Frühgermanisches Bronzerind und Frauenbildnis aus dem 16. Jahrhundert

Frühgermanisches Bronzerind und Frauenbildnis aus dem 16. Jahrhundert

Archäologin Karoline Müller präsentiert die Bronze-Miniatur auf ihrer Handfläche, um die filigrane Arbeit zu verdeutlichen. Fotos (2): Sabine Gottschalk

Archäologische Funde weisen auf historische Besiedlung Bornims hin

Die Ofenkachel aus dem 16. Jahrhundert ziert ein detailreiches Frauenbildnis.

Potsdam. Eine Miniatur-Bronzefigur aus dem ersten Jahrhundert unserer Zeitrechnung ist bei archäologischen Grabungen an der Heckenstraße in Bornim gefunden worden. Die Figur, die filigran und äußerst aufwendig gefertigt wurde, stellt ein Rind dar. Trotz ihrer Größe von nur etwa drei Zentimetern handele es sich bei der Figur nicht um ein Spielzeug, sondern eher um eine Trophäe, erklärte Archäologin Karoline Müller am Dienstag auf der Ausgrabungsstätte. Laut Müller handelt es sich um einen Sensationsfund, der zufällig bei bauvorbereitenden archäologischen Untersuchungen in einer ehemaligen Abfallgrube entdeckt wurde. Ähnliche Figuren sind nur aus Mecklenburg-Vorpommern und dem Havelland bekannt.

Da in Bornim bereits seit Ende des 19. Jahrhunderts immer wieder Objekte aus früheren Ansiedlungen gefunden wurden, hat die Untere Denkmalschutzbehörde gemeinsam mit dem Landesdenkmalamt archäologische Untersuchungen zur Auflage gemacht. Investor Wolfhard Kirsch hat die Rettungsgrabungen vor Baubeginn beauftragt und den Archäologen damit eine detaillierte Suche ermöglicht. Zunächst wurden die oberen Erdschichten vorsichtig abgetragen, bis Verfärbungen im Lehmboden auf ehemalige Gruben und deutlich erkennbare eiszeitliche Erdbewegungen hinwiesen. Das gesamte Gelände wurde immer wieder vermessen, kartiert und mit Nummern versehen, um später alle Funde genau zuweisen zu können. Geborgen wurden bereits rund 115 Objekte aus unterschiedlichen Epochen.

Neben dem Bronzerind haben die Archäologen auch ein Fragment einer Ofenkachel gefunden, auf dem ein Frauenkopf dargestellt ist. Karoline Müller vermutet, dass die Kachel aus dem 16. Jahrhundert stammt. Genaueres können nur weitere Untersuchungen ergeben. Sicher ist hingegen, dass sie aus einem relativ wohlhabenden Gutshaus stammen muss. Bekannt ist auch, dass an dieser Stelle im 18. Jahrhundert ein Amtsvorwerk stand, das als Teil der kurfürstlichen oder königlichen Verwaltung errichtet wurde.

Die Gegend um Bornim war jedoch bereits im späten Mittelalter, also lange vor dem Bau der preußischen Schlösser in Potsdam, besiedelt. Darauf weisen unter anderem zwei nur fünf Meter auseinander liegende sogenannte Holzkastenbrunnen hin, die entlang der heutigen Rückertstraße freigelegt wurden und zu einem ehemaligen Wirtschaftshof gehören.

Archäologische Bodenfunde gehören nicht dem Eigentümer des Grundstücks, sondern dem Land Brandenburg. Sie werden vom Landesdenkmalamt gesichtet und archiviert. Besonders seltene oder außergewöhnliche Fundstücke werden im Archäologischen Landesmuseum im Paulikloster in Brandenburg an der Havel ausgestellt. Jedes Bundesland kann zudem über die Verwertung solcher Funde entscheiden. Als Beispiel nennt Ralf Lehmphul vom Landesdenkmalamt die fast 4.000 Jahre alte Himmelsscheibe von Nebra, die vor 20 Jahren in Sachsen-Anhalt gefunden und Teil zahlreicher erfolgreicher Marketingmaßnahmen wurde. Von dem Bornimer Bronzerind soll nun zunächst ein Abguss gefertigt werden.  sg


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