Schönheitskur fürs Theaterschiff

Schönheitskur fürs Theaterschiff

50 Meter lang, 300 Tonnen schwer: Die Werft in Berlin-Spandau ist eine der wenigen in der Region, die solch große Schiffe aufnehmen kann. Foto: Theaterschiff Potsdam e.V.

Das schwimmende Industriedenkmal wird in Berliner Werft generalüberholt

Das Theaterschiff auf dem Weg nach Berlin. Foto: Theaterschiff Potsdam e.V.

Potsdam/Berlin.

Eine Tonne Muscheln und diverse Schichten alter Farbe, die es zu entfernen gilt sowie ein neuer Anstrich für den Schiffsrumpf: Das ist das Programm, das den "Sturmvogel", wie das Potsdamer Theaterschiff heißt, in den kommenden Wochen erwartet. Am Dienstag wurde das 50 Meter lange, schwimmende Industriedenkmal per Schleppkahn in die Werft nach Berlin-Spandau gebracht, wo es generalüberholt wird. Die dortige Werft bietet ein Sandstrahlverfahren an und kann derart große Schiffe aufnehmen.

Mit Hilfe von Fördergeldern ist es dem Verein Theaterschiff Potsdam gelungen, die für die Instandsetzung nötigen 128.000 Euro zusammenzubekommen. Glücklich darüber äußerte sich der technische Leiter des Theaterschiffs, "Schiffsflüsterer" Timo Schöps. Er selbst ist seit 16 Jahren an Bord - und noch nie habe das Schiff so viel Geld zur Verfügung gehabt, berichtet er. "Ich bin total glücklich", sagte Schöps am Montag. "Endlich muss ich etwas mal nicht selbst machen, sondern kann es einfach machen lassen." 64.000 Euro schießt das Land Brandenburg im Rahmen der Denkmalhilfe zu. Den entsprechenden Scheck übergab Wissenschaftsministerin Martina Münch am Montag. Die Stadt Potsdam gibt 20.000 Euro dazu, und 5.000 Euro stammen von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz.

Erbaut wurde der "Sturmvogel" im Jahr 1928. Nach dem Ende der Hochphase der Binnenschifffahrt wurde er zum Transport für Kabel genutzt. Nach der Wende drohte dem Schiff wie vielen anderen die Verschrottung. Binnenschiffer Rainer Röper vom Historischen Hafen Berlin, der das Theaterschiff auch dieses Mal zur Werft schleppte, vermittelte den Kahn schließlich nach Potsdam an Schauspieler und Regisseur Wilfried Mattukat als Spielort für seine "Stadt-Spiel-Truppe". Zum Veranstaltungsort umgebaut wurde der "Sturmvogel" im Jahr 1994. 2013 musste das Theaterschiff umziehen, weil es in der Alten Fahrt bei den Bauarbeiten in der alten Mitte Potsdams im Weg war. Seither ankert das Schiff in der Schiffbauergasse. Auf Initiative der künstlerischen Leiterin Martina König und Timo Schöps wurde das 300 Tonnen schwere Theaterschiff vor zwei Jahren als "Industriedenkmal des Landes Brandenburg" eingetragen und unterliegt damit besonderem Schutz.

Doch der Ausflug nach Berlin-Spandau hat nicht nur rein kosmetische Gründe. Im Zuge der Überholung wird auch ein Bodenbericht erstellt. Dieser ist die Voraussetzung dafür, dass der "Sturmvogel" als Wasserfahrzeug zugelasse ist - also quasi ein Schiffs-TÜV. Dafür darf die Bordwand eine Dicke von 4 Millimimetern nicht unterschreiten - andernfalls muss der Rumpf ausgebessert werden. Hat das Schiff die Prüfung bestanden, plant der Verein, mit der schwimmenden Bühne künftig wieder auf Reisen zu gehen. Auch in der Vergangenheit war das Theaterschiff schon unterwegs, etwa in Polen.

Mehr als 12.000 Menschen besuchen das Theaterschiff jährlich, das vom achtköpfigen festen Ensemble und Gästen bespielt wird. Donnerstags bis sonntags findet das Kulturprogramm jeweils statt - mit Theaterstücken aus eigener Produktion oder Gastspielen, Konzerten, Lesungen und Kneipenbetrieb. Bis zu 120 Zuschauer finden im Theatersaal im Schiffsbauch Platz.

Für das Theaterschiff ist es bereits die sechste Tour in die Werft seit 1994. Rund sechs Wochen soll die Pause dauern. Am 10. August wird das Theaterschiff wieder in der Schiffbauergasse erwartet. Die erste geplante Veranstaltung ist dann die Tanznacht im Kahn mit DJ Rengo am 18. August.   rue

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