Europäisches Erbe in Potsdam

Europäisches Erbe in Potsdam

Mitstreiter im Einsatz für Potsdams Denkmale gesucht: Barbara Funk-Ott, Michael Giehlen und Ines Koch (vorn von links) vom Ortskuratorium der Deutschen Stiftung Denkmalschutz mit Gartendenkmalpfleger Felix Merck und Sabine Ambrosius von der Stadt. Fotos (2): Sabine Gottschalk

Kulturerben pflegen historisches Gut und öffnen am Denkmaltag ihre Türen

Dauereinsatz für die katholische Kirche am Bassinplatz: Die Restauratoren Oliver Max Wenske und Grit Jehmlich mit Manfred Gläser und Eva Warzyniak von der Kirchengemeinde (von links).

Potsdam. Die Sonne brennt seit Mai und lässt jeden Gärtner verzweifeln. Dennoch grünt und blüht es im Karl-Foerster-Garten in Potsdam-Bornim als gäbe es jede Nacht Landregen. Potsdams Gartendenkmalpfleger Felix Merck ist Herr über Haus und Garten seitdem die Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD) das Wohnhaus des berühmten Staudengärtners nach dem Tod seiner Tochter Marianne übernommen hat.

Gemeinsam mit dem tatkräftigen Ortskuratorium der DSD setzt er sich für die Restaurierung des Gebäudes und den Erhalt des Foersterschen Schaugartens ein. Mittlerweile ist die komplette Fassade saniert und in den Original-Zustand zurückversetzt worden. Marianne Foerster hatte lange Zeit als Landschaftsarchitektin in Belgien gearbeitet und bezog nur eine schmale Rente als sie nach Potsdam zurückkehrte, um ihre Mutter zu pflegen. Für Renovierungsarbeiten an dem seit 1981 unter Denkmalschutz stehenden Wohnhaus war nie Geld da. Schon in den 90er Jahren hat die Stadt zwar das Dach erneuert, das Innere wurde jedoch nie angefasst. Heute ist das Fluch und Segen zugleich.

Fluch, weil nach einer einjährigen Erbauseinandersetzung festgestellt wurde, dass ein Schornstein versottet war und das gesamte Haus von innen verschimmelte. Segen, weil wirklich alles bis hin zu den "antiken" Stromleitungen von 1911 noch vorhanden ist. So konnte bei der Instandsetzung der Bibliothek die Tapete von der Wand gelöst, restauriert und wieder angeklebt werden. Küche, Bäder und ein Schlafzimmer sind ebenfalls bereits in den Urzustand zurück versetzt worden. "Die alten Kabelrohre erhalten wir und legen neue Stromkabel unter Putz", erzählt Felix Merck. Das ist wahre Liebe zum Detail.

Bis alles fertig ist, werden noch einige Jahre vergehen. Zurzeit bekommt der Wintergarten sein frisches Hellblau zurück, dann soll der Windfang saniert und Besucher ein erster Einblick in die Lebenswelt Karl Foersters gegeben werden. Für alle weiteren Schritte fehlt noch das Geld, das unter anderem vom denkmalbegeisterten Ortskuratorium gesammelt wird.

Am Tag des Denkmals, dem 9. September, stellen die Mitglieder ein weiteres Gebäude vor, für das sie sich schon im letzten Jahr eingesetzt haben: die Armin'sche Kapelle auf dem Alten Friedhof. Hier ist Hilfe für die Wiederherstellung des außergewöhnlichen Mosaik-Fußbodens nötig. Das Kuratorium sucht dringend nach neuen Mitstreitern, die die Schönheit des Potsdamer Erbes erkannt haben.


Kirchengemeinde im Vormarsch


Die katholische Sankt Peter und Paul-Kirche auf dem Bassinplatz ist mit 235.000 Besuchern im Jahr 2017 ein echter Touristenmagnet in der Innenstadt. In der wunderschön restaurierten Kirche aus dem Jahr 1870 gibt es viel zu entdecken, auch aus dem Vorgängerbau, der auf dem heutigen Ministeriumsgelände in der Hennig-von-Tresckow-Straße stand.

Sämtliche Kunstwerke von dort wurden hinüber gerettet, mussten dann allerdings mit viel Mühe neu sortiert werden, da sie teilweise sogar auseinander genommen waren, erzählt Restaurator Oliver Max Wenske. Der Potsdamer hat sich 15 Jahre lang mit der Restaurierung von Kirchenschiff und Kapellen beschäftigt. Da die katholische Kirche in Preußen kein gewichtiges Standbein hatte, sei es vor allem dem bekannten Pater Bruns zu verdanken, dass Ende des 18. Jahrhunderts überhaupt eine relativ reichhaltige Ausschmückung des profanen Fachwerkbaus möglich war, zu der auch drei von Friedrich I. finanzierte Altarbilder des Hofmalers Antoine Pesne gehören.

Denn zwischen 1511 und 1722 gab es gar keine katholischen Messen in Potsdam. Mitglieder der Kirchengemeinde haben in jahrelanger Arbeit die nur noch teilweise vorhandenen Kirchenchroniken aufbereitet. Dabei zeigte sich auch, dass Katholiken mehr noch als zugereiste Protestanten immer Migranten waren. Ein Thema, das die sechs gerade frisch ausgebildeten Kirchenführer mit unterschiedlichen beruflichen Hintergründen zum Tag des Denkmals neben der künstlerischen Ausstattung der Kirche aufgreifen werden. sg

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