Gesundheitsministerium will ambulante und stationäre Versorgung bündeln

Gesundheitsministerium will ambulante und stationäre Versorgung bündeln

Brandenburgs Gesundheitsministerin Susanna Karawanskij will ambulante und stationäre Versorgung in ländlichen Krankenhäusern zusammenlegen. Foto: Sabine Gottschalk

Kurze Wege geben Sicherheit

Potsdam. Um den Bedürfnissen einer alternden Gesellschaft in Regionen gerecht zu werden, die sich mehr und mehr entvölkern, will das Gesundheitsministerium unter Federführung eines gemeinsamen Landesgremiums die ärztliche Versorgung sektorübergreifend bündeln. Am Montag hat Gesundheitsministerin Susanna Karawanskij (Linke) vor Journalisten erklärt, wie sie sich das reformierte System vorstellt.

Kernpunkt der Brandenburger Reform ist eine Zusammenlegung von ambulanter und stationärer Behandlung in den kleineren Krankenhäusern der Regelversorgung. Um überall im Land eine schnelle wohnortnahe Erstdiagnose sicherzustellen, soll es auch länderübergreifende Kooperationen mit dem Süden Mecklenburg-Vorpommerns und Nordsachsen geben. Eine gemeinsame Krankenhausplanung, wie sie mit Berlin bereits existiert, sei mit den anderen Bundesländern jedoch nicht geplant, so Karawanskij.

Um einen genauen Überblick über die Erreichbarkeit von Haus- und Facharztpraxen zu erhalten, sind zunächst Übersichtskarten erstellt worden. Festgestellt wurde dabei, dass mehr als 99 Prozent aller Brandenburger mit dem Auto innerhalb von 15 Minuten die nächstgelegene Hausarztpraxis erreichen können, bei Zahnarztpraxen liegt die Zahl nur wenig darunter. Kinderärzte sind für knapp 87 Prozent der Familien innerhalb einer Viertelstunde erreichbar.

Ziel sei es jedoch, eine hundertprozentige Erreichbarkeit sicherzustellen. Dafür sollen aus den regionalen Krankenhäusern ambulant-stationäre Zentren ähnlich der Medizinischen Versorgungszentren (MVZ) werden. Patienten könnten dann mit ihrer Gesundheitskarte ins Krankenhaus kommen und würden dort, je nach Krankheitsbild und Bedarf entweder ambulant oder stationär behandelt. Schon heute ist der Besuch einer Krankenhaus-Notaufnahme abends oder an Wochenenden keine Seltenheit. Viele Krankenhäuser beklagen die übermäßige Belastung, weil Patienten bei niedergelassenen Fachärzten keine Termine bekommen.


Vernetzung auf dem Land

Durch die Umstrukturierung sollen die Fachärzte sowohl im Krankenhaus stationär als auch in der ambulanten Behandlung tätig sein können. Dazu brauche es zwei verschiedene Verträge mit demselben Arzt, da die Leistungen mit unterschiedlichen Kostenträgern abgerechnet werden müssen. Vor allem sollen aber alle Träger gesundheitlicher Versorgung Hand in Hand arbeiten, so dass unnötige Wege und doppelte Einsätze vermieden werden können. Karawanskij erläuterte ihre Idee am Beispiel eines Pflegeheims: Wenn dort aufgrund von Dehydrierung das Leben einer Bewohnerin gefährdet sei, könne der Patientin durchaus von einer geschulten Krankenschwester geholfen werden - sofern diese mit Fachärzten in Krankenhäusern vernetzt sei. Ähnliches gelte auch für Ärzte in Krankenhäusern der Regelversorgung, die sich Rat in hochspezialisierten Kliniken holen sollen. In beiden Fällen könnte die Telemedizin für Ferndiagnosen zum Einsatz kommen.

Regionale Krankenhäuser schließen will Karawanskij vorerst nicht. Allerdings liege das nicht immer im Kompetenzbereich des Landes, musste die Ministerin eingestehen, denn Krankenhauskonzerne haben häufig mehrere Häuser in unterschiedlichen Bundesländern. Wenn einem Konzern der Konkurs drohe, könne das Land einzelne Häuser nicht immer retten.

In der vergangenen Woche hatte die Gesundheitsministerin gemeinsam mit Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) das neue Stipendium für Medizinstudenten und Assistenzärzte vorgestellt, mit dem die Landesregierung ab Juli Mediziner aufs Land locken will. Am Montag blieb sie jedoch eine Antwort schuldig: Selbst wenn das Stipendium dazu führt, dass junge Absolventen in ländliche Regionen gehen, brauchen sie immer noch Ausbilder in den entsprechenden Krankenhäusern - ein schwieriges Unterfangen, wenn man das Alter vieler Ärzte in Brandenburg betrachtet. Ein abgeschlossenes Studium aber macht noch lange keinen Facharzt. sg

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