Der Potsdamer Moritz Kirchner ist Deutscher Vizemeister im Science Slam

„Ein grundneugieriger Mensch“

Wissenschaft unterhaltsam verpackt: Der Potsdamer Psychologe und Coach Moritz Kirchner bei der Deutschen Science Slam Meisterschaft in Wiesbaden. Foto: Science-Slam.com

Potsdam.

Was haben Donald Trump, Horst Seehofer, Alexander Gauland und Bernd Höcke gemeinsam? Mit dieser Frage begann der  Science Slam, mit dem Moritz Kirchner am 24. November zum Deutschen Vizemeister im Science Slam wurde, bei der Wissenschaftler ihre Forschungen möglichst unterhaltsam und verständlich dem Publikum präsentieren. „Demokratie und Komplexität“ lautete der Titel des Vortrags, den der Potsdamer im Wiesbadener Rhein-Main-Kongresszentrum vor 4.500 Menschen hielt – beim größten Science Slam aller Zeiten. Die Zuschauer stimmten per Applaus ab, Moritz Kirchner schaffte es auf den zweiten Platz.


Schon als Kind attestierten ihm seine Eltern rhetorisches Geschick und Wissbegierigkeit. „Mein Vater sagte immer, ich könnte  mal Politiker werden“, erzählt der 34-Jährige. Als Schüler nahm der gebürtige Templiner an Schülerwettbewerben zur politischen Bildung Teil. Die Liebe zur Rhetorik entdeckte der Diplom-Psychologe während seines Studiums. Mit dem Potsdamer Debattierclub fuhr er zahlreiche Erfolge ein – zuletzt im Jahr 2015 den Vizetitel bei der Deutschen Debattiermeisterschaft. Zum Science Slam kam er im gleichen Jahr auf Anfrage der Organisatoren. Im April 2016 stand der Potsdamer das erste Mal auf der Bühne und sprach über seine Doktorarbeit mit dem Titel „Der neue Geist des Kapitalismus“, an der er damals arbeitete – und holte gemeinsam mit einem anderen Slammer den Sieg.
Die Erfolge auf der Bühne beflügeln den 34-Jährigen, der auch zur Entspannung lieber politische und psychologische Fachliteratur statt Romane liest („Das Leben ist Geschichte genug“, sagt er), auch in seinem Job und sorgen für neue Aufträge. Moritz Kirchner arbeitet als Verhaltens- und Kommunikationstrainer. Bereits als Student hat er sein erstes Unternehmen gegründet, hat dieses aber inzwischen verlassen. Seit drei Jahren ist er Gesellschafter des Instituts für Kommunikation und Gesellschaft und gibt sehr erfolgreich Seminare für Gewerkschaften, Verbände und Parteien und schreibt Reden. „Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht“, sagt der Potsdamer. Dass er viele Menschen trifft und Einblicke in viele unterschiedliche Bereiche erhält, macht das Coaching zu seinem Traumberuf. Während der Akademiker in politischen Abhandlungen seiner Freude an komplexen Formulierungen freien Lauf lässt, legt er in Trainingssituationen Wert auf eine klare und direkte Sprache, den Unterhaltungsfaktor und Bodenständigkeit. „Da merkt man mir den Uckermärker an“, sagt Kirchner.


Kommende Slams wird Moritz Kirchner zum Thema „Zur Empirisierung rhetorischer Kompetenzen“ halten, dem Thema, zu dem er derzeit forscht. Dabei untersucht der Psychologe die Unterschiede in der Selbsteinschätzung von Männern und Frauen. Kirchner findet es schade, dass Frauen sich selbst oft als weniger kompetent sehen. In seinen mehr als 1.000 abgehaltenen Rhetorik-Trainings habe er gelernt, dass es keine Unterschiede, sondern nur verschiedene Stile gebe.
Und was haben die eingangs genannten Politiker nun gemeinsam? Sie laufen mit ihrem Populismus den demokratischen Parteien den Rang ab. Eine gefährliche Entwicklung, wie Moritz Kirchner findet. „Wenn es immer komplexer wird, ist die Demokratie in Gefahr“, lautet ein Fazit seines Vortrags. Die Menschen und die Parteien selbst blickten nicht mehr durch, was populistischen Parteien das Feld ebne. Dafür hat Kirchner sogar einen eigenen Begriff geschaffen: Komplexitätskapitulation.
Moritz Kirchners Auftritt beim Science Slam ist unter bit.ly/2zJZFtV zu sehen.  rue

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