Scholle 34 heißt jetzt "Lottenhof"

Scholle 34 heißt jetzt "Lottenhof"

Mitglieder des Stadtteilnetzwerks Potsdam-West erarbeiten gemeinsam mit Architektin Susanne Schnorbusch (links) Pläne und ein Konzept für das neue Nachbarschaftshaus. Fotos (2): Sabine Gottschalk

Potsdam-West soll ein Nachbarschaftshaus bekommen

Der stark baufällige Saal mit seinen tragenden Pylonen soll saniert werden und als Nachbarschaftshaus für Bewohner des Kiezes nutzbar gemacht werden.

Potsdam. Auf der Scholle 34 tut sich was: Die baufällige ehemalige Ausflugsgaststätte, einst ein Vorzeigebeispiel ostmoderner Architektur der 1970er Jahre, soll saniert und zu einem echten Nachbarschaftshaus umgebaut werden. An dem Konzept wird bereits seit 2015 gearbeitet, in den vergangenen zwei Jahren wurden die Planungen sogar finanziell von der Stadt unterstützt.

Die Berliner Architektin Susanne Schnorbusch hat zahlreiche Ideen für zukünftige Nutzungen in Entwürfen festgehalten und am Dienstag vorgestellt. Dazu gehört auch eine Kurzzeitkita, die im Ostflügel untergebracht werden soll. Der große Saal, zurzeit wegen seines schlechten baulichen Zustands nicht nutzbar, soll in einen Multifunktionsraum umgewandelt werden. An drei Seiten verglast und mit einer Grundfläche von 18 mal 18 Metern und einer Höhe von fünf Metern böte er viel Platz für die unterschiedlichsten Aktivitäten.

Zurzeit verschwindet er allerdings noch hinter Büschen und Bäumen und ist von der Straße aus kaum zu erkennen. Und bevor es hier richtig an die Arbeit gehen kann, müssen die stark verrosteten Pylone, die die Dachkonstruktion halten, gesichert und saniert werden. Statische Gutachten dafür hat Susanne Schnorbusch bereits erstellen lassen.

In den vergangenen Jahren ist das Bedürfnis nach einem Nachbarschaftshaus im Kiez stetig gewachsen. Zunächst traf man sich im Atelierhaus Scholle 51. Da es hier bald zu eng wurde und die Künstler nicht mehr wie gewohnt ihrer Arbeit nachgehen konnten, wich das Stadteilnetzwerk Potsdam- West auf das benachbarte, brach liegende Grundstück Geschwister-Scholl-Straße 34 aus und legte nach und nach Wege frei und Beete an. Eine Fahrradwerkstatt entstand, in der Geflüchtete mit Nachbarn aus dem Kiez alte Fahrräder wieder nutzbar machen, um mobiler zu werden.

In den Sommermonaten gibt es im hinteren Teil des Grundstücks Open Air Film-Vorführungen, die sich regen Zulaufs erfreuen. In der gerade zu Ende gegangenen Saison seien bis zu 260 Besucher an einem Abend gekommen. Gleich nebenan wurde ein alter Schießbudenwagen von Jugendlichen ausgebaut und umgestaltet und kann heute als Treffpunkt genutzt werden. Die Ausstattung einer neuen Selbsthilfe-Werkstatt für Alltagsreparaturen konnte durch die von den Stadtwerken eingerichtete "Potsdam-Crowd" finanziert werden.


Namen ähnelten sich zu stark

Da die Namen "Scholle 51" und Scholle 34" immer wieder zu Verwechslungen führten, habe man dem Gelände nach einem längeren Entscheidungsprozess im August einen neuen Namen gegeben: Die Scholle 34 heißt nun "Lottenhof", ein Hinweis auf die Nähe zum Schloss Charlottenhof.Ein ganz bedeutendes Problem hat das Stadtteilnetzwerk bislang jedoch nicht lösen können: Das ehemalige Ausflugslokal ist für Sanssouci-Besucher errichtet worden, und zwar auf einem Stück Land, das heute der Schlösserstiftung gehört, von ihr aber nicht genutzt wird. In einem sogenannten "Letter of Intent", einer Willensbekundung, bescheinigt die Stiftung dem Netzwerk zwar das Nutzungsrecht und ist auch bereit, das Grundstück dem Netzwerk für 40 Jahre entgeltfrei zu überlassen.

Ob bei diesen Eigentumsverhältnissen allerdings eine Finanzierung der Sanierung durch die Stadt möglich ist, steht zurzeit nicht fest. Benötigt würden 2,5 Millionen Euro, die von den Stadtverordneten noch bewilligt werden müssen. In der Zwischenzeit organisieren die Netzwerker unter Leitung von Geschäftsführerin Annette Paul weiterhin zahlreiche kulturelle Veranstaltungen. Am heutigen Samstag gibt es viele Geschichten in verschiedenen Sprachen im Rahmen des Erzählfestivals Verbale, das um 15 Uhr beginnt und sich bis in den Abend fortsetzt.

Um die Arbeit auf dem Gelände bewältigen zu können, werden weitere Mitstreiter gesucht, die sich ehrenamtlich engagieren möchten. Interessierte können sich unter 0331 / 58812600 informieren. Für den Um- und Ausbau werden dringend Spenden benötigt. sg


Für den Nachbarschaftspreis nominiert

Bereits zum zweiten Mal ist der Nachbarschaftsgarten Scholle 34 für den Deutschen Nachbarschaftspreis der Stiftung nebenan.de nominiert. Die Landesjurys wählen bis Ende September 16 Landessieger aus, von denen am 24. Oktober ein Bundessieger gekürt wird. Bis zum 24. September können Interessierte zudem für den Nachbarschaftsgarten beim mit 5.000 Euro dotierten Publikumspreis auf nachbarschaftspreis.de/publikumspreis abstimmen.

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