Farbe und Licht: Neoimpressionismus überzeugt im Barberini

Farbe und Licht: Neoimpressionismus überzeugt im Barberini

Kurator Daniel Zamani und Museumsdirektorin Ortrud Westheider vor der "Landschaft in der Gegend von Eze", um 1887 von Henri-Edmond Cross an der Côte d'Azur gemalt, Sammlung Ronald Feldkamp. Foto: Sabine Gottschalk

Mit Hernri-Edmond Cross holt das Museum Barberini mediterranes Licht in den Potsdamer Herbst

Henri-Edmond Cross"Unter den Korkeichen", 1908, Sammlung Hepama. Karl Ernst Osthaus hatte dieses Gemälde gekauft, das 1928 in den Bestand des Folkwang Museums, Essen, überging. 1937 wurde es beschlagnahmt und als entartete Kunst im Ausland versteigert. Foto: Sammlung Hepama

Potsdam. Unglaublich lichtdurchflutet sind die Bilder des französischen Neoimpressionisten Henri-Edmond Cross. Wer die Intensität der Sonne und die steinernen Landschaften mit den einzelnen Pinien in der Provence kennt und liebt, fühlt sich sofort dorthin zurückversetzt. Cross hat seine Wahlheimat vor mehr als 100 Jahren gemalt und damit ein Idealbild festgehalten, das es heute so nicht mehr gibt.

Das Museum Barberini zeigt seit Samstag Deutschlands erste Werkschau des sowohl hierzulande als auch in seiner französischen Heimat fast vergessenen Künstlers, der unter dem Einfluss Georges Seurats und gemeinsam mit seinem Wegbegleiter und Freund Paul Signac einer der ganz Großen der auch als Pointillismus bezeichneten Ausrichtung des späten Impressionismus in Frankreich wurde. Klare Farben, pur und pastos aufgetragen in Form kurzer Pinselstriche, die an Punkte (französisch "points") erinnern, bestimmen die Werke und geben ihnen eine durchdringende Fröhlichkeit und Strahlkraft. Ganz anders waren die Frühwerke des aus Nordfrankreich stammenden Cross, von denen das Museum Barberini zwei Portraits zeigt, die den klaren Kontrast zu den späteren Bildern verdeutlichen.

Cross, 1856 als Henri-Edmond Delacroix in Douai geboren und 1910 unweit von Saint Tropez gestorben, hatte bereits seit seinem zehnten Lebensjahr Kunstunterricht in Lille und studierte später in Paris. Um nicht mit seinem berühmten Namensvetter Eugène Delacroix verwechselt zu werden, nahm er 1883 das Pseudonym Cross an. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts gehörte er zu den bedeutendsten Malern seiner Epoche und wurde Vorbild für die junge Avantgarde mit Vertretern wie Henri Matisse.

Besonders der deutsche Sammler und Mäzen Harry Graf Kessler, der selbst in Frankreich aufgewachsen war, erwarb etliche Gemälde von Cross. Ihm folgte der Gründer des Folkwang-Museums, Karl Ernst Osthaus, und der Direktor des Städel-Museums in Frankfurt am Main, Georg Swarzenski, die beide schon früh Werke von Cross für ihre Häuser erwarben. Diesem Umstand ist zu verdanken, dass der heute vollkommen ins Abseits geratene Maler in Deutschland einst bekannter war als in seiner Heimat.

Doch schon in den 1930er Jahren wendete sich das Blatt: Die Sammlung des linksliberalen Kessler galt unter der NS-Diktatur als entartete Kunst und wurde, wie andere Bestände auch, durch Zwangsversteigerungen in alle Welt verstreut. Darunter fast alle in Deutschland vorhandenen Werke von Henri-Edmond Cross. Für die Kuratoren Daniel Zamani vom Museum Barberini und Marina Ferretti Bocquillon vom Musée des Impressionnismes sowie Museumsdirektorin Ortrud Westheider bedeutete die Vorbereitung der aktuellen Ausstellung, die das Museum Barberini gemeinsam mit dem Musée des Impressionnismes im französischen Giverny erarbeitet hat, deshalb vor allem lange Überzeugungsarbeit, um neben internationalen Museen, zu denen auch das auf den Impressionismus spezialisierte Musée d'Orsay in Paris und das Museo Nacional Thyssen-Bornemisza in Madrid gehören, auch eine beachtliche Zahl privater Leihgeber gewinnen zu können.


100 impressionistische Werke und 45 antike Skulpturen an einem Ort

Rund 100 Gemälde, Aquarelle und Zeichnungen des Künstlers sind in Potsdam zu sehen und damit noch ein paar mehr als zuvor in Giverny. Mit der farbenprächtigen Schau holt das Museum nach der erfolgreichen Eröffnungsausstellung einen weiteren Aspekt des Impressionismus nach Potsdam, bevor sich im Herbst 2019 die Stillleben Van Goghs anschließen.

Parallel zeigt das Barberini in drei Räumen antike Skulpturen aus dem Bestand der Dresdner Skulpturensammlung, die spätestens seit 2013 zu einem Dasein im Depot verpflichtet waren, da ihr Museum im Semper-Gebäude bis Ende 2019 saniert wird. Es war also die letzte Möglichkeit die tonnenschweren Marmorgötter an einem anderen Ort zu zeigen und eine, wie der Direktor der Dresdner Sammlung, Stephan Koja es nannte, riesige Chance, dass sie gerade in das Programm des Museums passten, da die meisten Häuser mit sehr viel mehr Vorlauf planen. Da viele von ihnen noch komplett sind, sind die "Götter des Olymp" eine wahre Augenweide für Liebhaber antiken Marmors.

