Beelitzer greifen dem gestrandeten Unternehmen Renz unter die Arme

Beelitzer greifen dem gestrandeten Unternehmen Renz unter die Arme

Besondere Mission: Schneeräumung von Dächern ist keine originäre Aufgabe der Feuerwehren, doch als unter den Schneemassen eines der Circuszelte zusammenbrach, eilten die Einsatzkräfte zu Hilfe. Foto: Feuerwehr Beelitz

Beelitzer zeigen Herz für den Circus. Foto: privat

Beelitz. Eigentlich waren Tamara Renz und ihre Familie im Oktober nach Beelitz gekommen, um hier die Augen großer und kleiner Circus-Fans zum Leuchten zu bringen – mit Artistik, Akrobatik, Clownerie, ihren Tieren und allem, was den Zauber der Manege darüber hinaus ausmacht. Doch dann machte die Corona-Krise dem traditionsreichen Kulturbetrieb einen Strich durch die Rechnung – und führte dazu, dass es umgekehrt kam: Dass nämlich die Beelitzer die Augen der vom Spielverbot gebeutelten Circus-Leute vor Rührung zum Glänzen brachten.
„Seit November erhalten wir so viel Unterstützung von den Menschen aus Beelitz und Umgebung, wir werden hier keinen Augenblick allein gelassen“, berichtet Circus-Chefin Tamara Renz. Normalerweise wäre die Winterpause wesentlich kürzer gewesen als die derzeit andauernde Corona-Zwangspause, wäre sie mit ihrem Mann, den Kindern und Enkeln – insgesamt acht Familienmitglieder – längst wieder auf Achse.
Auf dem Gelände des Jakobs-Hofes an der B2 dürfen sie mit ihren Fahrzeugen und Wohnwagen kostenfrei stehen, die Tiere – darunter zwei Kamele, Pferde und ein Zirkuspony - grasen lassen, was alles schon eine riesige Hilfe sei. Darüber hinaus kommt fast täglich jemand vorbei, bringt Futter oder Lebensmittel. Und es wurden Spendenaktionen ins Leben gerufen, damit der Circus, der bislang noch keine Überbrückungshilfen bekommen hat, seine Rechnungen zahlen kann.
So hat die Beelitzerin Nicola Fadranski für den Circus über 1000 Euro an Spenden eingeworben: Als sie von der dramatischen Lage des Familienbetriebes, der zurzeit keine Einnahmen hat, erfuhr, startete die junge Frau kurzerhand eine Online-Sammlung auf dem Spendenportal betterplace.org, an dem sich viele Menschen mit Beträgen zwischen fünf und 50 Euro beteiligt haben. „Ich bin überwältigt von dieser riesigen Anteilnahme“, sagt die Initiatorin. Selbst als die Aktion offiziell mit gut 900 Euro beendet war, hatten sich Leute bei ihr gemeldet mit der Bitte, noch einen Beitrag leisten zu können: „Einmal 77 Euro von einem Herrn und nochmal 150 Euro von einer Frau, welche von der Aktion und dem Zirkus über das Radio gehört hatte.“
Die Namen der Spender und ihre Kommentare hat sie, sofern diese mitgeteilt wurden, auf eine Karte geschrieben und zusammen mit dem Geld und einem kleinen Präsent Mitte Februar vor Ort übergeben – ausgerechnet am Geburtstag von Zirkuschefin Tamara Renz. „Es war sehr emotional, am Ende sind sogar Tränen geflossen“, berichtet Frau Fadranski. Letztendlich ist alles an den Circus übergeben worden und es konnte auch noch Kontakt zur Beelitzer Tafel vermittelt werden, die aus den Beständen der Kleiderkammer Kindersachen zur Verfügung gestellt hat.
Einen ähnlich hohen Spendenbetrag haben auch die Burning Ropes der SG Blau-Weiß Beelitz eingeworben: Im Rahmen eines öffentlichen Online-Trainings haben die Seilspringerinnen im Vorfeld mit ihren Partnern aus der hiesigen Wirtschaft, aber auch privaten Spendern vereinbart, dass für 100 Sprünge 50 Cent an den Circus gezahlt werden. An dem halbstündigen Training haben sich dann auch Eltern und Freunde beteiligt, sodass am Ende 56000 Sprünge zusammenkamen – unterm Strich 280 Euro. Gewerbetreibende wie die Allianz-Vertretung Geisler und Ziemann sowie die Malerfirma Plönzke und auch Eltern der Springerinnen haben den Betrag auf 1000 Euro aufgestockt.
„Es war wirklich wunderbar, alle am Computer zu sehen und wir sind sehr stolz auf unseren Zusammenhalt“, sagte Abteilungsleiter Hanno Kramer, der auch 1. Vorsitzender des Beelitzer Sportvereins ist. Die Spenden der SG Beelitz wurden ebenfalls Mitte Februar an Familie Renz übergeben.
Darüber hinaus gab es viele Einzelspenden, unter anderem von der elfjährigen Zoé aus Beelitz, die ihr Playmobilspielzeug zugunsten des Circus verkauft hatte und den Erlös Mitte Januar vor Ort übergab. Und es gab Futtermittelspenden wie jene, die im Ortsteil Rieben von den Bürgern zusammengetragen wurde. Auch die Gewerbetreibenden unterstützen den Circus, wenn Hilfe gebraucht wird: So konnte sich Tamara Renz zwei dringend benötigte Brillen beim Optiker im Schmiedehof Stefan Fuhrmann besonders günstig fertigen lassen.
Eine etwas andere, aber sehr dringende Hilfe leistete die Feuerwehr Beelitz: Als unter den Schneemassen der ersten Februar-Tage plötzlich eines der Zelte zusammenbrach, rückten die Einsatzkräfte an und richteten gemeinsam alles wieder auf. Die Stadt als Träger des Brandschutzes wird in diesem Fall die entsprechende Satzung großzügig auslegen und auf die Erhebung von Kostenersatz verzichten, kündigte Bürgermeister Bernhard Knuth an, der auf die Hilfsbereitschaft seiner Stadt stolz ist. „Die Beelitzer stehen in dieser Corona-Krise mehr denn je für einander ein. Dass sie darüber hinaus auch noch so unglaublich viel für den Circus leisten, zeugt von großem Mitgefühl und sehr viel Herz.“
Auch Familie Renz ist immer wieder verblüfft und gerührt: „Ich möchte am liebsten alle umarmen – wenn ich nur dürfte“, sagt Tamara Renz. Sie, ihr Mann, die Kinder und Enkel können es kaum erwarten, endlich wieder auftreten zu dürfen – nicht nur, weil es nach so langer Zeit schon sehr kribbelt. Sondern vor allem auch, um mit zwei kostenlosen Aufführungen Danke zu sagen – und am Ende genau das zu tun, wofür sie eigentlich hier her gekommen waren. Die Augen anderer zum Leuchten zu bringen. red/ela

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