Jetzt auch digital: Ferchs schönste Landschaften

Jetzt auch digital: Ferchs schönste Landschaften

Erika Bauer kümmert sich seit 30 Jahren um den Nachlass des Malers Hans-Otto Gehrcke und hält sein hier dargestelltes altes Fachwerkhaus instand. Foto: Sabine Gottschalk

Werkschau des havelländischen Malers Hans-Otto Gehrcke im Kulturministerium

Gehrcke malte die Landschaft direkt vor seiner Haustür. Dabei entstand in 60 Jahren eine wunderbare Sammlung schönster Landschaftsbilder von Ferch, zu der auch dieser undatierte Blick auf den Schwielowsee gehört.

Potsdam/Ferch. Hans-Otto Gehrcke liebte Ferch und den Wassersport. Die havelländische Seenlandschaft hatte es dem Berliner angetan, seitdem sein Vater in Ferch direkt am Schwielowsee ein ehemaliges Brennmeisterhaus gekauft hatte, das er von 1927 bis zu seinem Tod im Jahr 1988 bewohnte. Zuvor hatte Gehrcke an der Kunstakademie in Berlin-Charlottenburg studiert. Während der letzten zehn Jahre seines Lebens begleitete ihn Erika Bauer, die auch bis heute den künstlerischen Nachlass verwaltet und das alte Fachwerkhaus instand hält.

Brandenburgs Kulturministerium zeigt nun erstmals bis zum 31. Januar eine Übersicht über das Werk des Malers, der die Impressionen vom See ganz wunderbar eingefangen hat. Eigentlich musste er ja nur aus dem Fenster schauen, um ein Motiv zu finden, denn die Landschaft vor der eigenen Haustür war Inspiration und Grundlage seines Werks. Aber Gehrcke war auch begeisterter Segler und fuhr mit seinem Boot bis zur Nord- und Ostsee. Dort entstanden Aquarelle und Gouachen in sanften Farben von Rügen oder der Insel Vilm, meist vom Wasser aus gesehen. Ölbilder malte Gehrcke eher in seinem Atelier im Haus am Schwielowsee.


Digitales Archiv frei zugänglich


Passend zur Ausstellungseröffnung hat Kurator Thomas Kumlehn vom Verein Private Künstlernachlässe im Land Brandenburg am Dienstag auch das digitale Nachlassverzeichnis des Künstlers vorgestellt, das seit dieser Woche im Internet für jeden zugänglich ist. Erarbeitet hat er es zusammen mit der mittlerweile 83-jährigen Erika Bauer und der Kunsthistorikerin Annette Purfürst vom Kulturministerium.

Zu finden sind dort Fotos von 51 Werken und Beschreibungen zu Entstehungszeit und -Ort, soweit verfügbar. Denn bei Gehrcke sei das nicht immer einfach, erläuterte Kumlehn, der auch Initiator des digitalen Archivs ist. "Er hat uns manche Nuss zu Knacken gegeben", so Kumlehn. Selbst die Signaturen seien nicht zuverlässig, da der Künstler, der auch Mitglied der Havelländischen Malerkolonie war, häufig nicht gleich nach Fertigstellung eines Bildes signierte und nicht alle Bilder mit Jahreszahlen versah. Bei den Motiven ist es etwas einfacher: Wer sich am Schwielowsee oder auch an der Ostseeküste auskennt, entdeckt schnell die eine oder andere bekannte Landschaft.

Seit 2014 sind mithilfe des digitalen Archivs bereits Werkverzeichnisse von 13 Brandenburger Künstlern entstanden. Für das Land habe dieser frei zugängliche Nachlass eine große Bedeutung, betont Kulturministerin Martina Münch. Möglich wurde die Erstellung des Nachlassarchivs deshalb auch durch finanzielle Unterstützung sowohl vom Ministerium als auch vom Landkreis Potsdam-Mittelmark.

Die vom Potsdamer Designer Peter Rogge gestaltete Ausstellung im zweiten Obergeschoss des Kulturministeriums, Dortustraße 36, direkt gegenüber dem Rechenzentrum, kann während der Öffnungszeiten montags bis freitags jeweils von 7 bis 17.30 Uhr bei freiem Eintritt besichtigt werden. Auch der Garten des Malers in Ferch lohnt einen Besuch. Erika Bauer öffnet ihn jeweils zum Tag der offenen Gärten der Urania an einem Wochenende im späten Frühjahr. sg


Der Mobile Nachlass-Service des Vereins Private Künstlernachlässe im Land Brandenburg ist auf private-kuenstlernachlaesse-brandenburg.de zu finden.

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