Des Kaisers Reise ins Exil

Des Kaisers Reise ins Exil

Die niederländischen Schauspieler Gonny Gaarkeer und Richard Gonlag. Foto: Sabine Gottschalk

Dokumentartheater beschäftigt sich mit der Flucht Wilhelms II nach Holland

Potsdam. 1918 war alles vorbei. Der Erste Weltkrieg war zu Ende, Deutschland besiegt und der Kaiser für immer abgeschafft. Wilhelm II. blieb nichts anderes übrig, als ins niederländische Exil zu fliehen. Mit der dortigen Königin Wilhelmina war er zwar verwandt, doch willkommen hieß den Kaiser dort niemand.

Die bewegte Zeit zwischen Kriegsende und Wilhelms Tod 1941 hat die Theatertruppe "Das letzte Kleinod" aufgearbeitet und als szenisches Spiel umgesetzt. Ausgangspunkt ist der historische Zug des Theaters, der auch bespielt wird, denn schließlich floh auch Wilhelm mit der Eisenbahn. Für das Projekt hat Autor und Regisseur Jens-Erwin Siemssen in Deutschland und in den Niederlanden Zeitzeugen und Nachfahren von Zeitgenossen des Kaisers gesucht und befragt.

In den Interviews sind ganz unterschiedliche Geschichten ans Licht gekommen, die ein äußerst zwiespältiges Bild des Herrschers entstehen lassen. Trotzdem soll jeder Zuschauer die Möglichkeit erhalten, selbst zu entscheiden, wie er zu der historischen Figur steht. Passend zu dem dokumentarischen Theaterstück "Wilhelm*ina" fährt der Zug acht unterschiedliche Orte an, die in einer Verbindung mit dem historischen Kontext stehen. Vom 27. bis 30. Juni ist er in Potsdam zu Gast und steht direkt hinter dem neuen Kunstgutdepot der Schlösserstiftung in der Friedrich-Engels-Straße.

Gespielt wird auf der Freifläche hinter dem Depotgebäude. Das Stück verspricht nicht nur interessante Einblicke in eine größtenteils unbekannte Epoche der Zeitgeschichte, es entführt die Zuschauer auch in eine Theaterform, die nur selten zu sehen ist. Mit viel Musik und wunderschönen Stimmen werden die Sequenzen unterlegt. Ganz wie im echten Leben setzt sich das Ensemble aus deutschen und niederländischen Schauspielern zusammen.

Das Projekt wird vom Brandenburger Wissenschaftsministerium gefördert und ist in Zusammenarbeit mit dem Kleist Forum Frankfurt (Oder) entstanden. Dort ist am Donnerstag Premiere gewesen.Die Vorstellungen in Potsdam finden an allen vier Tagen jeweils um 18 Uhr statt und dauern 75 Minuten. Bei Regen werden die Zuschauer mit Capes versorgt. Karten für 24 beziehungsweise 18 Euro gibt es über die Webseite www.das-letzte-kleinod.de, telefonisch unter 04749 / 10 300 60 und an der Abendkasse. sg

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