Landesforstbetrieb will Nonnenlarven durch Pestizide bekämpfen

Landesforstbetrieb will Nonnenlarven durch Pestizide bekämpfen

Brandenburgs Kiefernbestände sind durch Kahlfraß bedroht, der von Nonnenlarven verursacht wird. Foto: Sabine Gottschalk

Verlust großer Kiefernbestände droht

Potsdam. Eine Folge des Trockenjahres 2018 ist die Ausbreitung der Nonne in Kiefernwäldern. Landesweit sind derzeit 8.000 bis 9.000 Hektar für eine Befliegung gegen die Nonne vorgesehen, teilte das Forstministerium mit. Betroffen wäre insbesondere Privatwald in den Gemeinden Fichtenwalde, Borkwalde, Borkheide.

"Wir als Forstleute sehen aus ökologischen und Kostengründen den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln im Wald kritisch und nur als letztes Mittel - wenn nichts mehr hilft", erklärt der Direktor des Landesforstbetriebs Brandenburg (LFB), Hubertus Kraut: "Aber wenn wir jetzt nichts tun, droht nach den Prognosen aus dem Monitoring des Landeskompetenzzentrums Forst ein Totalverlust von mindestens 3.000 Hektar Wald.
Zum Vergleich: Beim Waldbrand 2018 bei Treuenbrietzen gingen 380 Hektar verloren."

Bereits im letzten Jahr wurden dort auffällige Dichten festgestellt. Die aus den Monitoringergebnissen errechneten Gefährdungsziffern prognostizieren einen mehrfachen Kahlfraß. Das heißt, die Raupendichten sind so hoch, dass die Nadel der Kiefern mehrfach abgefressen werden könnten. Durch die Vorschädigung durch Trockenheit im letzten Jahr, aber auch Käfer und pilzliche Schaderreger ist die Gefahr für die Bäume sehr groß. Fachleute des Landesforstbetriebs identifizieren zunächst die betroffenen Waldflächen, auf denen Schadinsekten bekämpft werden müssen.

Bevor geflogen werden kann, ist mit den betroffenen Kommunen eine enge Abstimmung, zum Beispiel zu den notwendigen Sperrmaßnahmen, geplant. Hierzu werden die kommunal Verantwortlichen durch den LFB eingeladen. Auch die privaten Waldbesitzer sollen einbezogen werden.

In Brandenburg werden Waldschutzmaßnahmen, wie jetzt geplant, laut Forstministerium nur in Erwägung gezogen, wenn befürchtet wird, dass Wald nach Insektenfraß flächig abstirbt. Ein sehr intensives Monitoring durch die Förster sichert, dass nur die Flächen behandelt werden, für die massive Fraßschäden und in der Folge das Absterben der Kiefern zu erwarten ist. Die anhaltende Trockenheit sowie ein schon 2018 deutlich angestiegenes Potenzial an wärmeliebenden Borkenkäfern lasse zurzeit sehr wenig Hoffnung, dass sich die Kiefern nach dem erwarteten Kahlfraß erholen werden.


Verringerung des Kieferanteils durch Waldumbau

In der Aufarbeitung von Fehlentwicklungen der Vergangenheit hin zu stabileren Wäldern sieht das Ministerium eine Generationenaufgabe. Der Kiefernanteil in Brandenburg liegt bei über 70 Prozent. Auf 40 Prozent der Waldfläche könnten jedoch stabilere, naturnähere und standortgerechtere Mischwälder wachsen. Mit dem Waldumbau soll der Anfälligkeit der kieferndominierten Wälder gegenüber Naturgefahren und Wetterextremen sowie schädigenden Insekten und Pilzen entgegengewirkt werden. In Brandenburg wurden in den Jahren von 1990 bis 2018 85.400 Hektar Kiefernwälder umgebaut. So werden jährlich durchschnittlich 2.000 bis 2.500 Hektar umgebaut. Eine größere Fläche gilt als wenig sinnvoll, da sich nur mittelalte bis alte Kiefernbestände für den Umbau eignen. In diesen müsse durch Holzeinschlag erst Platz und Licht für neue Baumgenerationen geschaffen werden. Wichtig seien Altkiefern. Sie bieten jungen Laubbäumen den notwendigen Schutz vor Frost, Wind und Sonneneinstrahlung. In Südbrandenburg gebe es aber auch Standorte, die für die Kiefer besonders geeignet seien.  red/sg


Auf der Internetseite des LFB wurde ein Fragen-und-Antwort-Katalog eingestellt.

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