Stipendien gegen Ärztemangel

Stipendien gegen Ärztemangel

Stellten Details zum Brandenburg-Stipendium vor: Gesundheitsministerin Susanna Karawanskij (links) und Ministerpräsident Dietmar Woidke. Foto: Anja Rütenik

Landärzteprogramm soll Medizinstudenten an Brandenburg binden | Start am 1. Juli

Potsdam.

Bis zu 1.000 Euro monatlich während des Studiums oder Geld für die Facharztausbildung: Brandenburg hat sich einiges einfallen lassen, um Ärzte ins Land zu locken. Kurz nach ihrem Antritt als Gesundheitsministerin vor neun Monaten hatte Susanna Karawanskij die Idee für das Brandenburg-Stipendium vorgestellt. Jetzt ist das Projekt startreif: Am 1. Juli geht es los.

Das Brandenburg-Stipendium richtet sich an Medizinstudenten in jeder Phase ihres Studiums, die an einer deutschen Hochschule eingeschrieben sind. Wer sich verpflichtet, nach dem Abschluss und der Facharztausbildung mindestens fünf Jahre in ländlichen Regionen Brandenburgs zu praktizieren, hat drei Fördermöglichkeiten. Beim Vollstipendium erhalten die Studierenden 1.000 Euro monatlich, und das bis zu 75 Monate lang - das ist die Regelstudienzeit im Fach Medizin. Weiterhin gibt es ein Co-Stipendium in Höhe von 500 Euro pro Monat. Dieses ist für angehende Mediziner gedacht, die bereits ein Stipendium von einer Kommune oder einem Krankenhausträger bekommen. Das dritte Förderelement sieht die Übernahme der Kosten während der Facharztausbildung vor. Das Land schießt für die fünfjährige Weiterbildungszeit bis zu 5.760 Euro monatlich zu. So soll niedergelassenen Ärzten ermöglicht werden, Assistenzärzte aufzunehmen und auszubilden, ohne die Lohn- und Lohnnebenkosten tragen zu müssen.

Insgesamt werden bis zu 220 Stipendien vergeben: Je 100 für das monatliche und das Co-Stipendium, 20 für angehende Fachärzte. Die Administration übernimmt die Kassenärztliche Vereinigung Berlin-Brandenburg (KVBB). Dort werden auch die Anträge eingereicht. Die KVBB überarbeitet zudem aktuell ihre Bedarfsplanung für die ärztliche Versorgung im Land.

Für das Landesärzteprogramm soll nun bundesweit an den Hochschulen geworben werden. Ziel der Kampagne ist, die ärztliche Versorgung auf dem Land zu sichern. Vor allem in den Mittelzentren außerhalb des Speckgürtels wird der Bedarf in den kommenden Jahren steigen - unter anderem deshalb, weil rund ein Drittel der praktizierenden Hausärzte in diesen Regionen bereits älter als 60 Jahre alt sind. Manche praktizieren sogar über das Rentenalter hinaus, weil es keinen Nachfolger gibt.

Neben der Allgemeinmedizin ist die Förderung durch das Brandenburg-Stipendium auch für die Fachgebiete Kinder- und Jugendmedizin, Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Augenheilkunde, Haut- und Geschlechtskrankheiten, Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, Psychiatrie und Psychotherapie, Neurologie, Nervenheilkunde und Kinder- und Jugendpsychiatrie in der ambulanten und stationären Versorgung und im Öffentlichen Gesundheitsdienst vorgesehen.

Bis 2022 will das Land mehr als 15 Millionen Euro für das Programm ausgeben. Für 2019 sind im Doppelhaushalt 2,4 Millionen Euro eingeplant, für 2020 3,3 Millionen Euro. Für 2022 wird mit 5,3 Millionen Euro gerechnet. Durch die vertragliche Bindung sei das Programm auch im Fall eines Regierungswechsels nach den Landtagswahlen sicher, erklärten Susanna Karawanskij und Ministerpäsident Dietmar Woidke (SPD) am Dienstag gegenüber Journalisten.

„Wir hoffen auf das Greifen der ‚Klebeeffekte“ so Karawanskij. Zudem könne das Programm den Studierenden dabei helfen, schneller ihren Abschluss zu machen, da sie durch das Geld nicht mehr darauf angewiesen seien, neben dem Studium arbeiten zu gehen, so Woidke.  rue

Mehr Informationen unter www.kvbb.de

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