Stadtentwicklung: Bürger müssen beteiligt werden

Stadtentwicklung: Bürger müssen beteiligt werden

Seit zwei Jahren ist Potsdams Baudezernent Bernd Rubelt im Amt. Eines seiner Hauptprojekte ist die Entwicklung des neuen Stadtquartiers auf dem Kasernengelände in Krampnitz. Foto: Sabine Gottschalk

Ohne Kompromisse geht es in der Stadtplanung nicht voran

Potsdam. Seit zwei Jahren ist Potsdams Baudezernent Bernd Rubelt (parteilos) im Amt. In dieser Zeit hat der 51-Jährige bereits zahlreiche Aufgaben meistern müssen, die er zu einem großen Teil von seinem Vorgänger, dem vor fast vier Jahren vom Dienst suspendierten Matthias Klipp (Grüne) geerbt hatte. Eine Bilanz will Rubelt nach so kurzer Zeit zwar nicht ziehen, gesteht im Gespräch mit dem BlickPunkt aber ein, dass er sich in viele Bereiche erst einmal einarbeiten musste.

Fast umgehend musste er sich mit der bereits beschlossenen Einengung der Zeppelinstraße befassen, einem Projekt, das Klipp stark vorangetrieben hatte und das in der Öffentlichkeit bis heute umstritten ist.Große Bedeutung hat für den Ostwestfalen Rubelt die Entwicklung in den Plattenbaugebieten Drewitz und Schlaatz. In die laufende Entwicklung der Gartenstadt Drewitz ist er 2017 eingestiegen und ist heute überzeugt, dass die allseits gelobte konsequente Aufwertung von Wohnungen und Umfeld für die Bewohner deutliche Vorteile gebracht hat. Dabei hebt er besonders den Brunnen hervor, der tagsüber als Planschbecken für Kinder dient und nachts die Bewässerung der Parkanlage sicherstellt. Eine ebenso positive Entwicklung will Potsdams Chef-Stadtplaner in den kommenden Jahren für den Schlaatz erreichen, der nach intensiven Diskussionen mit dem Infrastrukturministerium nun auch weiterhin von der Städtebauförderung profitieren kann.

"Wir wollen dort aber nicht nur über Konzepte reden, sondern wirklich auch etwas umsetzen", sagt Rubelt. "Deswegen stehen auch ganz konkrete Problemlagen im Vordergrund". Gemeint sind die Müllbeseitigung und die Ausbesserung der Wege, zwei Maßnahmen, die den Bewohnern sehr am Herzen liegen und die die Verwaltung schnell verbessern will. Ähnliches stellt sich Rubelt in Zukunft auch für das Wohngebiet am Stern vor.


Masterplan für Krampnitz stammt aus Rubelts Feder

Von Anfang an begleitet hat Bernd Rubelt die Planung für das neue Wohngebiet in Krampnitz, für dessen Entwicklung ihm mittlerweile die Verantwortung übertragen wurde. Schon vor den ersten Entwürfen hatte er ein Quartier für rund 10.000 Bewohner gefordert. "Ich wollte von Anfang an, dass dieses Quartier eine eigene Struktur bekommt, denn sonst ist es nicht lebensfähig", so der Baudezernent. Ein Quartier für 3.000 Menschen schaffe keinen Einzelhandel, keine Qualität für die soziale Versorgung und auch keine kulturellen Qualitäten, betont er. Der Sprung zum eigenständigen großen Quartier mit 10.000 Einwohnern, das sicher und gut angebunden werde, sei der richtige Schritt.

"Mit dem Masterplan, der in meinen zwei Jahren erstellt wurde, haben wir fachlich einen sehr guten Pflock eingeschlagen", so Rubelt, der sich von der Politik bestätigt fühlt. Kritikern, die den Tramausbau vor dem Bezug des Quartiers fordern, entgegnet Rubelt, dass die Flächen schließlich erst 2017 in den Besitz der Stadt übergegangen seien. Deshalb befürwortete er von Anfang an eine Entwicklung des Gebiets in einzelnen Schritten mit Busanbindung im Zehn-Minuten-Takt bis zur Fertigstellung der Tram. Staus seien dabei nicht zu vermeiden, sollen aber durch entsprechende Planung und einen zeitig errichteten Park- & Ride-Platz in Krampnitz, der auch von auswärtigen Einpendlern genutzt werden soll, möglichst gering gehalten werden. Generell appelliert Rubelt an Autofahrer, auf öffentliche Verkehrsmittel umzusteigen, denn "breitere Straßen können wir in Potsdam nicht bauen". Stattdessen soll es zusätzliche Park- & Ride-Möglichkeiten, beispielsweise in der Wetzlarer Straße, und mehr Busspuren geben.

Bis 2022/23 ist laut derzeitiger Planung die erste soziale Einrichtung mit Kita, Hort und Grundschule in einem ehemaligen Krampnitzer Kasernengebäude fertiggestellt. Dann sollen schon etwa 1.500 Bewohner im neuen Quartier leben. Das sei eine solide Basis für die erste Infrastruktur, die auf dem Vorplatz des Geländes an der B2 auch einen Neubau für einen Supermarkt vorsieht, für den es bereits Interessenten gibt.


Frühzeitige Beteiligung der Bürger ist wichtig

Wie in anderen Entwicklungsgebieten ist auch für Krampnitz eine frühzeitige Bürgerbeteiligung und Information vorgesehen, bei der Bedenken und Wünsche der Anrainer berücksichtigt werden sollen. Gut gelungen sei das beispielsweise bei der Potsdamer Mitte und letztlich auch beim Volkspark, der nun zugunsten von Wohnungsbau um Flächen verkleinert wird, die schon in der ursprünglichen Planung für Wohnungen vorgesehen waren.

"Fünfzig Prozent Mietpreis- und Belegungsgebundener Wohnraum soll dort entstehen, und dafür lohnt es sich zu kämpfen", sagt Rubelt und lobt den durch ein weiteres Beteiligungsverfahren erzielten Kompromiss. Diese Prozesse müssen jedoch immer gut vorbereitet sein, damit die Fragen der Bürger beantwortet werden können.

Einen Kompromiss gab es letztlich nach längeren Diskussionen auch bei der RAW-Halle. Hier soll nach Auskunft von Projektentwickler Mirco Nauheimer im Herbst mit dem Bau begonnen werden. Wenn die Winter weiterhin mild bleiben wird mit dem Einzug der ersten Mieter im Jahr 2022 gerechnet. Baudezernent Rubelt hat die Umwandlung der Halle in einen Standort für IT-Firmen von Anfang an unterstützt. Inzwischen gehört das auch ganz offiziell zu seinem Aufgabengebiet, denn seit Januar ist er als Beigeordneter im Rathaus der Landeshauptstadt auch für die Wirtschaft zuständig. 

Mit Bernd Rubelt sprach Sabine Gottschalk

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