Corona als Wirtschaftsfaktor: Masken, aber sicher!

Corona als Wirtschaftsfaktor: Masken, aber sicher!

Schlaflose Nächte bis zum Durchbruch: Lilia Wagner hat im Europarc Kleinmachnow eine erfolgreiche Maskenproduktion aufgebaut und gleich eine Ausschreibung des Berliner Senats gewonnen. Fotos (2):Sabine Gottschalk

In Kleinmachnow stampft eine junge Unternehmerin eine OP-Masken-Produktion aus dem Boden

800.000 OP-Masken laufen täglich in Kleinmachnow vom Band, demnächst sollen auch FFP2-Masken dazu kommen.

Kleinmachnow. Lilia Wagner ist Spezialistin in der Vermarktung von pharmazeutischen Produkten und Nahrungsergänzungsmitteln. Damit hat sie gutes Geld verdient. Dann kam Corona und die Welt veränderte sich. Die Waren, die sie aus Nicht-EU-Ländern importierte, kamen nicht mehr an, das Geschäft brach ein. So konnte es nicht weitergehen, eine Alternative musste her.

Die fand die Unternehmerin in einem Produkt, das auf dem deutschen Markt schwer zu finden war, sich aber einer riesigen Nachfrage erfreute: medizinische Gesichtsmasken. Die meist hellblauen OP-Masken gab es bis zum Frühjahr 2020 in Deutschland praktisch nur für Krankenhaus- und Pflegepersonal, ihre Herstellung hatte sich komplett nach Asien verlagert.

Angesichts der schnell bestehenden Lieferengpässe zu Beginn der Pandemie in Europa hat die Bundesregierung zum 1. Mai letzten Jahres ein Förderprogramm aufgelegt, mit dem die einheimische Produktion von persönlicher Schutzausrüstung angekurbelt werden sollte. Das umfasste sogar Vorprodukte für OP-Masken, wie Vlies und elastische Bänder für die Ohrschlaufen. Lilia Wagner machte sich dieses Förderprogramm zu Nutze und entschied kurzerhand, Produktionsmaschinen auf dem asiatischen Markt zu bestellen. Eine gewagte Investition, denn bis die Maschinen schließlich in Deutschland ankamen, wusste die 37-Jährige nicht einmal, wo sie sie aufstellen sollte.


Kein Starkstrom in der Produktionshalle

Entsprechende Produktionshallen waren in der Region schwer zu finden, und vom Sitz ihrer Firma in Berlin-Charlottenburg aus konnte sie bislang zwar Medizinprodukte vermarkten, für Maschinen gibt es dort aber keinen Platz. Die Rettung kam schließlich aus Kleinmachnow: Im Europarc wurde eine Gewerbeeinheit mit Büroetage frei. Die Unternehmerin zögerte nicht lange, mietete die leere Halle und baute alles um. Es musste schnell gehen, denn die Produktionsgeräte warteten schon im Containerhafen. Doch schon folgte ein neues Hindernis - die mitgelieferten Aufbauanleitungen waren für chinesische Kunden bestimmt. Ein Muttersprachler mit technischen Kenntnissen musste helfen, er unterstützt die Firma bis heute.

Als die Maschinen schließlich standen, sollte sich zeigen, dass es doch ein wenig mehr braucht als Unternehmergeist, um eine Produktion aus dem Boden zu stampfen. Die vorhandenen Stromanschlüsse reichten zwar fürdie bisherigen Büros, aber nicht für den Verbrauch einer ganzen Produktionskette. Einzige Möglichkeit: die Verlegung von Starkstrom-Leitungen, doch das sollte Monate dauern. Dabei war seit der Bestellung der Maschinen schon fast ein halbes Jahr vergangen. Der Stromanbieter zeigte sich kulant, und am 1. Oktober konnte die Produktion endlich starten. Zunächst allerdings nur für das Lager, denn Kunden mussten erst noch überzeugt werden.

Dann kam eine Ausschreibung des Berliner Senats über zehn Millionen Masken als Schutzausrüstung für gefährdete Mitarbeitende, beispielsweise bei der Polizei. Das musste Lilia Wagner nicht zweimal gesagt werden: Schließlich hatte sie ja schon einiges auf Lager und inzwischen auch ausreichend Fachkräfte, um den Schwung zu bewältigen, der im Dezember und Januar ausgeliefert werden musste.


Inwischen läuft die Maskenproduktion auf Hochtouren

Mittlerweile werden etwa 800.000 OP-Masken täglich produziert und verpackt. Besonders wichtig ist dabei die ständige Qualitätskontrolle, denn die zertifizierten Medizinprodukte müssen sicher sein und sollen keine Farbveränderungen aufweisen. Neben schwarzen Masken, die demnächst ins Programm kommen, will Lilia Wagner im Frühjahr zusätzlich mit der Produktion von FFP2-Masken beginnen. Dafür und für die Produktion kleinerer Masken für Kinder hat sie weitere Maschinen bestellt. Beliefert werden neben Großkunden mittlerweile vor allem Apotheken. Weitere Fachkräfte zur Bedienung der Maschinen werden noch gesucht.

Besonders ärgerlich findet Wagner, dass Ausschussware und Reste des vollsynthetischen Materials nicht über die gelbe Tonne recycelt werden dürfen. "Für die Umwelt ist das gar nicht gut", sagt die energiegeladene Deutsch-Kasachin. Auch Privatkunden und Unternehmen der Region interessieren sich inzwischen für die Masken aus Kleinmachnow. Für sie soll in Kürze ein Werksverkauf im Eingangsbereich der Produktionshalle eröffnet werden. sg


Weitere Informationen und Kontaktdaten für Bewerbungen gibt es auf www.ginensys.de oder per E-Mail an info@ginensys.de.

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