Zwei Volksinitiativen fordern Artenschutz

Zwei Volksinitiativen fordern Artenschutz

Thomas Volpers vom Bund und Friedhelm Schmitz-Jersch vom Nabu (von links) haben am Montag zum Start der neuen Volksinitiative in der Brandenburger Straße selbst Unterschriften gesammelt. In den kommenden Monaten werden immer wieder fleißige Bienen zu sehen sein, die mit Bürgern ins Gespräch zum Artenschutz kommen wollen und sich gegen das Insektensterben einsetzen. Foto: Sabine Gottschalk

Bienen hängen am "Zuckertropf" | Landespolitik muss handeln

Unterschriften sammeln für den Artenschutz: Am Montag ging es auf der Brandenburger Straße los. Foto: Sabine Gottschalk

Potsdam. Nach Bayern nun auch Brandenburg: Am Montag haben die Naturschutzverbände Nabu (Naturschutzbund) und Bund (Bund für Umwelt und Naturschutz) gemeinsam mit der Berliner Aurelia-Stiftung in Potsdam die Volksinitiative "Artenvielfalt retten" vorgestellt. Oberstes Ziel der Initiative ist die gesetzlich festgeschriebene Reduzierung von Pestiziden, in Naturschutzgebieten und spziellen Schutzzonen soll ihr Einsatz komplett verboten werden.

Zudem wünschen sich die Initiatoren eine deutliche Förderung des Ökolandbaus. Dazu sollen weitaus mehr finanzielle Mittel als bisher zur Verfügung gestellt werden. Das Landwirtschaftsministerium müsse endlich reagieren und die ökonomischen Bedingungen für Landwirte, die ihre Felder artenschutzgerecht bestellen, verbessern, betonte der Nabu-Vorsitzende Friedhelm Schmitz-Jersch. Auffallend sei, dass sich das Ministerium nach dem Erfolg der bayerischen Volksinitiative zum Handeln gezwungen sah und nach dem überstürzt organisierten Insektengipfel Ende März für ein Blühstreifenprogramm ab 2020 sechs Millionen Euro zur Verfügung stellte.

Thomas Volpers vom Bund betonte, dass an Gewässern in Großschutzgebieten bereits seit 1990 Schutzstreifen vorgeschrieben seien, bis heute aber nicht durchgesetzt wurden. Von den 330 Bienenarten in Brandenburg seien bereits 50 Prozent ausgestorben, bei Wespen sei die Situation ähnlich, so Volpers. Das Land müsse nun zum Handeln gezwungen werden.


Artensterben betrifft auch Insektenfresser

Nach der Lindenblüte liege die Honigbiene bereits heute am "Zuckertropf", fügte Johann Lütke Schwienhorst, selbst Imker in Brandenburg und Agrarreferent bei der Berliner Aurelia-Stiftung, die sich dem Bieneschutz verschrieben hat, hinzu.

Das Artensterben betrifft jedoch nicht nur Insekten, sondern auch die Tiere, die sich von ihnen ernähren. In Brandenburg ist das Rebhuhn mittlerweile fast ausgestorben, auch den Feldlerchen setzt der Futtermangel deutlich zu. Die Schutzgebiete seien weitestgehend unzureichend und in einem äußerst schlechten Erhaltungszustand, so Friedhelm Schmitz-Jersch. Das habe dazu geführt, dass innerhalb von 20 Jahren fast 75 Prozent der Insekten verschwunden seien. Von der Landesregierung sei diese Tatsache jedoch vollständig ignoriert worden, man habe zunächst weitere Untersuchungen durchführen wollen. Nun sei der Zeitpunkt gekommen, an dem die Bürger handeln müssten, da die Politik tatenlos zusehe, so Schmitz-Jersch weiter. Nur eine Änderung der Förderung könne zum Ziel führen und ein weiteres Artensterben verhindern. Schmitz-Jersch betonte, dass bislang nur ein Zehntel der finanziellen Mittel an Landwirte gezahlt würden, die sich dem Naturschutz verschrieben haben. In einem Bundesland, dessen Fläche zu Dreivierteln aus Ackerland besteht, das aber kein Förderprogramm für Ackerflächen besitzt, sei das eindeutig zu wenig.


Ins Gespräch kommen für den Umweltschutz

Die Initiatoren der Volksinitiative wollen nun mit möglichst vielen Brandenburger Bürgern direkt ins Gespräch kommen und auf die Problematik aufmerksam machen. Das sei besonders wichtig, da bereits am Freitag ein Bündnis aus Landnutzern eine weitere Volksinitiative unter dem Motto "Insekten schützen, Kulturlandschaft bewahren!" gestartet hat und dabei betont, man wolle den Einsatz von Pestiziden nicht komplett verbieten, aber soweit wie möglich einschränken. Mit dem Forum Natur haben sich dazu 19 Interessenverbände zusammengeschlossen. Zu ihnen gehören neben dem  Landesbauernverband, dessen Vorsitzender Henrik Wendorff selbst Biobauer ist, auch Jagd- und Anglerverbände sowie der Berlin-Brandenburgische Schafzuchtverband und die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald.

Den Schutzgebieten würde die von diesen Verbänden angestrebte Reduzierung der Pestizide nach Ansicht der Naturschutzverbände jedoch nicht helfen. Die zweite Volksinitiative sei eher dazu geeignet, Verwirrung zu stiften und von den dringend notwendigen Maßnahmen abzulenken. Grundsätzlich können alle wahlberechtigten Brandenburger bei beiden Volksinitiativen unterschreiben, das Anliegen der Naturschutzverbände geht jedoch deutlich weiter in Richtung Artenschutz. sg


Mehr zu den Volksinitiativen gibt es beim NABU, beim BUND füt die Naturschutzverbände sowie beim Forum Natur (Landnutzer).

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