Oberlinklinik setzt auf High-Tech im OP-Saal

Oberlinklinik setzt auf High-Tech im OP-Saal

Der Ärztliche Leiter der Oberlinklinik, Dr. Robert Krause (rechts) zeigt einem Kollegen die neue Lüftungstechnologie, die sich geschickt an der Decke versteckt. Fotos (2): Sabine Gottschalk

Anbau mit zwei neuen Sälen eröffnet | Erste deutsche Klinik mit praktisch keimfreier Lüftung

Die Schaumstoffkugeln an der Decke sind das einzig Sichtbare der neuen Lüftung. Alles andere versteckt sich in Wänden und Decke.

Potsdam. Die Oberlinklinik setzt auf High Tech: Zwei neue OP-Säle in einem eigens errichteten Anbau wurden erstmals in Deutschland mit einem hochmodernen Lüftungssystem ausgestattet, das eine minimale Belastung der Patienten mit höchstens fünf Keimen pro Kubikmeter Luft garantiert. Bei herkömmlichen Systemen seien es mindestens zehn Mal so viele, erklärte der schwedische Ingenieur Henrik Skendsvik am Dienstag bei einem Vor-Ort-Termin.

Die Technik mit dem futuristischen Namen "Opragon8" wurde in Schweden entwickelt und ist bereits seit sieben Jahren in den Niederlanden im Einsatz. Dort sind zwischen 50 und 60 OP-Säle damit ausgestattet, so Skendsvik. Europaweit sind mehr als 100 Lüftungen dieses Typs installiert. In Deutschland seien die Genehmigungen schwieriger zu bekommen, deshalb gab es hier bislang nur ein Labor, das die Technik nutzt.

Praxiserfahrung werden die Chirurgen der Oberlinklinik ab 1. Oktober sammeln können, dann startet die Testphase. Zum Einsatz am Patienten kommt es aber erst ab November. Der Ärztliche Direktor der Klinik, Dr. Robert Krause, ist von der Technik begeistert, auch wenn ein weit größerer Infektionsfaktor zurzeit noch Keime seien, die durch das OP-Team selbst in den Raum gebracht würden.

Krause hatte sich im Vorfeld mit Wissenschaftlern des Berliner Robert-Koch-Instituts zu dem Thema beraten und sich nach intensiver Prüfung für die teure schwedische Technologie stark gemacht. Ein großer Vorteil für die Patientensicherheit sei die hohe Spezialisierung der Klinik auf orthopädische Eingriffe, sagt der Chirurg. Die Planbarkeit der Operationstermine, die auf diese Weise entstehe, mache es leichter, multiresistente Keime aus dem OP-Bereich zu verbannen.

Akute Notfälle werden hier kaum behandelt. Trotzdem führt die Oberlinklinik nach eigener Aussage jährlich rund 5.000 Operationen an Hüft-, Knie- und Schultergelenken sowie an Wirbelsäulen durch. Henrik Skendsvik sieht noch einen weiteren Vorteil in der neuen Technik: Wenn Antibiotika aufgrund ihres weltweiten Einsatzes in einigen Jahren nicht mehr wirken, kann der keimfreie OP-Saal zum Lebensretter werden, ist er sich sicher.

Der neue Erweiterungsbau ist auf einem verhältnismäßig kleinen Grundstück zwischen bestehenden Gebäuden der Klinik entstanden und war eine echte Herausforderung für die Planer. In einem zweiten Schritt werden bei laufendem Betrieb nacheinander auch die anderen OP-Säle mit der neuen Technik für insgesamt rund sieben Millionen Euro ausgestattet.  sg

Kommentar schreiben

comment

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.
Pflichtfelder sind markiert mit*

Weitere Nachrichten aus Potsdam

8.000 Euro fürs Potsdamer SPZ
Potsdam

8.000 Euro fürs Potsdamer SPZ

Ein großartiges Ergebnis: 8.000 Euro haben BlickPunkt- und PreussenSpiegel-Leser sowie die Hörer von BB Radio im Rahmen der Aktion "Die Region hilft helfen" gespendet. Buchstäblich in letzter Minute...

RB21: Wustermark wird nicht abgehängt
Potsdam

RB21: Wustermark wird nicht abgehängt

Bürgerengagement macht sich bezahlt: Nach einem längeren, vom Infrastrukturministerium initiierten Moderationsverfahren zwischen der DB Netz AG, dem Landkreis Havelland, der Gemeinde Wustermark und...

Lebensfreude im Namen der Gleichberechtigung
Potsdam

Lebensfreude im Namen der Gleichberechtigung

Rund 100 Menschen haben am Donnerstag auf dem Alten Markt in Potsdam an der Aktion "One Billion Rising" teilgenommen und für Gleichberechtigung getanzt. Initiiert wird die Potsdamer Ausgabe der...