Zahl der Diabetes-Kranken in Brandenburg deutlich höher als im Bundesdurchschnitt

Zahl der Diabetes-Kranken in Brandenburg deutlich höher als im Bundesdurchschnitt

Mit 11,2 Prozent Diabetes-Patienten ist die Zahl in ländlichen Regionen Brandenburgs deutlich höher als im Bundesdurchschnitt, in Potsdam hingegen liegt sie mit 7,4 Prozent unter dem Bundesdurchschnittswert von 8,6 Prozent, heißt es von der AOK. Foto: Michael Horn | pixelio.de

Ländliche Bevölkerung besonders gefährdet

Potsdam. In Brandenburg leben im Vergleich deutlich mehr Menschen mit Diabetes Typ 2 als im Rest der Bundesrepublik. Der Anteil der an dieser Krankheit leidenden Bevölkerung liegt mit 11,2 Prozent deutlich über dem bundesweiten Durchschnitt von 8,6 Prozent. Das zeigt der neue "Gesundheitsatlas Brandenburg" des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO). Insgesamt leiden danach 281.000 Menschen in der Mark an Typ-2-Diabetes - das ist beinahe jeder neunte Einwohner.

"Von Diabetes sind im Nordosten überdurchschnittlich viele Menschen betroffen, darunter auch in Brandenburg. Für uns als größte regionale Versorgerkasse sind die Ergebnisse des aktuellen AOK-Diabetes-Atlasses zwar nicht völlig überraschend, bestärken uns aber darin, uns in diesem Bereich weiterhin zu engagieren", sagte Daniela Teichert, designierte Vorstandsvorsitzende der AOK Nordost, im Vorfeld des Weltdiabetestages am heutigen Donnerstag. "Zugleich geben wir Ärzten ein Instrument an die Hand, das sie über die Entwicklung von Diabetes in ihrer Region fundiert informiert", so Teichert weiter. 

Der Diabetes-Atlas zeigt die Häufigkeit des Diabetes mellitus Typ 2 für die 18 Städte und Kreise des Landes. Die Auswertung mithilfe neuer Berechnungsverfahren bezieht sich dabei auf Abrechnungsdaten der AOK Nordost aus dem Jahr 2017. Die Unterschiede zwischen den Regionen sind immens: So liegt beispielsweise die Typ-2-Diabetes-Quote in Potsdam bei 7,4 Prozent der Einwohner und damit unter den Quoten anderer Großstädte in Deutschland. In der Prignitz hingegen liegt die Quote bei 15,4 Prozent.


Jeder zweite Diabetiker ist älter als 70 Jahre

Allgemein gilt, dass Einwohner ländlicher Regionen häufiger an Typ-2-Diabetes erkrankt sind als Städter. Eine maßgebliche Rolle spielt dabei, dass in den ländlichen Regionen häufig eine ältere Bevölkerung mit einem grundsätzlich höheren Erkrankungsrisiko lebt. Mit zunehmendem Alter steigt aber das Risiko: Mehr als die Hälfte der Menschen mit Typ-2-Diabetes in Brandenburg sind über 70 Jahre alt. "Beim Thema Diabetes gibt es für alle Akteure im Gesundheitswesen weiterhin großen Handlungsbedarf - insbesondere im ländlichen Raum von Brandenburg und auch im Nachbarland Mecklenburg-Vorpommern", so Teichert. Die AOK sehe es als ihre Aufgabe, die bestehenden guten Versorgungsansätze über die strukturierten Chronikerprogramme weiter zu stärken und zugleich auch neue, innovative Ansätze etwa im Bereich Telemedizin voranzutreiben. Dafür wurde die Initiative "Stadt.Land.Gesund" für eine bessere ländliche Versorgung ins Leben gerufen.

Für Patienten mit dauerhaft zu hohen oder stark schwankenden Blutzuckerwerten bietet die AOK Nordost eine telemedizinische Betreuung an. Das dazu entwickelte System verbindet handelsübliche Technologie zur Blutzuckerselbstkontrolle und zur Selbstinjektion von Insulin mit moderner telemedizinischer Technologie. Die Blutzuckerwerte und die gespritzten Insulineinheiten werden in Echtzeit in einem digitalen Diabetestagebuch erfasst. Der von den Patienten autorisierte Arzt kann jederzeit auf dieses Tagebuch zugreifen. Der vollständige Überblick über die gemessenen Blutzuckerwerte und über die gespritzten Insulingaben ermöglicht eine optimale Einstellung des Stoffwechsels.

Weniger Krankenhauseinweisungen, Notfallbehandlungen und Folgeerkrankungen bei Diabetikern soll das Telemedizinsystem erreichen. Das lückenlose Monitoring bietet Patient und Arzt eine schnelle und vollständige Datenbasis für die Therapie. Die AOK Nordost engagiert sich seit Jahren für eine bessere und strukturierte medizinische Versorgung von Typ-2-Diabetikern. So helfen die Behandlungsprogramme Curaplan Diabetes mellitus Typ 1 und Typ 2 Diabetespatienten, trotz ihrer Erkrankung gut zu leben. Aktuell nehmen 77.000 Versicherte der AOK Nordost in Brandenburg am Programm teil. Betroffene mit Folgeerkrankungen können an einem ambulanten Versorgungsprogramm für Menschen mit Adipositas teilnehmen. Umgesetzt wird es gemeinsam mit den Havellandkliniken in Nauen und Rathenow. Die Teilnehmer erhalten eine professionelle Bewegungstherapie und lernen, wie sie ihre Ernährung dauerhaft umstellen. Zusätzlich zu Bewegungs- und Ernährungstherapeuten begleiten Psychologen und Ärzte die Teilnehmer durch das Programm.  red/sg

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