Endlich eine Synagoge für Potsdam

Endlich eine Synagoge für Potsdam

80 Jahre nach dem Novemberpogrom von 1938 setzte auch der ebenfalls 80-jährige Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Mykhaylo Tkach am Mittwoch seine Unterschrift unter die Vereinbarung. Foto: Sabine Gottschalk

80 Jahre nach der Pogromnacht von 1938 wurde eine Vereinbarung zwischen dem Land und den jüdischen Gemeinden unterzeichnet

Potsdam. 13 Jahre lang wurden Pläne diskutiert und verändert, nun gibt es endlich einen Konsens: Genau 80 Jahre nachdem die alte Synagoge am Platz der Einheit in der Nacht des 9. November 1938 geplündert und zerstört wurde, haben sich die Jüdische Gemeinde, die Synagogengemeinde und das Land auf den Bau eines neuen jüdischen Gotteshauses mit Gemeindezentrum in der Schlossstraße 1 geeinigt und am Mittwoch eine entsprechende Vereinbarung unterzeichnet.

Das neue Synagogenzentrum soll allen jüdischen Glaubensgemeinschaften in der Landeshauptstadt offen stehen und nicht nur Raum für Gottesdienste, sondern auch für Veranstaltungen und soziale Arbeit bieten. Dazu sind neben dem Synagogenraum für etwa 250 bis 300 Gläubige ein Veranstaltungsraum für etwa 100 bis 150 Personen und weitere Räume für Senioren und Jugendliche vorgesehen.

Auch die Gesetzestreue Gemeinde sei in dem nach orthodoxem Ritus geplanten Gebäude willkommen, betonte der Vorsitzende der Synagogengemeinde, Ud Joffe. Errichtet wird der Neubau vom Land, das dafür bislang acht Millionen Euro eingeplant hat. Für den laufenden Betrieb werde jährlich ein voraussichtlich sechsstelliger Betrag zur Verfügung gestellt. Baubeginn soll 2020 sein, Inbetriebnahme frühestens 2022.

Noch nicht geklärt ist die Fassadengestaltung, sie soll in den kommenden drei bis vier Monaten gemeinsam mit dem Berliner Architekten Jost Haberland konkretisiert werden. Auch hier hatten sich die Gemeinden bislang nicht einigen können.


Ein starkes Signal für Potsdam

Als ein starkes Signal für die Landeshauptstadt bezeichnete Oberbürgermeister Jann Jakobs die Unterzeichnung der Vereinbarung zum Bau des Synagogenzentrums zwei Tage vor dem 9. November. Für den Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde, Mykhaylo Tkach, war es zusätzlich ein nachträgliches Geburtstagsgeschenk, denn Tkach, im Pogromjahr 1938 geboren, wurde vorletzte Woche 80 Jahre alt.

Es wäre nicht gut gewesen, wenn die Potsdamer Mitte weiter gewachsen wäre und das Synagogengrundstück als Brache mittendrin liegen bliebe, sagte Jakobs. Auch für den neuen Potsdamer Oberbürgermeister werde die weitere Entwicklung als Mitglied des Synagogenbeirats eine große Rolle spielen, so Jakobs. Mykhaylo Tkach, der im gleichen Jahr Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde wurde wie Jakobs Oberbürgermeister, sieht die Unterzeichnung vor allem deshalb als Geschenk an, weil nun endlich wieder die Möglichkeit bestehe, dass sich jüdisches Leben in Brandenburg entwickelt.


Auch für Touristen interessant

Ein Anziehungspunkt für Touristen werde sicherlich die große Dachterrasse des Synagogenzentrums, die allen Besuchern offen stehen soll und einen besonders guten Blick auf das neue Quartier gegenüber dem Landtag bieten wird. Betreiber des vom Land zur Verfügung gestellten Zentrums wird die Israelitische Kultusgemeinde als gemeinnütziger Verein, dem alle jüdischen Glaubensgemeinschaften beitreten können, die mehr als fünf Jahre in Potsdam aktiv gearbeitet haben.

Das Gebäude wird im Erdgeschoss einen Veranstaltungsbereich und im ersten Obergeschoss den hallenartigen Synagogenraum mit darüber angelegter Empore und einem angrenzenden Erweiterungsraum haben. Im dritten Stock gibt es weitere Räume für Aktivitäten und darüber schließen sich Büros und die nach Südosten ausgerichtete Dachterrasse mit einer großen Lichtkuppel zur Beleuchtung des darunter liegenden Synagogenraums an.  sg


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