojektes bleibt. Von der Stiftung Garnisonkirche Potsdam wird unter anderem das Argument, einen Lernort deutscher Geschichte schaffen zu wollen, formuliert.
Eine gemeinsame Initiative der Universität Kassel, der Kunsthochschule Weißensee und der Martin-Niemöller-Stiftung zielt daher darauf ab, den Anspruch eines Lernortes ernst zu nehmen und diesen umzusetzen. Nach einem dreitägigen gemeinsamen Workshop vor Ort, Gesprächen mit Befürwortern, Kritikern und Beobachtern des Bauprojektes, Stadtrundgängen und Recherchen berichteten die Studierenden von Universität und Kunsthochschule am vergangenen Sonnabend zu ihren Einsichten und Erfahrungen. Befürworter des Wiederaufbauprojektes reden von Versöhnung, haben sich nach Ansicht der Studierenden jedoch kaum versöhnlich gegenüber den Gegnern gezeigt.

Der Blick von außen
Erst seit einem offenen Brief im August letzten Jahres wurde Gesprächsbereitschaft signalisiert, so Professor Philipp Oswalt von der Universität Kassel. Er sieht kleines „Zugehen“. So waren im Rahmen einer Gesprächsrunde in Berlin an der Akademie der Künste auch bestimmte Symboliken, wie beispielsweise der Waffenschmuck an dem Bauwerk, der wieder angebracht werden soll, Gegenstand der Diskussion. Ein „darüber Nachdenken“, ob diese Symbolik notwendig sei, konnte er dem ein oder anderen Gesprächspartner vorerst abringen. Wie ernst dieses Nachdenken gemeint ist, lässt sich im Moment für die Studierenden schwerlich deuten. Aber genau dieses Weglassen der Symbolik schaffe allerdings neuen Raum für versöhnende Momente. Professor Steffen Schuhmann von der Kunsthochschule Berlin-Weißensee hat einen Vorschlag parat: „Die von uns einst bekämpften Länder und Völker – Franzosen, Chinesen, Herero und Nama – einzuladen, einen Bauschmuck für die Garnisonkirche zu gestalten.“
Und wie sollte ein Lernort überhaupt aussehen? Kann ein barocker Turm dem Anspruch gerecht werden? Kann da ein Rechenzentrum der geeignetere Lernort sein? Lässt sich eine vielleicht eine Symbiose darstellen? Fragen über Fragen, die aufgeworfen wurden und denen Gedankenspiele folgten.
Was die Studierenden jedoch vermissen, ist ein unparteiischer Vermittler, um die verhärteten Fronten zwischen Befürwortern und Gegnern zu entzerren. Es sollte bestenfalls jemand von auswärts sein, ohne vorgefasste Meinung.
Wo wird die Arbeit der Studierenden sichtbar? Neben Abschlussarbeiten wird an Ideen und Inhalten für den vielzitierten Lernort gearbeitet. Im März/April 2020 ist geplant, sichtbare Ergebnisse im Rechenzentrum zu präsentieren. ela

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