Beide Ausstellungen sind bis zum 17. Februar 2019 zu sehen. Nur eine Woche vorher endet die ebenfalls farbstarke und äußerst beeindruckende Schau deutscher Maler des frühen 20. Jahrhunderts "Vom Expressionismus zum Informel", deren Stil von Künstlern wie Cross geprägt wurde. sg


Museum Barberini, Alter Markt, Potsdam, täglich außer dienstags von 10 bis 19 Uhr, an jedem ersten Donnerstag im Monat bis 21 Uhr geöffnet. Zeitfenster-Tickets auf museum-barberini.com.

Kommentar schreiben

comment

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.
Pflichtfelder sind markiert mit*

Weitere Nachrichten aus Potsdam

Stadtteilführungen gehen in die zweite Runde
Potsdam

Stadtteilführungen gehen in die zweite Runde

Potsdamer interessieren sich für Potsdam - Diesen Schluss zieht die PMSG Potsdam Marketing und Service GmbH nach 22 erfolgreichen Stadtteilführungen im Jahr 2018. Daher gehen die Stadtteilführungen...

Städtebund fordert klare Finanzierungsregelung beim Straßenbau
Potsdam

Städtebund fordert klare Finanzierungsregelung beim Straßenbau

"Die Abschaffung von Straßenbaubeiträgen zu fordern und nicht gleichzeitig zu sagen, wie Ausbau und Erneuerung stattdessen finanziert werden sollen, ist kein verantwortliches Handeln", kritisierte...

Umfahrungen der Zeppelinstraße werden gesperrt
Potsdam

Umfahrungen der Zeppelinstraße werden gesperrt

Kurz vor Ende des Jahres hat der Bereichsleiter Verkehrsentwicklung, Norman Niehoff, am Dienstagabend im Ausschuss für Stadtentwicklung, Bauen und Verkehr eine Bilanz der Verengung der Zeppelinstraße...

Stadtwerke unterstützen Weihnachtsfeier für Kunden der Tafel
Potsdam

Stadtwerke unterstützen Weihnachtsfeier für Kunden der Tafel

Auch in diesem Jahr haben die Stadtwerke für die Kunden der Tafel Potsdam eine Weihnachtsfeier ausgerichtet. Am vergangenen Sonntag um 11 Uhr öffneten sich die Tore zur Weihnachtswunderwelt in der...

Zum vierten Mal: Großes Weihnachts-Open-Air
Potsdam

Zum vierten Mal: Großes Weihnachts-Open-Air

Das große Weihnachts-Open-Air am Schlaatz ist mittlerweile Tradition. In diesem Jahr findet es am heutigen Samstagnachmittag von 15.30 bis 19 Uhr auf der Wiese vor dem Milanhorst statt. Im Schlaatz...

Viertes "Buntes Essen" in der Suppenküche
Potsdam

Viertes "Buntes Essen" in der Suppenküche

Bereits zum vierten Mal laden geflüchtete Menschen, die in Potsdam eine neue Heimat gefunden haben, am Sonntag ab 11 Uhr Gäste der Suppenküche und Kunden der Tafel zu einem Festessen ein. "Buntes...

Bessere Koordinierung beim Ehrenamt gefordert
Potsdam

Bessere Koordinierung beim Ehrenamt gefordert

Die Landeshauptstadt soll das ehrenamtliche Engagement stärken und dafür eine kommunal angebundene Koordinierungsstelle für die Engagementunterstützung einrichten. Das ist das Ergebnis einer Studie,...

Crowdfunding für Potsdamer Projekte
Potsdam

Crowdfunding für Potsdamer Projekte

Mit drei Projekten haben die Stadtwerke eine "Crowdfunding"-Plattform gestartet. Vom Förderverein bis zum Netzwerk kann dabei fast jedes Projekt um Paten werben. Stellen private Kleinspender eine...

Auf Fontanes Spuren
Potsdam

Auf Fontanes Spuren

Fontane liebte das Wandern nicht. Obwohl der märkische Dichter seine Heimat in den unendlichen "Wanderungen durch die Mark Brandenburg" für immer verewigt hat wie kein anderer, war das Laufen nicht...

Jetzt auch digital: Ferchs schönste Landschaften
Potsdam/Ferch

Jetzt auch digital: Ferchs schönste Landschaften

Hans-Otto Gehrcke liebte Ferch und den Wassersport. Die havelländische Seenlandschaft hatte es dem Berliner angetan, seitdem sein Vater in Ferch direkt am Schwielowsee ein ehemaliges Brennmeisterhaus...

Zeitvorsprung beim Bauantrag für die Havel-Therme
Potsdam

Zeitvorsprung beim Bauantrag für die Havel-Therme

Mit 18 prall gefüllten Aktenordnern ist Andreas Schauer, Geschäftsführer der schauer & co. GmbH am vergangenen Freitag auf der Thermenbaustelle in Werder eingetroffen. Es handelt sich um die...

Überraschungsfund: 15 zerkratzte Porträts aus dem ehemaligen Garnisonmuseum
Potsdam

Überraschungsfund: 15 zerkratzte Porträts aus dem ehemaligen Garnisonmuseum

Jahrelang galten sie als verschollen, nun wurde der militärhistorisch wichtige Schatz vom Förderverein des Potsdam Museums gehoben. Gefunden wurden 15 zum Teil bis zur völligen Unkenntlichkeit...